Per Mausklick ins Ahnenreich

Altenkirchener Bevölkerung aus drei Jahrhunderten in Internet-Datenbank erfasst

juli Gebhardshain. Wer das Ahnenreich betritt, kann sich durch die familiären Beziehungen seiner Vorfahren klicken – vorausgesetzt, er hat Wurzeln im Landkreis Altenkirchen. Die Internetseite www.ahnenreich.de ist seit Mitte Februar freigeschaltet. Georg Stockschlaeder aus Gebhardshain hat dort eine genealogische Datenbank eingerichtet, in der etwa 120000 Personen erfasst sind, die seit 1600 im Landkreis Altenkirchen gelebt haben oder leben. Das erklärte Ziel des Hobby-Forschers ist die Vervollständigung der Datenbank. Das heißt, möglichst die gesamte Bevölkerung seit 1600 soll im Ahnenreich rekonstituiert werden. Eine Mammutaufgabe, denn das sind nach Stockschlaeders Schätzungen 300000 bis 350000 Menschen. Die Motivation des Gebhardshainers ist zum einen seine tiefe Heimatverbundenheit – Stockschlaeders Vorfahren stammen alle aus dem Westerwald. Außerdem gibt er an: »Ich bin kein Genealoge. Mich interessiert das gesamte Leben von Menschen«. So erfasst er nicht nur Namen, Geburts- und Todestage, sondern darüber hinausgehende Informationen zum beruflichen, wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Umfeld, soweit er Aufschluss darüber findet. Und soweit er es zeitlich schafft, die Angaben ins Internet zu stellen. Denn Stockschlaeder betreibt mit www.ahnenreich.de eine zeitintensive Sisyphos-Arbeit: Er tippt alle Namen und Daten mit den Quellenangaben persönlich ab. Die Quellen sind auf der Internetseite nicht einzusehen; so wolle er seine Arbeit schützen, sagt Stockschlaeder. In den vergangenen Jahren hat er nach eigenen Angaben bereits über 10000 Arbeitsstunden in die Datenbank investiert. »Die Leistung, die ich erbringe, ist die, dass alle Daten miteinander verbunden sind.« »In Kirchenbüchern finde ich über 90 Prozent der Informationen, die ich brauche«, verrät Stockschlaeder seine Hauptquelle. Außerdem nutzt er die Kreisheimatbücher, Ortschroniken und vereinzelt andere Primär- und Sekundärquellen. Der Oberkreis sei sehr gut erfasst, vor allem Daaden und Herdorf. Hier profitiere er von einer guten heimathistorischen Vorarbeit. Kirchen und Betzdorf seien relativ gut erfasst, Gebhardshain und Wissen mäßig, klassifiziert er die Aufarbeitung der Heimatgeschichte der einzelnen Verbandsgemeinden für seine Zwecke.

Das Ahnenreich hält noch weitere Datenbanken bereit, etwa die der »Adelshäuser«. Für die hat Stockschlaeder unter anderem in »Regesten« des Hauses Hatzfeldt recherchiert. »Regesten« sind Erläuterungen zu alten Urkunden. An einer Wand in Stockschlaeders Haus hängt ein überdimensionaler Ausdruck eines Teils des Hatzfeldt’schen Stammbaums mit unzähligen Namen und einem Wust an Verbindungslinien. Hier lässt sich anschaulich erahnen, wie viel Arbeit dahinter steckt. Des Weiteren gibt es ein Verzeichnis »Juden im Westerwald« mit lediglich 2200 Einträgen. Etwa 3000 weitere Menschen jüdischen Glaubens seien beim Adel verzeichnet.

In einer Art Tagebuch hat Georg Stockschlaeder zudem teilweise die Gebhardshainer Heimatgeschichte während des Nationalsozialismus erfasst und Aktenmaterial über die Zwangsarbeiter in Gebhardshain gesammelt. Und aus seinem Interesse für die sozialen Verhältnisse in früheren Zeiten widmet er der Geschichte der Gebäude das Kapitel »Bausubstanz Gebhardshain«. Dazu habe er viele Interviews mit Bewohnern geführt und Feuerversicherungsunterlagen von 1836 genutzt. Derzeit seien etwa 1500 Fotografien aus dem Zeitraum 1890 bis 1950 auf der Seite zu sehen.

Die Seite www.ahnenreich.de stößt bereits wenige Tage nach ihrer Aktivierung im Internet auf große Resonanz in mehreren Erdteilen. Das freut Stockschlaeder natürlich und bestätigt ihn in seiner Arbeit – sofern das überhaupt nötig ist. Denn er ist sich sicher: »Dies ist das einzige Projekt in dieser Größenordnung für eine Region.« Fehlt nur noch die Erfüllung seines Wunsches nach einer Förderung seines Forschungsprojekts.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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