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Konrad Schwans Amtszeit endet bald
Fünf Jahrzehnte im Dienst der Menschen

Konrad Schwan wird Anfang September nach fünf Jahrzehnten die öffentliche Bühne verlassen. Keine Frage: Der Kreis Altenkirchen wird damit ein Stück ärmer – aber Schwans Familie wird profitieren, zum Beispiel sein zweieinhalbjähriger Enkelsohn Eliah.  Foto: damo
  • Konrad Schwan wird Anfang September nach fünf Jahrzehnten die öffentliche Bühne verlassen. Keine Frage: Der Kreis Altenkirchen wird damit ein Stück ärmer – aber Schwans Familie wird profitieren, zum Beispiel sein zweieinhalbjähriger Enkelsohn Eliah. Foto: damo
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Kreis Altenkirchen. Er hätte auch in die Industrie gehen können: Bei Jung-Jungenthal hatte Konrad Schwan den Einstellungstest erfolgreich hinter sich gebracht, und ohnehin waren Ende der 1960er-Jahre die Absolventen der Handelsschule begehrt: „Da standen die Betriebe Schlange. Wir waren ganz schön umworben.“ Der damals 15-Jährige hörte aber auf seinen Vater – und ging in die Verwaltung. Der ist er treu geblieben: In diesen Tagen, 50 Jahre später, geht eine außergewöhnliche Berufslaufbahn im öffentlichen Dienst zu Ende. Kaum ein Kommunalpolitiker dürfte auch nur annähernd so populär sein wie Konrad Schwan, und kaum einer dürfte das AK-Land und vor allem seine Menschen ähnlich gut kennen wie er.

Im SZ-Gespräch blickte Schwan jetzt auf fünf Jahrzehnte im öffentlichen Dienst zurück.

damo Kreis Altenkirchen. Er hätte auch in die Industrie gehen können: Bei Jung-Jungenthal hatte Konrad Schwan den Einstellungstest erfolgreich hinter sich gebracht, und ohnehin waren Ende der 1960er-Jahre die Absolventen der Handelsschule begehrt: „Da standen die Betriebe Schlange. Wir waren ganz schön umworben.“ Der damals 15-Jährige hörte aber auf seinen Vater – und ging in die Verwaltung. Der ist er treu geblieben: In diesen Tagen, 50 Jahre später, geht eine außergewöhnliche Berufslaufbahn im öffentlichen Dienst zu Ende. Kaum ein Kommunalpolitiker dürfte auch nur annähernd so populär sein wie Konrad Schwan, und kaum einer dürfte das AK-Land und vor allem seine Menschen ähnlich gut kennen wie er.

Im SZ-Gespräch blickte Schwan jetzt auf fünf Jahrzehnte im öffentlichen Dienst zurück.

Dass er damals, im Sommer 1969, seinen Dienst im Altenkirchener Kreishaus antrat und nicht im Gebhardshainer Rathaus, ist ebenfalls seinem Vater Stefan zu verdanken. Der Steinkipper und Nebenerwerbslandwirt war damals Ortsbürgermeister von Kausen und hatte daher ständig mit dem Rathaus in Gebhardshain zu tun. Und dass ausgerechnet dort sein Sohn arbeiten würde, passte ihm gar nicht in den Kram. Konrad Schwan kann das nachfühlen: Jahrzehnte später erlebte er dieselbe Konstellation aus anderer Perspektive – und auch er legte als Ortschef von Kausen seinem Filius nahe, doch bitteschön nicht ausgerechnet in der Gebhardshainer Verwaltung anzufangen. „Das hätte leicht ein Geschmäckle haben können“, erklärt er.

Konrad Schwan landete also in Altenkirchen auf dem Amt. Und da tickten die Uhren noch anders als heute. Jedes einzelne Ferngespräch musste der Abteilungsleiter genehmigen, die Azubis trugen die Einnahmen aus der Kasse in der Geldtasche zur Bank, und in der Lohnbuchhaltung kam eine Maschine zum Einsatz, die zwar selbstständig eine Handvoll Zahlen addieren konnte, dafür aber auch so groß war wie ein Reisekoffer.

