»Nur Umverteilung von Geld«

Protest gegen geplanten Windenergie-Park in Gebhardshain / »Die Mehrheit leidet«

juli Gebhardshain. Der Sonntagsspaziergang hatte für einen beträchtlichen Teil der Gebhardshainer einen politischen Hintergrund. Botschaften wie »Keine Windräder in Gebhardshain und Umland«, und »Hier stirbt Wald für Windkraft« prangten in fetten Lettern auf Protestschildern in alarmierenden Farben. Der Widerstand gegen den Bau eines Windkraftparks am Rande der Ortsgemeinde hat sich organisiert: Der Einladung der neuen Bürgerinitiative »Bürger von Gebhardshain für Gebhardshain gegen einen Windpark« waren etwa vierhundert Menschen gefolgt, um ihrer Ablehnung Ausdruck zu verleihen und sich zu informieren.

Der Ortsgemeinderat Gebhardshain hatte die Gemarkung Spielstück im Flächennutzungsplan als Vorrangfläche für den Bau von Windrädern ausgewiesen. Um »Schlimmeres« abzuwenden, wie Ortsbürgermeister Heiner Kölzer erklärte. Soll heißen, damit im regionalen Raumordnungsplan nicht andere Areale für die alternative Energiegewinnung bestimmt werden. Eigner des Spielstücks sind die Haubergsgenossenschaft Gebhardshain und einige private Grundbesitzer. Geht es nach deren Willen, drehen sich über ihrem Boden in einigen Monaten zehn bis zwölf Windräder, denn sie haben ihn an Investoren für Windkraftanlagen verpachtet.

Um dies zu verhindern und um sich zu informieren, trafen sich am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein zahlreiche Bürger vor dem Rathaus zu einer Kundgebung, bevor die Protestbewegung loszog, um den möglichen Standort von Windrädern in Augenschein zu nehmen. Als Hauptargumente gegen die geplanten Windräder führte Wolfgang Niermann, einer der Protest-Initiatoren, den geringen Wirkungsgrad der Anlagen an: An der Küste erzeuge ein Windrad fünf mal so viel Energie wie im Binnenland. Mit Windkraft werde im wirtschaftlichen Sinn kein Gewinn erzielt, sondern Geld umverteilt. »Wenige Menschen profitieren auf Kosten der Stromzahler, der Landschaft, gegen den Willen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung, die hierunter leidet«, meinte Niermann.

Thomas Jung argumentierte gegen die Windenergie mit »gesundheitlichen Schäden durch niederfrequente Schallwellen der Windrotoren« und mit dem »Verlust von Immobilienwerten«. Ratsmitglied Michael Cremer versuchte, den globalen Klimawandel als Daseinsberechtigung für Windräder vor der eigenen Haustür zu entkräften: »Nichts ändert sich im Weltklima, wenn in Gebhardshain zwölf Windkraftanlagen entstehen.«

Die Initiative möchte den »Koalitionspartner in Mainz bitten, den Windpark gegen den Willen der Bevölkerung nicht zu genehmigen«. Außerdem wollen die Engagierten versuchen, die Haubergsgenossenschaft zum Umdenken zu bewegen.

Während der Wanderung zum Spielstück fiel der Blick der Protestler – bei strahlendem Sonnenschein und Flaute – auf die Windräder in Fensdorf, die regungslos in den blauen Himmel ragten. Auf den statischen Zustand der Rotoren verwies Schwan, um zu betonen, dass Windkraft nicht die Energie der Zukunft sei. Er wolle aber die Bürger nicht an der Nase herumführen, so der Bürgermeister, der manchem Optimisten unter den Protestler den Wind aus den Segeln genommen haben mag: »Für uns kann das Thema nur Schadensbegrenzung lauten«, meinte Schwan. Er bedauerte, dass auf kommunaler Ebene nur geringe Chancen bestünden, Windkraftanlagen zu verhindern.

Wieder bestätigte das Wetter Schwans Worte: Inzwischen hatte der Himmel sich zugezogen, und kräftige Windböen fegten über die Höhen des Westerwaldes. Die Windräder im Hintergrund setzten sich in Bewegung.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen