Ein ganz und gar netter Besuchstermin

Landrat zu Gast bei der Westerwaldbahn / Neuer Betriebshof: Arbeiten laufen gut / Verkehrsunternehmen expandiert

damo Bindweide. Wenn der Landrat zu Besuch kommt, dann putzt man sich fein raus. Dann will man Positives erzählen und Schönes vorzeigen. Horst Klein hatte es da nicht besonders schwer: Die Westerwaldbahn (WEBA), ehemaliger Kreis-Eigenbetrieb und heute GmbH im Besitz des Landkreises, zählt nun wahrlich nicht zu den Sorgenkindern zwischen Flammersfeld und Mudersbach. Und so musste WEBA-Geschäftsführer Klein weder einen Spagat hinlegen noch sich verbiegen, um dem Landrat zu einem zufriedenen Gesichtsausdruck zu verhelfen.

Es war der erste Besuch des Landrats in Bindweide – zumindest in seiner zweiten Amtszeit. Dr. Alfred Beth kam zu einer Zeit, in der sich die Schaltzentrale des Verkehrsunternehmens im Umbruch befindet: Bagger umzingeln das Verwaltungsgebäude, Bauarbeiter werkeln vor sich hin, und auf dem Gelände stehen mehr Betonmischer als Eisenbahnen. Der Betriebshof der WEBA wird derzeit umgebaut – und die Arbeiten laufen auf vollen Touren.

Der alte Betriebshof entsprach laut Klein nicht mehr den Anforderungen: Die Werkstatt, die Waschstraße, die Sozialräume, die Fluchtwege und Schutzeinrichtungen seien »nicht mehr zeitgemäß« gewesen. Außerdem ist der Fuhrpark gewachsen: Die Westerwaldbahn hat bekanntlich mit der Hessischen Landesbahn den Zuschlag für den Verkehr auf einigen Strecken zwischen Au und Wiesbaden, Koblenz und Limburg sowie Siershahn und Limburg erhalten. Die neue Gesellschaft »vectus« führt natürlich zu einem weiteren Wachstum der WEBA – und diese ist ja auch schon an der Hellertalbahn beteiligt. Das Signal für die Zukunft steht auf Grün – also muss der Betriebshof mitwachsen.

Landrat Dr. Alfred Beth ließ sich das 6,5-Mill.-Euro-Projekt gerne zeigen: Der Kreis sitzt mit einer Bürgschaft für den Kredit, den die WEBA für den Bau aufnehmen musste, mit im Boot. Außerdem fördert der Landkreis die WEBA über eine »Dauersubvention«, erinnerte der Landrat: Das Verkehrsunternehmen erhält Teile der Dividenden aus dem Aktienbesitz des Kreises. Da freut es den Landrat naturgemäß, dass die WEBA wirtschaftlich arbeitet und weiter expandiert – schließlich spiele die WEBA in der Verkehrspolitik des Kreises eine wichtige Rolle und sei zudem mit rund 60 Mitarbeitern auch auf dem Arbeitsmarkt eine feste Größe. Kreisbeigeordneter Ottmar Haardt, ÖPNV-Dezernent, nannte die WEBA einen »enormen Wirtschaftsfaktor« für den Kreis.

Wer so viel Lob einsteckt, steht fast schon in der Pflicht, weitere Erfolgsmeldungen zu produzieren – Horst Klein konnte berichten, dass der Bau des neuen Betriebshofs schneller vorangehe als geplant und bislang die kalkulierten Kosten nicht überschritten worden seien. Architekt Hans-Georg Brass informierte weiter: Statt zu Beginn des Jahres 2005 soll der Bau der neuen Hallen noch im Jahr 2004 abgeschlossen sein. Eine Wartungshalle, eine Pflegehalle, Werkstätten und Sozialräume werden noch gebaut; die Omnibushalle steht schon.

Schwierigkeiten haben lediglich die Insolvenzen einiger am Bau beteiligten Firmen gemacht. Es sei derzeit »der härteste Wettbewerb«, berichtete Beth und merkte an, dass ihm das durchaus Bauchschmerzen bereite. Zwar profitieren die kommuinalen Kassen vom Preiskampf der Anbieter, aber »die öffentliche Hand kann es sich nicht wünschen, dass Bauunternehmen zum Selbstkostenpreis anbieten müssen«.

Im Falle der WEBA aber konnten die Konkurse der Mindestbietenden aufgefangen werden – ohne Zusatzkosten kann der Bau fortgesetzt werden. Und wo war die negative Nachricht? Es gab sie nicht. Und so haben weder der Gastgeber noch der Besucher aus der Kreisverwaltung ihr Lächeln verloren. Ein netter Besuch.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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