Anders war aber nicht nur die Ausstattung: Auch der Geist, der damals die Verwaltung prägte, unterscheidet sich von dem heutiger Tage. „Bedenkenträger gab es nicht“, meint Schwan, „alles war viel pragmatischer“. Das erklärt er mit den Biografien der älteren Kollegen: Viele hatten im Weltkrieg und den entbehrungsreichen Jahren danach lernen müssen, unkonventionelle Lösungen zu suchen und zu finden.

Außerdem sei der Umgang ausgesprochen kollegial gewesen: „Es gab keinen Geburtstag ohne Schnaps, jede Beförderung wurde gefeiert, und jeder kannte jeden.“ Was auch daran lag, dass die Kreisverwaltung damals noch überschaubar war: Als Schwan 1969 in Altenkirchen angefangen hat, bestand beispielsweise das Jugendamt aus sieben Kollegen – heute sind es über 80.

Der junge Mann aus Kausen durchlief viele Abteilungen, was beileibe kein Wunschkonzert war: Wo er seinen Dienst tun musste, entschieden die Vorgesetzten. So war er für Jagd- und Angelscheine zuständig, hatte mit Schwertransporten und dem Lohnwesen zu tun, kümmerte sich um den sozialen Wohnungsbau.

All das kann er nicht so schlecht gemacht haben – denn als mit Dr. Alfred Beth ein neuer Landrat den Chefsessel der Altenkirchener Behörde übernahm, wurde Schwan als persönlicher Referent und Pressesprecher dessen rechte Hand. Beth hatte Schwan auf persönliche Empfehlung mit diesen Aufgaben betraut – durchaus ungewöhnlich, denn üblicherweise bringt ein Landrat seinen persönlichen Referenten mit, schließlich ist dieser einer der engsten Mitarbeiter. Aber obwohl sich beide erst kennenlernen mussten (was laut Schwan nicht immer einfach war), „ist schnell ein Vertrauensverhältnis gewachsen“.

Dass Beth „sich selbst nicht geschont hat“, bekam auch sein Referent zu spüren: „Selbst wenn ein Termin bis nachts um drei ging, saß er am nächsten Morgen um halb acht am Schreibtisch“, erinnert sich Schwan. „Und ich war um acht da.“ Auch zuhause gab’s damals viel zu tun: Die junge Familie baute ihr Haus, das erste Kind kam auf die Welt, und 1984 wurde Konrad Schwan in Kausen als Nachfolger seines Vaters Stefan zum Ortsbürgermeister gewählt. „Das war schon heftig“, blickt Schwan heute zurück. Aber: Spätestens jetzt saß er an einer wichtigen Schnittstelle im Kreishaus, und das war nicht zu seinem Nachteil.

So knüpfte er unzählige Kontakte, und er empfahl sich für höhere Weihen. „Ich wollte Amtmann werden. Und das kam schneller, als ich dachte.“ In der Kreisverwaltung wurde eine Stelle frei, die hochdotiert, aber zugleich ausgesprochen unbeliebt war: die des Referenten für Abfallwirtschaft. Schwans neues Tätigkeitsfeld war von großen Herausforderungen geprägt: Der Zustand der Deponie Nauroth „war aus heutigen Gesichtspunkten ein Skandal“, und das Gebührensystem war – freundlich formuliert – umstritten.

Dass Mitte der 1980er-Jahre zudem die Suche nach einem neuen Deponiestandort begonnen hat, setzte einem unbequemen Job die Krone auf. „Von Hühnerkamp bis Willroth: Wir haben überall im Kreis nach einem Standort gesucht.“ Natürlich hatten alle denkbaren Standorte eine Schnittmenge: Es gab null Akzeptanz. Mal saß Schwan vor 50 aufgebrachten Bürgern, dann musste er die Pläne des Kreises gegen 250 geladene Anwohner verteidigen. An manchen Abenden raunte er seinen Kollegen auf dem Podium zu, dass „wir froh sein können, wenn wir hier lebend rauskommen“.

Aber Schwan – und das ist sicher eine seiner großen Tugenden – blieb sachlich und zugleich bestimmt. Und genauso trat er auch als Chef auf, egal ob als Abteilungsleiter in der Kreisverwaltung oder später als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Gebhardshain.

Manch einer dürfte Schwan, dem nur in den seltensten Fällen anzumerken ist, wenn er innerlich kocht, daher unterschätzt haben: „Ich habe einige Male den Ratschlag gehört, dass man als Chef nicht immer nur nett sein dürfe.“ War er aber gar nicht: „Es hat natürlich bei mir auch Abmahnungen und Disziplinarverfahren gegeben. Aber damit bin ich nicht auf dem Markt hausieren gegangen.“ Nur ganz selten ist selbst Schwan der Kragen geplatzt: „In 50 Jahren sind zwei Leute aus meinem Büro geflogen.“

Einen hätte er vermutlich gern des Büros verwiesen – aber es kam andersherum. Schwan war im Kreishaus erneut persönlicher Referent eines Landrats, und zwar der von Herbert B. Blank. Und nach dessen Tod wurde es unbequem für den Kausener: Der erst kurz zuvor installierte Kreisbeigeordnete Ottmar Haardt von der SPD leitete kommissarisch die Geschäfte der Kreisverwaltung – und sägte den CDU-Mann Schwan ab. „Legen wir den Mantel des Schweigens drüber“, sagt Schwan im Gespräch mit der SZ nur wenig, aber zugleich alles.

Schwan machte das Beste aus seinem Rauswurf auf dem Kreishaus: Als Wahlkampfmanager trug er seinen Teil dazu bei, dass Alfred Beth erneut Landrat wurde. Der revanchierte sich, indem er Schwan erneut mit einer Schlüsselposition bedachte – der des Büroleiters.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte nahegelegen, dass Schwan sich irgendwann ganz der Politik verschreibt und der Verwaltung den Rücken kehrt – vielleicht für einen Sitz im Mainzer Landtag, vielleicht aber auch für eine Leitungsposition in einem Rathaus. Angebote gab es, durchaus. Aber Variante 1 war für Schwan immer undenkbar: „Ich wollte nie nach Mainz“. Und Variante 2 war für ihn eine Frage der Zeit. Denn der Kausener ist durchaus bodenständig, und so hatte er ein spezielles Rathaus im Blick: „Gebhardshain ist einfach Heimat.“

2002 wurde dort die Leitungsposition frei – und Schwan holte gegen vier Mitbewerber im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Fast 15 Jahre lang war er Chef in Gebhardshain, bis zum Ende der eigenständigen VG. Auch die Fusion trägt seine Handschrift; vor allem hat er sich dafür stark gemacht, dass die zwölf Ortsgemeinden des Gebhardshainer Lands nicht auseinandergedriftet sind. Aber auch die Verhandlungen mit der Alt-VG Betzdorf hat Schwan geprägt.

Ob er heute die Fusion als gelungen betrachtet? Schwan berichtet, dass es zwar einzelne kritische Stimmen gebe (z.B. zum Stellenwert des Gebhardshainer Bürgerbüros oder zur Feuerwehr) – für das Gros der Bevölkerung aber habe die Fusion kaum eine nennenswerte Veränderung bedeutet. Auffällig: Schwan enthält sich einer persönlichen Wertung. Und das ist kein Zufall.

Denn: Für ihn ist ein Schlussstrich unumstößlich und umfassend. „Wenn ich gehe, dann auch richtig.“ So hat er es in Gebhardshain gehandhabt, und so wird es auch halten, wenn er am 2. September seinen letzten Tag als Erster Kreisbeigeordneter erlebt. Er werde sich nicht mehr einmischen: „Das heißt nicht, dass ich persönliche Beziehungen abbrechen will. Aber ich will nicht mitmengen.“

Er werde mit einem guten Gefühl gehen, sagt er mit Verweis auf seine Geschäftsbereiche: In Sachen Abfallwirtschaft sei der Kreis gut aufgestellt, und nach dem holprigen Auftakt sieht Schwan auch die Westerwaldbus mittlerweile im ruhigen Fahrwasser.

Und um sich selbst macht sich Schwan erst recht keine Sorgen: „Ich werde nicht in ein Loch fallen“, ist er sich sicher. Ein Grund dafür sind nicht nur seine diversen Ehrenämter: Vor allem freut sich der 66-Jährige, mehr Zeit für seine fünf Enkelkinder zu haben.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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