In ehemaliger Klebsandgrube wird Molch-Population erfasst
Ein Paradies für seltene Tiere

Peter Weisenfeld (l.) und Hans-Jürgen Lichte bergen die Reuse.
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gum Elkenroth. Es kreucht und fleucht in der ehemaligen Klebsandgrube „Wilhelm“ nördlich der Landesstraße 286 zwischen Elkenrother Weiher und Sportplatz Weitefeld. Seltene Molche sind hier zu finden – ein Grund dafür, dass Hans-Jürgen Lichte vom BUND und Peter Weisenfeld, der als Biotopbetreuer für den gesamten Kreis Altenkirchen seit 30 Jahren agiert, zum Pressegespräch am Donnerstagmorgen geladen haben.

Fast ist es so, als wollten zumindest die Vögel selbst aufmerksam machen, ein Grünspecht und der äußerst seltene Schwarzspecht fliegen über die Köpfe der Besucher. Zwei Kanadagänse haben ebenfalls das besondere Biotop, umrahmt von Huflattich, entdeckt und überqueren es laut schnatternd. All das ist umso erfreulicher, da in den 90er-Jahren hier die Anlage einer Mülldeponie und eines Kohlekraftwerks geplant war, Pläne die glücklicherweise nicht verwirklicht wurden.

"Neben der Gelbbauchunke haben mich auch immer
die Tiere in den tieferen Gewässern interessiert,
wie zum Beispiel der Faden- und der Bergmolch."

Hans-Jürgen Lichte
stellv. Vorsitzender des
BUND Altenkirchen

„Das Gelände drohte immer wieder verfüllt zu werden, entweder illegal durch Überschuss von Bautätigkeiten oder legal durch genehmigte Ablagerungen, weshalb wir bereits 1998 den ersten Unterschutzstellungsantrag, u.a. mit dem Hinweis auf den äußerst seltenen Fadenmolch, gestellt haben“, so der stellvertretende Vorsitzende des BUND Altenkirchen, Hans-Jürgen Lichte, beim Pressetermin.

Antrag auf die Unterschutzstellung

Der BUND hat bereits einen Antrag auf die Unterschutzstellung des gesamten Gebietes gestellt, von dem das Land ca. 20 Hektar angepachtet und bereits unter Naturschutz gestellt hat. Diese Flächen sind ausgewiesen als Vogelschutzgebiet und es gilt bereits der europäische Schutzstatus (FFH). Immer noch sind 25 Arten, u. a. Schmetterlinge, Libellen, Amphibien, Vögel, Heuschrecken und Reptilien die auf der vom Aussterben bedrohten Liste stehen, im Mosaik der unterschiedlichen Lebensräume zu finden.

Auch seltene Molche sind in der ehemaligen Klebsandgrube „Wilhelm“ nördlich der Landesstraße 286 zwischen Elkenrother Weiher und Sportplatz Weitefeld zu finden.
  • Auch seltene Molche sind in der ehemaligen Klebsandgrube „Wilhelm“ nördlich der Landesstraße 286 zwischen Elkenrother Weiher und Sportplatz Weitefeld zu finden.
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Im bräunlichen Klebsand und dadurch, dass das Wasser immer trüb ist, sind die Amphibien geschützt vor dem Fischreiher. In extra aufgeschichteten Steinhaufen hat die Geburtshelferkröte ihren Unterschlupf. Die Population der Gelbbauchunke, dem kleinen spitzwarzigen Froschlurch mit der unscheinbar gefärbten Oberseite und der leuchtend gelben Bauchseite, hat wieder zugenommen.

Schutzwürdiger Charakter weg

„Neben der Gelbbauchunke haben mich auch immer die Tiere in den tieferen Gewässern interessiert, wie zum Beispiel der Faden- und der Bergmolch, die mit maßgebend dafür sind, dass hier ein Naturschutzgebiet besteht“, so Lichte. Knöterich und Lupinen lässt Weisenfeld rund alle vier Wochen durch einen Unternehmer abmähen. Sonst wäre der schutzwürdige Charakter des artenreichen Grünlands im Nu weg. Außerdem werden die restlichen Grünflächen von Schafen beweidet.

Um die nicht so leicht zu beobachtenden Molche zu erfassen, haben Lichte und Weisenfeld Fangreusen eingesetzt. Gleich in der ersten Fangreuse eines krautreichen Tümpels mit Wasserpest und Froschlöffel, haben sich eine Gelbbauchunke und die Larve eines Molchs verfangen. Die Molchweibchen legen die bis wenige hundert zählenden Eier in einem Zeitraum von mehreren Wochen oder gar Monaten einzeln an den meist schmalen Blättern der Wasserpflanzen ab.

Bis Ende August Ergebnisse sammeln

Zweimal dieses Jahr werden von Weisenfeld für die SGD-Nord die Reusen ausgelegt, Jürgen Lichte legt für den BUND die Reusen öfters aus. Einmal im Jahr wird im Käscher nachgeschaut ob sich die Jungtiere vermehrt haben. Bis Ende August sammeln Lichte und Weisenfeld die Ergebnisse, die in die Forschung der Hochschule Bingen übernommen werden. Und beim Besuch der Presse zeigt sich, dass sich das Auslegen gelohnt hat.

Winzig und niedlich: die Gelbbauchunke.
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Insgesamt fünf der seltenen Molche finden sich, drei Bergmolche und drei Kammmolche, die doch für die Anerkennung als Naturschutzgebiet eine große Rolle spielen dürften.

„Ich denke, da das Gebiet unter Schutz steht, ist hier die Notwendigkeit, dass etwas von der Gesellschaft getan wird, gegeben“, so Lichte.

Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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