SZ

Beim Wohnhauskauf ungenehmigte Garage „erworben“
Familie Ay jetzt "steinreich"

Kürsat Ay aus Molzhain hat über die Sache mit der „Garagen-Belagerung“ seinen Humor nicht verloren. Wegen der Betonquader kann er das Auto dort nicht abstellen.
  • Kürsat Ay aus Molzhain hat über die Sache mit der „Garagen-Belagerung“ seinen Humor nicht verloren. Wegen der Betonquader kann er das Auto dort nicht abstellen.
  • Foto: goeb
  • hochgeladen von Marc Thomas

goeb Molzhain. Als Kürsat Ay und seine Ehefrau sich im Sommer 2017 mit dem Eigentümer des Wohnhauses Auf der Höhe 11 in Molzhain über den Verkauf einigten, ging für das junge Paar ein Traum in Erfüllung. Stutzig seien sie beide allerdings beim Notartermin geworden, erzählt Kürsat Ay. Der Jurist habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass ihnen die Garage nicht überschrieben werden könne, zumindest nicht in Gänze. Ein Teil der Garage, die in den 1980er-Jahren vom Vorbesitzer erbaut worden war, mutmaßlich illegal, stehe nämlich auf Gemeinde-Grundstück.

Das Paar überlegte hin und her, wollte wegen dieser Sache aber nicht das Kaufgeschäft platzen lassen.

goeb Molzhain. Als Kürsat Ay und seine Ehefrau sich im Sommer 2017 mit dem Eigentümer des Wohnhauses Auf der Höhe 11 in Molzhain über den Verkauf einigten, ging für das junge Paar ein Traum in Erfüllung. Stutzig seien sie beide allerdings beim Notartermin geworden, erzählt Kürsat Ay. Der Jurist habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass ihnen die Garage nicht überschrieben werden könne, zumindest nicht in Gänze. Ein Teil der Garage, die in den 1980er-Jahren vom Vorbesitzer erbaut worden war, mutmaßlich illegal, stehe nämlich auf Gemeinde-Grundstück.

Das Paar überlegte hin und her, wollte wegen dieser Sache aber nicht das Kaufgeschäft platzen lassen.
Es habe nicht lange gedauert, da habe man Post von der Ortsgemeinde bekommen, die den beiden das Grundstück für 16 000 Euro zum Kauf angeboten habe – 40 Euro der Quadratmeter. So viel habe man 2017 man in Molzhain in etwa für ein Neubaugrundstück hinblättern müssen, heißt es.  „Wir hatten das Geld nicht“, räumt die Ehefrau ein. Eine uralte Ölheizung aus dem Baujahr 1971 musste ersetzt, das Bad dringend saniert werden.

Die Gemeinde habe daraufhin den Abriss der Garage auf eigene Kosten von den neuen Besitzern verlangt. Es gab einigen Schriftwechsel, der mit der amtlichen Androhung geendet habe, dass dann eben die öffentliche Hand selbst Hand anlegen und abreißen werde.

„Uns blieb nichts anderes übrig, als zum Rechtsanwalt zu gehen“, berichtet Kürsat Ay. Es stellte sich heraus, dass der Garagenbau in den 80ern offenbar per Handschlag besiegelt worden war. Es existierten keinerlei Dokumente darüber.

Der Anwalt konnte immerhin erwirken, dass nicht abgerissen wurde. Eine so viele Jahre bestehende und offenbar geduldete Garage, so schloss der Rechtsanwalt, genieße Bestandsschutz, selbst wenn es bei ihrer Baugeschichte nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Und so habe später auch das Gericht geurteilt.

Vor etwa einem Jahr, als das Ehepaar arbeiten war, so erzählten ihnen später die Nachbarn, seien ein Lastwagen und ein Bagger in der Wohnstraße aufgetaucht. Im Gepäck: Drei schwere Betonklötze, die mit Hilfe eines Vermessungsingenieurs genau auf der Grundstücksgrenze postiert wurden. Und damit die niemand verrücken kann, wurden sie überdies fest im Boden verankert.

„Wir waren völlig überrascht, als wir nach Hause kamen“, schildert Kürsat Ay. „Die Gemeinde hat das nicht angekündigt.“ Ergebnis Nummer eins dieser Aktion: Das Ehepaar Ay kann die Garage seither nicht mehr für das Auto benutzen. „Es sieht so aus, als würde es gerade noch gehen“, schildert er. „Aber ich habe es versucht und mir eine Beule ins Auto gefahren. Es geht nicht.“

Ergebnis Nummer 2: Von der Straße Auf der Höhe, die beim Haus der Familie Ay in einer Sackgasse endet, führt ein Fußweg zur nahen Ortsdurchfahrt. Der Steinreichtum der Ays machte im Dorf sofort die Runde.

„Das führte dazu, dass sich das alle mit eigenen Augen ansehen wollten“, erinnert sich Kürsat Ay an die vielen Spaziergänger, die sich, oft schmunzelnd, die Sache betrachtet hätten. „Es sieht ja auch schlimm aus.“ Seine Frau hat schon überlegt, die betonharten Grüße aus dem Bauamt mit Blumen zu bepflanzen. Er würde lieber nicht. „Lass es doch so wie es ist“, winkt er ab.

Gemeinde darf sich dazu nicht äußern „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich zu der Sache nichts sagen darf“, appelliert 1. Beigeordneter Werner Steffens. „Das geht zurück auf einen Beschluss in nicht-öffentlicher Gemeinderatssitzung“. Nur so viel: „Die Angelegenheit besitzt eine lange Vorgeschichte.“ Auch von Bauamtsleiter Martin Schäfer ist nichts herauszukriegen. „Tut mir leid“, erklärt er der SZ am Telefon. „Privatrechtliche Auseinandersetzung, da darf ich leider keine Auskunft geben.“ Nur so viel: „Hat die Gemeinde eine Stange Geld gekostet.“ Ein Gemeinderatsmitglied, das nicht genannt werden möchte, spricht gegenüber der SZ von „einer sehr komplizierten Angelegenheit“. Korrekt sei, dass die Garage in den 80ern illegal errichtet worden und später geduldet worden sei. Man habe dem Ehepaar aber noch vor dem Notartermin ein Kaufangebot gemacht. Dies sei allerdings von ihm abgelehnt worden.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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