Dickendorfer Mühle öffnete zum Mühlentag
Es klapperte wieder am rauschenden Bach

Hermann Zöller hatte sichtlich viel Freude daran, den Besuchern die alte Technik und die Geschichte der Dickendorfer Mühle zu vermitteln.  Fotos: rai
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  • Hermann Zöller hatte sichtlich viel Freude daran, den Besuchern die alte Technik und die Geschichte der Dickendorfer Mühle zu vermitteln. Fotos: rai
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rai Molzhain. Das alte Lied von der Mühle, die am rauschenden Bach klappert, das lernen heute noch die Jüngsten. Aber das Klappern ist längst verstummt in der Region, zumindest wenn es um das berufsmäßige Ausüben des Müllerhandwerk geht. Und doch klapperte es gestern wieder in der Dickendorfer Mühle, zur Demonstration und ohne Getreide: Sigrid und Hermann Zöller hatten das altehrwürdige Gemäuer anlässlich des Deutschen Mühlentages wieder weit aufgesperrt.

In der weißen Latzhose war Hermann Zöller, dessen Eltern noch Müllersleute waren, leicht unter den Besuchern auszumachen, die sich in großer Zahl aus nah und fern vom Mühlentag anziehen ließen. Das Interesse war groß, auch an der alten Technik, die einst Broterwerb für den Müller war und den Menschen ihr Brot auf den Tisch brachte. So führte Zöller Kinder und Erwachsene durch die Mühle.

Man konnte deutlich spüren, dass er gerne die alte Technik erläuterte, als er auf drei Etagen, vom Speicher bis zum Keller, aus der Historie der früheren Bannmühle erzählte. 1529 erstmals urkundlich erwähnt, kamen die Vorfahren von Hermann Zöller 1772 an den Elbbach, dessen Wasserkraft Transmission und Mühlsteine bewegte.

Bis 1859 unterstand die Mühle dem Landesfürsten, auch die Vorfahren von Zöller waren bis dahin Pächter. Dann kaufte ein Vorfahre die Mühle. Damit war auch der Bann – also dass die Menschen aus einem genau umrissenen Umkreis dort ihr Getreide mahlen lassen mussten – aufgehoben. „Die Vorfahren mussten nun vernünftiges Mehl mahlen“, sagte Zöller mit einem Augenzwinkern.

Ohne Bann lebte die Familientradition lange fort. Müllermeister Wilhelm Zöller und dessen Ehefrau Marie, die Eltern von Hermann Zöller, hatten bis 1972 die Getreidemühle für Mehl und Futter mit ihren zwei Mahlgängen im Haupterwerb betrieben, bis in die 1990er-Jahre im Nebenerwerb.

Zur Demonstration warf Zöller die Transmission an, die auch einen Mühlstein rotieren ließ. 2006 wurde eine Turbine, die einst die Räder und Maschinen antrieb, saniert – seither erzeugt die Wasserkraft Strom. Ein interessanter Einblick in die alte Technik, die früher ihren Anteil am täglichen Brot hatte. Könnte man heute noch Getreide mahlen? Theoretisch ja, antwortete Zöller, denn die Anlage sei voll funktionsfähig.

Auch rund um die historische Stätte wurde den Besuchern einiges geboten. So gab es Blechkuchen, im Dickendorfer Backes im Ort gebacken. Für das leibliche Wohl war u.a. mit Dinkelwaffeln, Kartoffelpuffer und Spießbraten bestens gesorgt. Zum zweiten Mal war der Rassegeflügelzuchtverein Molzhain dabei. Als Attraktion präsentierte der Verein einen indonesischen Lachhahn.

Und ein Hingucker für Jung und Alt war der Kasten fürs Schaubrüten. Zehn Eier lagen bei der Schlüpftemperatur von 37,7 Grad Celsius am 21. Tag bereit, und einige Küken waren schon mittags geschlüpft. „Das sieht man nicht alle Tage“, sagte der stellv. Vorsitzende Matthias Maas. Von innen angepickte Schalen zeigten, dass in ein bis zwei Stunden weitere Küken schlüpfen würden. An Ständen gab es z.B. selbstgemachte Seife, Handarbeiten und Dekoratives.

Bundesweit würden rund 1000 Mühlen beim Mühlentag mitmachen, berichtete Zöller. Bei der 26. Auflage war auch die Dauersberger Mühle dabei.

Hermann Zöller hatte sichtlich viel Freude daran, den Besuchern die alte Technik und die Geschichte der Dickendorfer Mühle zu vermitteln.  Fotos: rai
Zugegeben, der Teich an der Dickendorfer Mühle ist nicht der größte – aber um ein bisschen mit dem Boot zu fahren, reicht er allemal.
Autor:

rai (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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