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Katja Dörner aus Steinebach wird Bonns Oberbürgermeisterin
„Grüßen Sie mir den Westerwald“

Katja Dörner, in Siegen geboren und in Steinebach aufgewachsen, wird zum 1. November die erste grüne Oberbürgermeisterin von Bonn. Foto: Büro Dörner
  • Katja Dörner, in Siegen geboren und in Steinebach aufgewachsen, wird zum 1. November die erste grüne Oberbürgermeisterin von Bonn. Foto: Büro Dörner
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Steinebach/Bonn. Ins Laub fallenlassen, Stöckeschwertkampf, „Gackelchen“ kicken: Es muss eine Kindheit gewesen sein, wie man sie aus Astrid-Lindgren-Büchern kennt. Nur war das Wetter hier, im nördlichen Westerwald, wahrscheinlich nicht ganz so gut wie in Bullerbü oder auf Saltkrokan. Dennoch: Katja Dörner berichtet im Gespräch von einer sehr freien, sehr naturverbundenen Kindheit. „Wir waren superviel im Wald unterwegs.“

Ihre ersten knapp 20 Lebensjahre verbrachte die heute 44-Jährige in Steinebach. Kommenden Monat tritt sie eine neue berufliche Aufgabe an, dabei wird ein Hauch von Geschichte durchs Bonner Stadthaus wehen: Zum ersten Mal bezieht eine Grüne das Büro des Oberbürgermeisters in der ehemaligen Bundeshauptstadt.

dach Steinebach/Bonn. Ins Laub fallenlassen, Stöckeschwertkampf, „Gackelchen“ kicken: Es muss eine Kindheit gewesen sein, wie man sie aus Astrid-Lindgren-Büchern kennt. Nur war das Wetter hier, im nördlichen Westerwald, wahrscheinlich nicht ganz so gut wie in Bullerbü oder auf Saltkrokan. Dennoch: Katja Dörner berichtet im Gespräch von einer sehr freien, sehr naturverbundenen Kindheit. „Wir waren superviel im Wald unterwegs.“

Ihre ersten knapp 20 Lebensjahre verbrachte die heute 44-Jährige in Steinebach. Kommenden Monat tritt sie eine neue berufliche Aufgabe an, dabei wird ein Hauch von Geschichte durchs Bonner Stadthaus wehen: Zum ersten Mal bezieht eine Grüne das Büro des Oberbürgermeisters in der ehemaligen Bundeshauptstadt.

Mit knapp 13 Prozent Vorsprung hat sich Katja Dörner in der Stichwahl gegen den Amtsinhaber von der CDU durchgesetzt. In den kommenden fünf Jahren wird sie nun die Interessen von rund 330 000 Bürgern wahren und vertreten, so gut das als einzelne Person eben geht.

Sie selbst ist im Dorf sozialisiert worden. Noch provinzieller hätte es höchstens etwa in der Einöde Niedersachsens sein können. Die kleine Katja besuchte in Gebhardshain die Grundschule, danach fiel die Entscheidung fürs Private Gymnasium Marienstatt, wobei für eine Steinebacherin auch durchaus Betzdorf oder Wissen infrage gekommen wären. Sie spielte Volleyball bei der SG Westerwald und Konzertgitarre zusammen mit drei anderen Mädels. „Ich blicke total positiv zurück auf meine Kindheit und Jugend“, sagt die Wahl-Bonnerin, die übrigens im Siegener Jung-Stilling-Krankenhaus das Licht der Welt erblickt hat.

Auf der Schwelle zum Erwachsensein setzte ein wenig Fernweh ein – oder die Neugierde darauf, mehr zu erleben. Wie man’s nimmt. „Als junger Mensch war für mich total klar, dass ich zumindest eine Weile woanders leben möchte.“ Es zog sie zum Studieren eben nach Bonn. „Meine beiden besten Freundinnen waren auch schon dort.“ Stationen in York und Edinburgh folgten. Seit über 25 Jahren hat sie nun aber ihren Lebensmittelpunkt am Rhein. „Ich bin hier im positiven Sinne kleben geblieben.“

2009 gelang ihr der Sprung in den Bundestag, seit 2013 ist sie stellvertretende Sprecherin ihrer Fraktion. Jetzt folgt der Schritt hin zur Kommunalpolitik. Sie habe sich in den vergangenen Jahren so oft geärgert, dass in Bonn so wenig passiere, dass so wenige Projekte aufs Gleis gesetzt würden – und habe schließlich gedacht: „Dann machst du’s halt selbst.“ Es habe da aber noch eine weitere Erkenntnis gegeben: Nämlich dass sich für einzelne Abgeordnete im Politikdschungel von Berlin die konkreten Ergebnisse und Erfolge in Grenzen halten, vor allem in puncto Klimaschutz.

Und der steht bei Katja Dörner auf der Agenda als Oberbürgermeisterin ganz oben. Die autofreie Zone in der Innenstadt möchte sie im Zusammenspiel mit den Anwohnern deutlich vergrößern, außerdem eine Photovoltaik-Offensive starten. Ebenso als wichtige Themen erachtet die Grüne einen Pakt gegen Kinderarmut und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Die Kindheit im Grünen habe sie aber nicht unbedingt als Öko-Bewegte in die Partei eintreten lassen. Es war eher die Asyl-Debatte zu Beginn der 90er-Jahre. „Die ,Das-Boot-ist-voll-Debatte’ fand ich ganz, ganz schlimm.“ Auch am Küchentisch sei Politik stets ein Thema, der mittlerweile verstorbene Vater ist in der CDU gewesen. „Ich bin mit klaren Werten erzogen worden. Zum Beispiel Nächstenliebe war mir immer wichtig.“ Mit dem Vater hatte sie als Jugendliche aber über ein anderes Thema lange gestritten: „Ob ich ein Mofa bekomme oder nicht.“ Die Tochter setzte sich durch. „Das war ein Stück Freiheit. Ich bin dann drei Jahre mit diesem Mofa durch die Gegend gebrettert.“

Noch heute ist sie oft in dieser Gegend. Die Mutter und die Patentante leben nach wie vor in Steinebach, ihre Schwester samt Familie in Kausen. Übrigens: Der Familienname Dörner stammt höchstwahrscheinlich vom Weiler Dorn zwischen Mittelhof und Dauersberg. Viel verwurzelter mit der hiesigen Region kann man nicht sein. Nicht zu Unrecht beendet die künftige OB also das Telefonat mit der SZ so: „Grüßen Sie mir den Westerwald!“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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