Hähnchen haben die Insolvenz verlassen

Geflügel-Reifenrath mit neuer Geschäftsführung /Viele Arbeitsplätze erhalten

thor Steinebach. »Der Absturz der ,fetten’ Hähnchen« – so lautete Mitte Februar die Überschrift in der SZ, als es um die Insolvenz der »Geflügel-Reifenrath Betzdorf GmbH« ging. Will man bei diesem Bild bleiben, dann haben die Flattermänner mittlerweile wieder deutlich an Höhe gewonnen: Am 1. August konnte Insolvenzverwalter Dr. Klaus Ortmüller das Unternehmen in eine neue Zukunft »entlassen« – zwei Gesellschafter bilden das Fundament für die »Geflügel-Reifenrath GmbH«.

Rund 100 Mitarbeiter noch dabei

Vom Titel her ist also lediglich der Name »Betzdorf« verschwunden, und überhaupt halten sich die Veränderungen stark in Grenzen. Seit Anfang des Jahres – die Insolvenzeröffnung geschah zum 1. Januar – ist der Betrieb unter der Regie von Dr. Ortmüller weitgehend normal und für die Kunden ohne sichtbare Einschränkungen weitergeführt worden. Von einstmals 65 rollenden Hähnchenbratereien sind noch 55 Fahrzeuge übrig geblieben; die Zahl der Arbeitsplätze wurde von 159 auf »knapp über 100« reduziert. Dazu muss man allerdings wissen, dass ehemalige Reifenrath-Mitarbeiter am Standort Nohra das Schnell-Restaurant übernommen haben, und auch der einstige Reifenrath-Großhandel wurde ausgegliedert. »Wir haben uns auf das Kerngeschäft konzentriert«, so der Betzdorfer Rechtsanwalt.

Und jenes Kerngeschäft – der Verkauf von gebratenen Hähnchen – ist offensichtlich nach wie vor ein lohnendes Unterfangen, wenn man nicht auf der Management-Ebene gravierende Fehler macht und das Einmaleins der Betriebswirtschaft missachtet. Wer in den wirklich »fetten« Jahren keinerlei Rücklagen bildet, der hat nun einmal in mageren Zeiten ein Problem. Inzwischen ist strikte Kostenkontrolle angesagt.

Auch Konkurrenz klopfte an

Gemeinsam mit den neuen Investoren hat Dr. Ortmüller in den vergangenen Monaten den Betrieb komplett durchgerechnet, u.a. wurde genau analysiert, welche Grillwagen-Standorte »funktionieren«. Dass es zu keinen einschneidenderen Maßnahmen kam, hatte er bereits im Februar im SZ-Gespräch erläutert: Ein Unternehmen wie Geflügel-Reifenrath müsse eine gewisse Größe besitzen, um sich überhaupt auf dem Markt behaupten zu können. Ansonsten seien die Fixkosten viel zu hoch. Dass auch die Konkurrenz in Steinebach angeklopft hat, versteht sich von selbst. Doch war dieses Interesse nur auf bestimmte Standorte bzw. Teilbereiche der Firma konzentriert, einer solchen »Zerschlagung« hätte Dr. Ortmüller nur im schlimmsten Fall zugestimmt. So ist es nun gelungen, die Standorte Steinebach, Nohra, Bochum und Boppard zu erhalten. Im Steinebacher Industriegebiet wurde die Verwaltung ins Produktionsgebäude eingegliedert, das frei gewordene Haus wird im Zuge einer Zwangsversteigerung veräußert. Der Name Reifenrath wurde auch deshalb übernommen, weil er im Markt eigentlich ein gutes Standing besitze, erklärt der Insolvenzverwalter.

Die neue Geschäftsführung hofft nun, mittelfristig an alte Erfolge anzuknüpfen. Momentan verlassen monatlich 40000 bis 50000 Brathähnchen die gelb-roten Wagen, das ist sicherlich wieder ausbaufähig. Dr. Ortmüller rechnet damit, dass es ab einer gewissen Größe auch wieder die Auswahl zwischen mehreren Lieferanten gibt – bis auf einen seien alle anderen unter der alten Geschäftsführung »verprellt« worden.

Die guten Aussichten sollten auch von der wieder Schlagzeilen machenden Vogelgrippe nicht getrübt werden. Nach Meinung von Dr. Ortmüller reagieren die Verbraucher auf solche Meldungen mittlerweile doch deutlich gelassener und aufgeklärter. Sollte der Umsatz in diesem Jahr dennoch nicht die Erwartungen erreichen, so liegt das garantiert nicht an einem zu heißen Sommer 2005.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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