Ein Schwertransport der besonderen Art

Mächtiger Trafo und zwei Lastzüge wurden am Elbener Bahnhof auf die Gleise gebracht

damo Elben. Eineinhalb Stunden vom Umspannwerk Dauersberg nach Elben: ein Tempo, das jedem Wanderer nur ein mitleidiges Lächeln ins Gesicht zaubern würde. Und wenn der Fußgänger dann noch erfährt, dass die beiden Zugmaschinen insgesamt 1500 PS in die Waagschale werfen können, wird er angesichts der bescheidenen Geschwindigkeit breit grinsen. Das Lachen wird ihm erst dann vergehen, wenn er hört, dass die beiden Lkw nicht etwa einen Wander-Rucksack zum Elbener Bahnhof transportiert haben, sondern einen Transformator. Und der wiegt dezent mehr als eine Wasserflasche und ein Butterbrot, nämlich 230 Tonnen.

Ein Darmstädter Spezialteam der Deutschen Bahn AG hatte in den vergangenen beiden Tagen einen anspruchsvollen Auftrag zu erledigen: Im Dienste der RWE-Net wird derzeit ein gigantischer Trafo von Dauersberg zu einer Umspannanlage in Bitburg transportiert. Der Trafo war in Dauersberg überflüssig; in Bitburg wird er benötigt, um Strom aus dem Pumpwerk im luxemburgischen Vianden umzuwandeln. Und weil ein Trafo dieser Ausmaße einen hohen Wert hat, ließ das RWE die aufwändige Transportaktion durchführen.

Los ging’s am Dienstagabend im Umspannwerk an der Steinerother Straße. Hier wurde der Koloss auf die beiden Lkw, so genannte Selbstfahrer mit je zehn Achsen, verladen. Eines der Fahrzeuge fuhr vorwärts, eines rückwärts; je zur Hälfte lag der Trafo auf der Ladegabel der schweren Maschinen auf. Dann ging es im verlangsamten Schritttempo nach Elben. »Für uns wurde die Baustelle in Steineroth geöffnet«, berichtete Volker Enders, der als Transportingenieur im Dienste des DB-Cargo den Transport koordinierte. »Durch die S-Kurven in Dauersberg wären wir mit unserem 40 Meter langen Gespann nicht gekommen.«

Am Mittwochmorgen wurde der Trafo dann auf die Schiene gebracht: Millimeterarbeit mit Stempelhebern. Zwei Stunden später konnte sich der Sonderzug in Bewegung setzen. Erstes Etappenziel: Scheuerfeld. Hier wechselte der Schwertransport das Gleisnetz: von dem der Westerwald-Bahn auf das der DB-Cargo. Die Reise ging weiter nach Bitburg, und zwar mit Tempo 40. Gestern traf der Trafo am späten Abend in der Eifel ein.

Dort wird er wieder auf die Straße verladen – und damit kommen die beiden Selbstfahrer wieder ins Spiel. Weil die aber selbst unbeladen maximal 20 Stundenkilometer aus ihren Leopard-Motoren kitzeln können, mussten auch sie über die Schiene nach Bitburg gebracht werden.

Gestern Morgen also standen am Elbener Bahnhof zwei große Kräne, deren Aufgabe darin bestand, die beiden je 80 Tonnen schweren Fahrzeuge auf Güterwaggons zu hieven. Auch hier höchste Konzentration; wieder musste jeder Handgriff sitzen. Nach gut zweieinhalb Stunden waren beide Fahrzeuge transportfertig. Insgesamt hat die Verladeaktion – wohlgemerkt nur der Teil bis Elben – rund 50000 Euro gekostet, schätzte Enders.

Derzeit rollt der Transport über Troisdorf und die rechte Rheinstrecke nach Bitburg; abgeschlossen wird die Aktion am 4. Juli. Dann trifft der Trafo an seinem Bestimmungsort ein – wohlgemerkt wieder in einem Tempo, dem ein jeder Fußgänger nur mit einem müden Lächeln begegnen kann.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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