Beim Absturz fließen auch Tränen

Ferienspaß bei den Modellbauern:

Trotzdem durften Kinder beim MFC Betzdorf/Kirchen auch das Steuer übernehmen – der Fluglehrer war stets in der Nähe

rai Elkenroth. Über den Wolken soll die Freiheit ja bekanntlich grenzenlos sein. Aber genau die, vielmehr dicke Nebelschwaden, bereitete gestern Nachmittag den Piloten des Modellflugclubs (MFC) Betzdorf/Kirchen etwas Sorgen. Immer wieder wanderten auf dem Flugplatz bei Elkenroth die Blicke der Aktiven in die Höhe – aber nicht etwa, weil eine der Modellflieger in der Luft war, sondern weil die wabernde Masse drohte, einen Strich durch eine besondere Aktion des Vereins zu machen. Erstmals bot der Club um Vorsitzenden Friedhelm Pledt (Kirchen) im Rahmen der Ferienspaßaktion der Jugendpflege Kirchen Schnupperfliegen für Kinder an.

In der Tat: Viel Platz zwischen »Himmel« und Erde war nicht vorhanden. Also wurde die Zeit erst einmal dazu genutzt, den wissbegierigen Kindern die Propellermaschinen, in diesem Fall vereinseigene Schulungsflieger, zu erklären. »Mit diesem Knüppel wird das Höhenruder bewegt, damit das Seitenruder«, wies Udo Nocera (Freudenberg), seines Zeichens zweiter Vorsitzender, die Ferienkinder Silvio und Thomas (beide Freusburg) in die Technik ein. Das Modell mit einer Spannweite von rund anderthalb Metern Spannweite vereinte bei rund zehn Kubikzentimeter 1,2 PS unter der Haube. Das Volltanken der Maschine mit Methanol war in wenigen Sekunden beendet, und mit einer Startbatterie und etwas Schwung am Propeller surrte der Motor. Vereinskollege Horst Benckert (Scheuerfeld) packte den Rumpf des Fliegers.

Ein Handstart war dann auf dem Rollfeld angesagt: Benckert lief los und ließ nach ein paar Metern die Maschine los, die steil in die Höhe düste. »Du hast«, sagte Nocera und gab damit den Hinweis an den 13-jährigen Thomas, dass dieser nun das Steuer übernehmen könne. Viel Erfahrung hatte der Junge bisher noch nicht an einem Modellflieger gesammelt: »Mein erster motorisierter Modellflieger aus Styropor war bei seinem ersten Flug zu Bruch gegangen«, verriet Thomas im Gespräch mit der SZ. Mit welchen Gefühlen man den Laienpiloten eigentlich den Steuerknüppel übergibt, wollte die SZ von den Clubmitgliedern wissen – schließlich stecken viel Zeit, Geld und Arbeit in den Modellen. »Hier kann kein Schüler einen Absturz verursachen«, antwortete Nocera. Der Schüler halte zwar ein eigenes Steuerpult in der Hand, aber bevor es zu brenzligen Situationen komme, könne der Lehrer über seine Steuerung das Schülerpult ausschalten. Herr des Geschehens bleibe immer der Fluglehrer.

Während der stellvertretende MFC-Chef einem weiteren Kind die Faszination der Lüfte erleben ließ, öffnete Pledt seinen Pkw-Anhänger. Unter der Plane kam eines der sechs Schmuckstücke des Vorsitzenden zum Vorschein, eine Piper-PA-18. »Bei Vollgas rund 100 Kilometer pro Stunde«, antwortete Pledt auf die Frage nach der Höchstgeschwindigkeit. Mit Hilfe seiner Vereinskollegen befestigte er dann die Tragflächen. Deren Spannweite beträgt bei dem maßstabsgetreuen Modell (1:3) beachtliche vier Meter. Der 100-Kubikzentimeter-Boxermotor produziert über zehn Pferdestärken. Übrigens kein Modell von der Stange, sondern eine echte Einzelanfertigung. Ganz klar, dass ein solches Modell, in dem mehrere hundert Arbeitsstunden stecken, dann doch nur erfahrenen Piloten vorbehalten bleibt. Denn nur zu gut weiß Pledt, dass bei einem Absturz »auch Tränen fließen können.« Die detailgetreuen Nachbauten seien ab einer gewissen Höhe vom Original kaum noch zu unterscheiden, berichtete Nocera, der u.a. einen Segelflieger KA6CR mit einer Spannweite von 6,25 Metern in Holzrippenbauweise nachgebaut hatte. Selbst das Cockpit mit einem täuschend echten Piloten beeindruckt durch Detailtreue. Das Original steht übrigens auf dem Flugplatz in Katzwinkel.

»Ein Segler im Maßstab 1:2 und einer Spannweite von neun Metern«, berichtete Nocera, sei sein nächstes Projekt. »Wer infiziert ist von der Modellfliegerei, der bleibt dabei«, berichtete der versierte Modellbauer, der mit seinen Vereinskollegen gestern sicherlich auch das eine oder andere Ferienkind mit dem Virus ansteckte. Für etwa 150 Euro sei bereits ein motorisiertes Modell mit Funkempfängern zu haben. Den richtigen Umgang damit kann man beim MFC und dessen Fluglehrern erlernen. Besseres Wetter als gestern ist den Freunden der Modellfliegerei vor allem am ersten August-Wochenende zu wünschen. Denn dann veranstaltet des MFC sein Flugplatzfest, zu dem rund 70 Maschinen erwartet werden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.