Das Gespräch am Gartenzaun

Dorfwettbewerb im Oberkreis: Gottfried Frings zeigte Steineroths schönste Seite

Steineroth. Gottfried Frings weiß, wo der Kleiber brütet. Und dass die hölzerne Sitzgruppe in einem Garten ein Weihnachtsgeschenk war. Natürlich auch, dass die Natursteinmauer gerade mal 300 DM gekostet hat und an einem Wochenende fertig war. Der Ortsbürgermeister hätte das Zeug zum Reiseführer: Mit einem Lächeln auf den Lippen dirigierte er gestern die Dorfwettbewerbs-Kommission durch die Gemeinde und lobte und pries alle Schönheiten, die da links und rechts des Weges lagen. Und wenn ein störendes Steinchen auf einer Holzbank lag, dann näherte sich Frings dezent an, um mit einem kleinen Wischer mit dem Handrücken die Idylle wieder ins Lot zu bringen.

Trümpfe: Vereine und Gemeinschaft

Schon bevor die Kommission am Steinerother Sportplatz eintraf, gab sich Frings souverän. Auch auf mehrmaliges Nachhaken ließ er sich nicht entlocken, mit welcher Platzierung im Wettbewerb die Steinerother denn nun zufrieden wären. Auf die Frage nach den Trümpfen der Gemeinde war er dagegen viel auskunftsfreudiger: »Natürlich haben wir im Wettbewerb nicht die Stärken, die die idyllisch gelegenen Moseldörfchen mit ihren Weinbergen haben. Unsere Trümpfe sind vor allem das Vereinsleben und der ausgeprägte Gemeinschaftssinn.«

Und so hatte der Ortsbürgermeister auch eine entsprechende Werbetour durch die Gemeinde ausgetüftelt, bei der möglichst viele der Steinerother Trümpfe auf der Strecke lagen: Die Begrüßung ging auf dem Sportplatz über die Bühne, von dort führte der Ortsbürgermeister die Jury zum Friedhof und danach zum Dorfladen. Anschließend präsentierte Frings den Naturspielplatz, die Franziskuskapelle, die Neubaugebiete und die Kirche. Ein abschließendes Gespräch im Bürgerhaus sollte sicherstellen, dass auch alle Steinerother Stärken zur Sprache gebracht worden waren.

Wichtige Infos gibt es über den Zaun

So zogen sie dann durch die Straßen – übrigens nur teilweise zu Fuß. »Wir haben heute schon mehr als zehn Kilometer hinter uns«, erklärte Jury-Mitglied Dieter Sommerfeld, und seine Kollegin Erika Hüsch sagte es deutlicher: »Wir sind heute schon genug gelaufen.« So sparten sich die Juroren den Weg vom Sportplatz zum Friedhof. Im Dorfkern selbst aber ließ sich Erika Hüsch den Fußmarsch nicht nehmen: »Manchmal sind gerade die Gespräche über den Gartenzaun sehr aufschlussreich, vielleicht sogar aufschlussreicher als die offiziellen Reden.«

Eine lange davon hielt Gottfried Frings im Dorfladen. Er erinnerte daran, dass das kleine Geschäft von Bürgern aufgebaut wurde. 70 Anteilseigner gibt es, darunter auch Vereine, und sie alle teilen sich die Pacht. »Darum geht es aber gar nicht, sondern darum, wieder ein Geschäft im Dorf zu haben«, berichtete Frings bei einer Tasse Kaffee in eben jenem Dorfladen. Bei Dieter Sommerfeld übrigens sammelte Steineroth mit seinem Dorfladen Pluspunkte: »Das ist eine tolle Idee, und diesen Ideenreichtum belohnen wir.«

Längst sind die Zeiten vorbei, in denen die Dörfer mit den meisten blühenden Geranien in den Blumenkästen die Titel abräumten – was sich auch am neuen Namen des Dorfwettbewerbs ablesen lässt: »Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft«. Blühende Stiefmütterchen in Ehren: Aber ohne Dorferneuerung, Arbeitsplätze im Ort und ein kulturelles Leben gibt es kaum mehr eine Goldplakette zu gewinnen. So überrascht es nicht, dass die Jury sich multiprofessionell zusammensetzt: Kommissionsleiter Hans Kwiotek arbeitet in der Bauabteilung der Kreisverwaltung, Dieter Sommerfeld ist als Kreisarchivar Fachmann für Traditionspflege, Olaf Riesner-Seifert beim Amt für Landschaftspflege. Erika Hüsch wiederum kennt die Vereins- und Verbandsarbeit im Detail, und Harald Weller ist Experte für Denkmalpflege und Dorferneuerung. Dieses Team zieht derzeit durch viele Gemeinden im Kreis: Insgesamt beteiligen sich nach Angaben von Sommerfeld 24 Gemeinden im Kreis am Dorfwettbewerb.

Ergebnisse liegen Freitag vor

Steineroth startet übrigens in der Sonderklasse. In dieser Klasse messen sich die Gemeinden, die in der Hauptklasse in der Vergangenheit bereits einen der vorderen Plätze belegt haben. Steineroth holte 1999 den 3. Platz auf Kreisebene. Ob es in diesem Jahr wieder einen Grund zur Freude gibt, werden Frings und seine Mitstreiter am Freitag erfahren: Dann nämlich werden in Gebhardshain die Kreissieger bekannt gegeben.

damo

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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