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Schneeraupen mäht für Braunkehlchen
Pistenfahrzeug in Elkenroth im Einsatz

Eigentlich gehört dieses Gefährt – zumindest der hintere Teil – auf eine Skipiste. Aber auch beim Mähen einer Feuchtwiese sind die Ketten Gold wert.  Foto: damo
  • Eigentlich gehört dieses Gefährt – zumindest der hintere Teil – auf eine Skipiste. Aber auch beim Mähen einer Feuchtwiese sind die Ketten Gold wert. Foto: damo
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damo Elkenroth. In der Liste der Orte, in denen üblicherweise Pistenfahrzeuge zum Einsatz kommen, taucht Elkenroth nicht auf, und das ist nicht allzu überraschend. Naheliegend also, dass Tobias Witt in diesen Tagen immer wieder Publikum hatte, als er sich mit seinem sechs Tonnen schweren Kettenfahrzeug durch die Wiesen am Ortsausgang Richtung Weitefeld gearbeitet hat. Einige Spaziergänger haben sogar die Handy-Kamera gezückt. Witt wiederum hat das nicht sonderlich beeindruckt: Er kennt die irritierten Blicke, wenn die Raupe fernab von Pulverschnee unterwegs ist.

Dabei liegt es nahe, mit seinem solchen Gefährt in Elkenroth tätig zu sein: Wie sonst lassen sich Feuchtwiesen wie die im Naturschutzgebiet Weidenbruch von hunderten Mini-Weiden und Nachwuchs-Birken befreien?

damo Elkenroth. In der Liste der Orte, in denen üblicherweise Pistenfahrzeuge zum Einsatz kommen, taucht Elkenroth nicht auf, und das ist nicht allzu überraschend. Naheliegend also, dass Tobias Witt in diesen Tagen immer wieder Publikum hatte, als er sich mit seinem sechs Tonnen schweren Kettenfahrzeug durch die Wiesen am Ortsausgang Richtung Weitefeld gearbeitet hat. Einige Spaziergänger haben sogar die Handy-Kamera gezückt. Witt wiederum hat das nicht sonderlich beeindruckt: Er kennt die irritierten Blicke, wenn die Raupe fernab von Pulverschnee unterwegs ist.

Dabei liegt es nahe, mit seinem solchen Gefährt in Elkenroth tätig zu sein: Wie sonst lassen sich Feuchtwiesen wie die im Naturschutzgebiet Weidenbruch von hunderten Mini-Weiden und Nachwuchs-Birken befreien? Und genau das ist elementar wichtig: Wald gibt es in unserer Region reichlich – strukturreiches Offenland hingegen ist extrem rar geworden.

Das weiß kaum einer besser als Peter Weisenfeld. Der Biotop-Betreuer des Landkreises hat Tobias Witt und seine Pistenraupe bestellt, damit zumindest der Weidenbruch das bleibt, was er ist: Lebensraum für etliche seltene Tier- und Pflanzenarten.

Früher gab es solche Gebiete wie das Elkenrother NSG reichlich – sogar mehr, als die Menschen sich das gewünscht hätten, schließlich war mit Flächen, auf denen man selbst im Hochsommer pitschnasse Füße bekam, wenig anzufangen. Also wurden viele Feuchtwiesen trockengelegt, sodass dieser Biotop-Typ heute Seltenheitswert hat. Dass mit ihm auch seine Bewohner immer rarer geworden sind, liegt auf der Hand. Gerade einmal zwei Braunkehlchen-Brutpaare seien in diesem Sommer noch auf den Elkenrother Feuchtwiesen beobachtet worden, berichtet Weisenfeld.

Und es würden irgendwann gar keine mehr sein, wenn man den vielen, vielen Weidenschösslingen freie Hand ließe. Also muss gemäht werden. Nur: Wie? „Mit einem normalen Traktor hätte ich hier keine Chance“, verdeutlicht Witt, „ich würde versinken“. Dank der breiten Ketten verteilt sich das Gewicht seines Mähfahrzeugs aber optimal – am Ende bleibt ein Bodendruck von gerade einmal 50 Gramm pro Quadratzentimeter übrig. „Das ist weniger als bei Ihren Füßen“, verdeutlicht Witt.

Er kennt seinen „Mäher“ ganz genau, schließlich ist das abenteuerlich anmutende Gefährt eine Spezialanfertigung – geschaffen nur, um Feuchtwiesen mähen zu können. Und so touren Witt und seine Kollegen quer durch die Republik, um in Naturschutzgebieten die Biotoppflege zu leisten. Witt ist bereits zum zweiten Mal in Elkenroth.

In den Jahren zuvor hatte der Ökotrupp der Caritas diese Flächen gepflegt, und zwar mit Kettensägen und Muskelkraft. „Das war natürlich viel billiger“, sagt Weisenfeld und fühlt sich bestätigt: Er hatte schon frühzeitig prophezeit, wie groß die Lücke sein würde, die das Aus des Ökoprojekts nach sich gezogen hat. „So was macht sonst keiner“, erinnert Weisenfeld an die körperlich harte Arbeit, die die Jugendlichen im Caritas-Projekt geleistet haben. Und so kostet die Mahd diesmal 10 000 Euro – bezahlt von der SGD Nord aus dem Etat für Biotoppflege.

Die gesamte Woche lang war Witt, der eigens aus Winsen bei Hamburg angereist ist, im Weidenbruch im Einsatz; unterstützt wurde er von Landwirt Gerhard Pfeiffer. Der kennt den Weidenbruch wie seine Westentasche und hat nicht nur beim Abtransport des Mahdguts geholfen, sondern auch mit praktischen Tipps. Schließlich liegen, gut versteckt im hohen Gestrüpp, einige dicke Findlinge, die Witts Mähwerk gewaltig in Mitleidenschaft hätten ziehen können.

Nachdem Witt seinen Job erledigt hat, wird wieder eine Fläche entstanden sein, die sich perfekt als Nistgebiet für Braunkehlchen, Wiesenpieper und vielleicht auch die Bekassine eignet. Sie alle sind entweder als Brutvögel verschwunden oder rar geworden – und trotzdem lohnt sich die Investition, ist sich Weisenfeld sicher. „Denn hier ist die Gesamtsituation nicht schlecht“, meint der Biologe mit Blick auf die Vernetzung des Weidenbruchs. Denn so schön eine einzelne Feuchtwiese auch sein mag: Ihren vollen ökologischen Nutzen kann sie erst ausspielen, wenn sie nicht isoliert ist – nur so können sich stabile Populationen halten. Dank des angrenzenden Vogelschutzgebiets und einiger hochwertiger Weideflächen ist genau das gegeben: „Es ist richtig und wichtig, die Kernzonen des Weidenbruchs zu erhalten“, bilanziert Weisenfeld.

Und so stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht, dass irgendwann der Anblick einer Schneeraupe in Elkenroth ein Stückchen Herbst-Normalität sein wird.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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