Offene Stalltüren auf dem Bauernhof in Elkenroth

Landwirt Gerhard Pfeiffer gewährte beim ersten Hoftag Einblicke in die Produktionsabläufe

rai Elkenroth. Schon seit ewigen Zeiten domestiziert, war den Muttertieren mit ihren Kälbern auf einer Hochweide in Elkenroth am Samstag trotzdem das angeborene Verhalten nicht abzuerkennen: Als sich die Besucher der weitläufigen Weide auf dem Hochplateau nahe des Hofes Pfeiffer näherten, traten die rund 90 Tiere erst einmal den geordneten Rückzug im Herdenverband an – die Paarhufer sind schließlich von Natur aus Fluchttiere. Und so trottete der stattliche Tross gemächlich bis an den Waldrand davon. Beim ersten Hoftag auf dem landwirtschaftlichen Anwesen von Gerhard Pfeiffer konnte das Publikum das Vieh dennoch hautnah erleben, denn einige Tiere stehen auf dem Hof.

Landwirt Pfeiffer, dessen Sohn Simon und viele weitere Helfer gaben einen interessanten Einblick hinter die Kulissen professioneller Mutterkuh- und Fleischrinderhaltung auf dem im Jahr 1913 von Gerhard Pfeiffers Großeltern begründeten Familienhof. Damals, erklärt der Landwirt, war es ein gemischter landwirtschaftlicher Betrieb. Ackerbau und Viehzucht bestimmten den Agrarzyklus. Großmutter Rosa – ihr Ehemann Josef war im Ersten Weltkrieg gefallen – hatte den Hof bis in die 30er Jahre betrieben, bevor Sohn Paul den Betrieb übernahm. Dessen Sohn Gerhard, ein gelernter Forstwirt, stieg im Jahr 1973 zunächst als Nebenerwerbslandwirt ein.

Von den Anfängen bis heute hat sich natürlich viel gewandelt. Dazu zählt nicht zuletzt die ganzjährige Freilandhaltung, die Gerhard Pfeiffer im Jahr 1978 mit einer ersten Rinderherde begann. Heute stehen auf den Weidegründen drei Herden mit 140 Mutterkühen, überwiegend Limousin-Kreuzungen. Die gleiche Zahl an Kälbchen komplettieren die drei Herden, an deren Spitze je ein Limousin-Zuchtbulle steht. Vier Kühe, die auf einer separaten Weide standen, erwarten demnächst Nachwuchs, wie Gerhard Pfeiffer einer Besuchergruppe beim Spaziergang zu der 90-köpfigen Herde erklärte.

»So ein Tag ist schon etwas Interessantes«, sagte Andreas Weitz, der gerade mit seiner Familie und weiteren Besuchern auf der Weide mit den trächtigen Kühen stand. Weitz ist ein direkter Nachbar des landwirtschaftlichen Hofes Pfeiffer. Er begrüßte es, dass der Landwirt mit dem Hoftag einen so umfassenden Blick hinter die Abläufe auf einem landwirtschaftlichen Betrieb bot. »Das ist toll aufgebaut, es wirkt wie ein Musterhof«, meinte Weitz. »Cool« fand sein elfjähriger Sohn nicht nur die zweispännige Kutsche, die Bauer Pfeiffer für Rundfahrten organisiert hatte. Beeindruckt zeigte er sich unter anderem von einem riesigen Mähdrescher und einer Sortieranlage. Zum Erklären beziehungsweise Beantworten der Fragen der in einem steten Strom auf den Hof pilgernden Besucher nahm sich Bauer Pfeiffer viel Zeit.

Viel los war natürlich auch auf dem Hof selbst. Dort sahen die Besucher an der Sortieranlage, wie Bullen und Kühe eingefangen und fixiert werden können. Nur einen Steinwurf davon entfernt standen die gigantisch anmutenden Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen – da dürften sich wohl nicht nur die Kinder im Vergleich recht klein vorgekommen sein. Wie die Spezialfahrzeuge, teils von Lohnunternehmer ausgestellt, in der Landwirtschaft eingesetzt werden, schilderte Gerhard Pfeiffer ausführlich, ebenso die Fortschritte in der Technik. Sehenswert auch das mobile Sägewerk, auf dem Klaus Bickenbach Stämme zu Brettern zersägte.

Etwa zwei Drittel des Viehbestands hält Bauer Pfeiffer ganzjährig im Freien. Das sei die bessere Haltungsform, betonte er. Der Gesundheitszustand der Tiere sei deutlich besser. Er führte unter anderem den Aspekt ökonomische Effizienz an. Dass die Tiere in »draußen« eigentlich viel gesünder sind, sagte auch Maik Sterzenbach. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Gießen im Bereich Tierhaltung, Grünland und Futterqualität.

Für die Forschungsarbeit werden Flächen des Hofes genutzt. In den über jeweils drei Jahre laufenden Versuchsreihen wird beispielsweise an der wintergrünen Grasart Rohrschwingel geforscht. Eine Grundlage für die Forschungsarbeit sei praxisorientiertes Arbeiten – schließlich soll der Landwirt später damit etwas anfangen können. Und viel anfangen konnten sicherlich auch die Besucher mit dem umfassenden Angebot beim Hoftag, bei dem es einiges über landwirtschaftliche Tätigkeit bei der Mutterkuhhaltung und dem wertvollen Lebensmittel Fleisch zu erfahren gab.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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