Gebhardshains Kampf gegen Windmühlen

Hachenburg geht mit Parks an die Grenze und »mauert« / Von Behörden im Stich gelassen

goeb Gebhardshain. Selbst an einem Tag mit großer Hitze und lähmender Schwüle im Sitzungssaal kann das Thema Windkraftanlagen noch das Blut mancher Gebhardshainer in Wallung bringen. So zum Beispiel gestern, als der Verbandsgemeinderat unter Leitung von Bürgermeister Konrad Schwan tagte und wieder einmal die Windkraftwerkstürme »drohten«. Es zeigte sich die eigene Ohnmacht in Anbetracht von Entscheidungen, die Gebhardshains Nachbarn treffen oder schon getroffen haben. Denn anders als im eigenen Hoheitsgebiet, wo das Rathaus die Weichen stellen kann, ist man jenseits der Grenzen machtlos.

Im Schatten der Hachenburger Türme

Etwa im Fall der Verbandsgemeinde Hachenburg. Verärgert ist der Rat über einen Beschluss, der es verschiedenen Hachenburger Ortsgemeinden erlaubt, selbst über die Errichtung von WKAs zu entscheiden. Dabei war man bislang davon ausgegangen, es würde auf Hachenburger Seite bei dem Sondergebiet »Am Hartenfelser Kopf« bleiben – ein Grenzgebiet zur Gemarkung Kundert, wo auch Gebhardshain seine Windmühlen konzentriert. Stattdessen könnten jetzt die Hachenburger Türme ihre Schatten auf Gebhardshainer Dörfer werfen, etwa von Mörsbach nach Fensdorf (Gebhardshain), wo gleich zwei Türme errichtet werden sollen. Besonders brisant dabei: Der von der VG Hachenburg zugrunde gelegte Mindestabstand von 1000 Metern zum Ort würde in Bezug auf Fensdorf erheblich unterschritten.

»Vorgehen ist doch merkwürdig«

Nun nimmt die VG Gebhardshain Stellung zur Änderung des Flächennutzungsplans der Hachenburger und protestiert kräftig. »Das Vorgehen ist doch etwas merkwürdig«, fand der Bürgermeister noch moderate Worte, von »Provokation« war unter den Ratsmitgliedern die Rede, zumal man im Rathaus bei den Hachenburgern darum gebeten hatte, ihnen alle Informationen über die Pläne zukommen zu lassen. Doch nichts dergleichen geschah. Sämtliche Infos, gestand Schwan, habe er quasi über Kontakte unter der Hand bekommen.

Ein Buckel namens Hümmerich

Während die Hachenburger auf Durchzug geschaltet haben, streckt Wissen die Hand aus. Gebhardshain strebt an, mit der VG Wissen einen »gemeinsamen Flächennutzungsplan für Windkraft« aufzustellen. Der Vorteil: Es ließe sich großräumiger planen und Schaden besser abwenden. Denn auch im Falle Wissen erhebt sich kurz vor den Gebhardshainer Toren ein (Elben/Gebhardshain-Ort) Buckel namens Hümmerich. Sollte das 65 Hektar große Gebiet von Wissen als potentieller Windpark definiert werden, würde dies natürlich auch Auswirkungen auf Gebhardshain haben.

Optische Verschmelzung

Die Verwaltung befürchtet, dass mit dem »Park Mörsbach«, den eigenen sieben Anlagen und dem Hümmerich es zu einer optischen Verschmelzung der WKA-Standorte kommen könnte. Von Malberg aus beispielsweise wären die Standorte Gebhardshain und Hümmerich nicht zu unterscheiden. Bei Anlagen von 150 Metern Höhe sei es heute erforderlich, Windfarmen mindestens 5 bis 10 Kilometer voneinander zu trennen.

Stimmen äußerten sich kritisch

Nun wollen die Gebhardshainer den Wissenern ihre Vorschläge unterbreiten. Man wolle alles unternehmen, dass der Hümmerich keine Windfarm bekomme, meinte dazu Bernd Becker (SPD). Alle Stimmen, die sich gestern Abend dazu äußerten, kritisierten, dass die übergeordneten Landesbehörden die Kommunen im Stich ließen.

Konrad Schwan merkte an, dass die regionale Planungsgemeinschaft Mittelrhein durch ihre Darstellung von »weißen Flächen« (also nicht überplant) ihrer Verantwortung, die Lage der Windparks raumplanerisch zu regeln, nicht gerecht werde. Bruno Schuhen (CDU) meinte dazu gallig, die Gemeinden dürften »das Süppchen jetzt auslöffeln«. Heiner Kölzer griff auch das zuständige Ministerium an. Das könne nämlich über eine Änderung des Abstandserlasses erwirken, dass es zu einem Windpark Hümmerich gar nicht erst komme. Doch werde nichts in dieser Richtung unternommen, bedauerte er.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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