Eine Patenschaft für Ausbildung

Schule und Wirtschaft wollen enger zusammen arbeiten

juli Gebhardshain. Schule und Wirtschaft müssen enger zusammenrücken – im Interesse von Schülern und Betrieben, aber auch von Verwaltungen und der Allgemeinheit. Denn die einen suchen Ausbildungsplätze, die anderen passende Arbeitskräfte, und Kommunen und Bevölkerung sind auf Steuerzahler angewiesen und müssen Arbeitslosigkeit teuer bezahlen. Die Westerwaldschule Gebhardshain und die AMS GmbH gehen mit gutem Beispiel voran: Gestern besiegelten sie eine Schulpatenschaft des Elkenrother Metallverarbeitungsbetriebs über die Regionale Schule.

Die Initiative dazu ging von der regionalen Steuerungsgruppe des Arbeitskreises »SchuleWirtschaft« aus. Dieser wird vom Schulleiter der Dualen Oberschule Kirchen, Berthold Löcherbach, und von Studiendirektor Axel Böhnlein als Vertreter der Berufsbildenden Schule Wissen geleitet. Er hoffe, »dass die Schulpatenschaft Schule macht«, sagte der Leiter der Westerwaldschule, Klaus Willwacher. Genau das beabsichtigt die Steuerungsgruppe mit dem Pilotprojekt. »Die Westerwaldschule soll Beispielcharakter für kreisweite Patenschaften aller weiterführenden Schulen haben«, betonte Löcherbach. »Je mehr Betriebe mitmachen, um so besser«, ergänzte Böhnlein. So soll allmählich ein Netzwerk geknüpft werden.

»Jobfüxin« Katharina Aulmann, die außer an der Westerwaldschule auch an der Konrad-Adenauer-Schule Wissen arbeitet, erhofft sich langfristige Bindungen von Schülern an Betriebe. Wenn von vorn herein festgestellt werde, wer wohin passe, könne für die Firmen ein größerer Aufwand verhindert werden.

Im Beisein der Achtklässler unterzeichneten AMS-Geschäftsführer Thomas Imhäuser, Willwacher und Löcherbach die Urkunde der Patenschaft. Über die klassischen dreiwöchigen Betriebspraktika hinaus, die nächste Woche starten, werden Kleinstgruppen an vier Praxistagen – über zwei Wochen verteilt – Einblicke in verschiedene Berufsbilder bei der Firma AMS erhalten. Mädchen sind laut AMS-Ausbildungsleiter Sascha Steinhauer ausdrücklich eingeladen, den Blaumann überzustreifen und sich über Feinblechbautechnik und Konstruktionsmechanik zu informieren. Für Anfang 2007 sind für die Achtklässler Betriebserkundungstage in verschiedenen Firmen geplant. Dabei sollen auch Berufe, die nicht im Trend liegen, wie Gebäudereiniger und Fachkraft für Lagerlogistik, vorgestellt werden.

Auch einige Lehrer werden bei AMS die Berufspraxis kennen lernen, was nach Ansicht des Arbeitskreises »SchuleWirtschaft« für viele Unterrichtsfächer hilfreich sein kann. Etwa im Deutschunterricht für das Führen der Berichtshefte, in Mathematik für berufsbezogene Aufgaben und in Physik für Erkenntnisse über neue Techniken und Materialkunde.

Die Tinte unter dem Vertrag war noch nicht trocken, da lief das Projekt bereits auf vollen Touren: Imhäuser und Steinhauer informierten die Schüler über ihre Erwartungen an Praktikanten und Auszubildende, über das Spektrum an Berufen und die Tätigkeiten in ihrem Betrieb. Das Praktikum sei die einzige Hilfe, sich bezüglich der beruflichen Zukunft zu orientieren, unterstrich er die Wichtigkeit. Noch wichtiger als gute Noten sei ein guter Eindruck vom Praktikanten, sagte Imhäuser. Steinhauer betonte die Zuverlässigkeit. »Ihr werdet beobachtet, von Anfang an. Also gebt Gas«, sagte der Ausbildungsleiter.

Die Schüler applaudierten, hörten aufmerksam und interessiert zu, stellten viele Fragen und äußerten Bedenken. Einer sagte, man dürfe auf keinen Fall nur zum Kehren und Aufräumen verdonnert werden. Ein Mitschüler war besorgt, dass er im Praktikum zu oft »Kannst du nicht« zu hören bekommt. Steinhauer versprach, Auszubildende würden sämtliche Abteilungen durchlaufen und Praktikanten auch sinnvoll eingesetzt. Zur Demonstration, dass auch mit dem Hauptschulabschluss etwas möglich ist, erklärte Imhäuser, auch er habe so angefangen. »Ich auch. Ich auch«, ergänzten Steinhauer und Bürgermeister Konrad Schwan, der das Geschehen verfolgte. Schulleiter Willwacher resümierte schließlich, eine Schulstunde sei wohl zu kurz gewesen für das erste Beschnuppern von Schülern und der Firma AMS.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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