Generationswechsel bei Waldbauern

Adelige Prominenz bei der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft – Waldbauverein

juli Rosenheim. Der Adel gab sich im Rosenheimer Bürgerheim ein Stelldichein. Michael Prinz zu Salm-Salm, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzer, und Hermann Graf Hatzfeldt standen auf der Rednerliste der Kreiswaldbauern. Friedrich Freiherr von Hövels beerbte Heinrich Bähner als stellvertretender Vorsitzender.

Neue Namen an der Spitze

Für die Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft – Waldbauverein des Kreises Altenkirchen wählte Landrat Dr. Alfred Beth ein passendes Bild: »So wie im Wald junges Holz nachwächst, gibt es nun im Vorstand einen Generationenwechsel«. Diese neue Generation vertreten Fritz Otto Klotz und Bernd Theis in den Haubergsgenossenschaften sowie Rüdiger Buhl und Lothar Ahlhäuser in den Waldinteressentenschaften.

Der Vorsitzende Otto Heinemann bedauerte die Rücktritte, meinte aber sofort danach, »die Arbeit der Zukunft wird mit Sicherheit neue Herausforderungen bringen«. Der Neukobersteiner, der im Bereich des Privatwaldes die Verbandsgemeinde Altenkirchen vertritt, erklärte, er wolle in der Mitte der fünf Jahre dauernden Wahlperiode den Vorsitz, den er seit 1994 inne hat, abgeben.

Anstehende Strukturreform

Die Rahmenbedingungen für die neuen Herausforderungen in der Zukunft wurden ansatzweise in den Vorträgen des Michael Prinz zu Salm-Salm und des Forstamt-Leiters Franz Kick abgesteckt. Der Prinz referierte zur Zukunft der deutschen Forstwirtschaft, und der Oberforstrat ging kurz auf die Strukturreform in den Landesforsten ein, deren erster Teil Anfang des Jahres umgesetzt wurde.

Warum der Waldbauverein den Waldbesitzern – vor allem denen, die Holz vermarkten – die Einzelmitgliedschaft empfiehlt und künftig als Zwischenstelle fungieren möchte, erläuterte Reinhard Lindlein im Geschäftsbericht 2003. Da der Waldbauverein seit 2000 das Gruppenzertifikat nach PEFC trägt, sind alle Mitglieder verpflichtet, die entsprechenden Anforderungen zu erfüllen. Der Verstoß eines Mitglieds kann die Verleihung des Gütesiegels für alle übrigen Waldbesitzer gefährden. Inzwischen hätten sich 207 Einzelmitglieder, 47 Haubergsgenossenschaften und 72 Waldinteressentenschaften der Zertifizierung angeschlossen; somit seien insgesamt über 17000 Hektar Waldbesitz zertifiziert. Der Holzmarkt sei von der enormen Trockenheit im vergangenen Jahr beeinträchtigt worden, so Lindlein. Die Preise seien im Vergleich zu 2002 um fünf bis acht Prozent gefallen. Die Laubbäume hätten bereits im August ihre Blätter verloren und frisch gepflanzte Kulturen seien vertrocknet.

250000 Festmeter Fichtenholz seien dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Aufgrund der Insolvenz eines Buchen-Sägebetriebes und dem schleppenden Geschäft mit chinesischen Abnehmern habe auch das Buchen-Stammholz-Geschäft gelitten. Positiv entwickele sich hingegen das Geschäft mit Brennholz, da mehr Holz nachwachse als geschlagen werde.

14 Flächen im Landkreis Altenkirchen mussten 2003 als FFH-Gebiete nachgemeldet werden, informierte Lindlein. Der Zustand des Waldes habe sich aufgrund des heißen und trockenen Sommers mit hohen Ozonwerten nach 2002 auch 2003 weiter verschlechtert. Der Anteil von Bäumen mit deutlichen Kronenschäden sei um neun auf 33 Prozent gestiegen.

Ehrenmitglieder ernannt

Zu Ehrenmitgliedern ernannte die Versammlung Paul Weinbrenner (Oberdreisbach) und Heinz Mockenhaupt (Elkenroth), die als Vertreter der Waldinteressentenschaften aus dem Vorstand zurücktraten sowie Helmut Stühn (Niederdreisbach) und Heinrich Bähner (Niederfischbach), die sich aus dem Gremium der Haubergsgenossenschaften zurückzogen. Auch Kurt Hundhausen, der bis 1999 28 Jahre lang dem Gremium angehörte, wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

»Positive Begleitung«

Der Landrat dankte dem bisherigen Vorstand für seine Arbeit und insbesondere dem Vorsitzenden, der ihn auf dem Laufenden halte. Dem neuen Führungsgremium versprach er seine »positive Begleitung und Unterstützung, wo es nur geht«. Dr. Beth erwähnte die »Probleme der vergangenen Jahre«, zu denen er die Erweiterung der FFH- und Vogelschutzgebiete und die neue Forststruktur zählte. Ausführlicher ging er auf die Ausweisung von Standorten für Windkraftanlagen ein. Dr. Beth warnte vor »der Gefahr, in Extreme zu verfallen«, wofür Deutsche anfällig seien. Man solle sich bei der Windkraft nicht von kurzfristigen finanziellen Anreizen verführen lassen: »Mittelgebirge sind keine Spargellandschaften«.

Der Gebhardshainer Bürgermeister Konrad Schwan freute sich, dass die Kreiswaldbauern diesmal in seiner Verbandsgemeinde zusammenkamen, in der etwa die Hälfte der Fläche bewaldet sei. Er schenkte dem Prinzen Salm-Salm im Namen der Verbandsgemeinde das Buch »Glanz aus der Tiefe« über das Besucherbergwerk Grube Bindweide. Hermann Ilaender, Präsident des Waldbesitzerverbandes Rheinland-Pfalz, kritisierte die »Verbürokratisierung des Waldes« und rief zum Widerstand gegen einige Änderungen des Jagdrechtes auf, die eine Einschränkung der Waldbesitzer darstellten.

Thema »Nachhaltigkeit«

Graf Hermann von Hatzfeldt berichtete von seinem bundespolitischen Engagement im Nachhaltigkeitsrat, einem Gremium aus Experten zu sozial- und umweltverträglichen Wirtschaften. Der Graf unterstützt die Arbeit des Rates mit forstwirtschaftlichen Kenntnissen, wobei der Altenkirchener Wald oft thematisiert würde. Holzverwendung, die Hatzfeldt als »Querschnittsthema der Nachhaltigkeit« bezeichnete, habe Chancen, Schwerpunktthema in dem Rat zu werden.

Nach einer über dreistündigen Sitzung verabschiedete Heinemann mit etwas Wehmut ob der Zurückgetretenen, aber auch mit optimistischem Blick nach vorn in dem zum Teil neuen Team, die Waldbauern aus dem Bürgerhaus, in dem der Vorsitzende sich »mehr Holzverarbeitung gewünscht« hätte.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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