SG Westerwald droht der Baustopp

Land und Kreis bleiben Fördermittel für das neue Vereinsheim trotz Zusage schuldig

ruth Gebhardshain. Der Vorstand der Sportgemeinschaft Westerwald ist ziemlich sauer: Zum einen wegen der Stimmungsmache, die gegen ihn zurzeit in Form von Leserbriefen und anderen öffentlichen Äußerungen stattfindet, zum anderen auf das Land und den Kreis, die sich mit den zugesagten Fördermitteln zum Bau des neuen Vereinsheims mehr als Zeit lassen und so die Vereinsführung in eine ganze schöne Bredouille gebracht haben. Zum Hintergrund:

Rund 1400 Mitglieder

Schon lange überlegte die SG Westerwald, ein eigenes Vereinsheim zu bauen. Die Vorstandsarbeit für den über 1400 Mitglieder zählenden Verein fand fast ausschließlich bei den Vorstandsmitgliedern zu Hause statt, wo sich auch sämtliche Vereinsunterlagen befinden ––verteilt über etliche Dachböden, Kellerräume und sonstige Aufbewahrungsmöglichkeiten. So kann es nicht weiter gehen, dachte sich daher die Vereinsführung und beschloss, ein Vereinsheim zu bauen. 2001 wurden beim Land und beim Kreis Förderanträge gestellt, die zur Überraschung aller so schnell positiv beschieden wurden, dass man sich nicht mehr traute, die Anträge zurückzuziehen. Denn eigentlich ging der Vorstand von einer viel längeren Antragsphase aus. So entschloss man sich eben, mit den Rückenwind von Land und Kreis, schon 2002 mit dem Neubau zu beginnen. Rund 819000 Euro soll das Vereinsheim kosten, davon will das Land 281000 Euro tragen. Bisher wurden 181000 Euro bewilligt: 131000 Euro für das Jahr 2002, 100000 Euro für das Jahr 2003. Der Kreis hat zugesagt, 132000 Euro dazuzugeben, für die Jahre 2002 und 2003 gibt es bis jetzt eine Zusage von jeweils 30000 Euro. Bernd Helsper, der für den Verein die Baumaßnahme leitet und koordiniert, kennt mittlerweile den tieferen Sinn des Sprichwortes von dem Spatz in der Hand und der Taube auf dem Vereinsdach. Denn es besteht ein großer Unterschied zwischen »bewilligen«, »zusagen« und »überweisen«.

Nicht auf Handwerkerkosten

Lediglich die Verbandsgemeinde und die Ortsgemeinde haben ihre Zusagen eingehalten und jeweils 70350 Euro überwiesen. Bleiben Kreis und Land weiterhin ihre Zusagen schuldig, droht dem Verein ein Baustopp. »Wenn wir von Anfang an keine positiven Bewilligungsbescheide bekommen hätte, hätten wir jetzt noch nicht gebaut«, erklärt Geschäftsführer Hans Martin Lindlohr. Auf keinen Fall möchte der Vereinsvorstand jetzt auf Kosten der Handwerker weiter bauen. Dann würde nämlich genau das passieren, was in Deutschland mittlerweile gang und gäbe ist: die Handwerksbetriebe gehen wegen der schlechten Zahlungsmoral ihrer Kunden pleite. »Die Zahlungsmoral muss bei allen stimmen«, fordert Bernd Helsper, »auch beim Land und beim Kreis«.

Öffentliche Ausschreibung

Da der Verein für sein Bauvorhaben öffentliche Mittel beantragt hat, musste die Baumaßnahme von einem Architekten ausgeschrieben werden und die einzelnen Gewerke verglichen und nach dem Grundsatz des Mindestbietenden vergeben werden. Nur im Innenausbau (Streichen und Tapezieren) ist Eigeninitiative erlaubt. Etwa 26000 Euro will der Verein dadurch sparen. 138000 Euro hatte der Vorstand auf »der hohen Kante«, rund 101000 sind als Kredit fällig.

Die Eigenmittel sind mittlerweile aufgebraucht, der Verein ist dringend auf die zugesagten Mittel angewiesen. Inzwischen wurde man in der Vorstandsetage schon bescheidener: »Wir sind ja schon zufrieden, wenn wir wenigstens 80 Prozent der zugesagten Mittel auch tatsächlich erhalten«, sagte SG-Vorsitzender Willi Philipp fast resignierend. Im 1. Bewilligungsbescheid wurde dem Verein zur Auflage gemacht, »mit dem Bau (...) innerhalb von vier Monaten nach der Bewilligung zu beginnen« und: »Die Maßnahme ist innerhalb einer für die Errichtung solcher Bauten üblichen Zeitspanne fertig zu stellen«. »Wie sollen wir aber einen Bau ohne die zugesagten Gelder fertig stellen?« fragt sich Willi Philipp. Von der Dehnbarkeit gewisser Aussagen der ADD kann sich der Vorsitzende mittlerweile selbst ein ganz gutes Bild machen.

»Wir begrüßen deshalb ausdrücklich die jetzt von der CDU-Kreistagsfraktion angekündigte zeitnahe Unterstützung unseres Projekts von Seiten des Kreises«, so Philipp und betont: »Wir bauen auf die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit unserer Förderer und ihrer uns gemachten Zusagen, sonst haben wir nämlich fertig gebaut«.

Willi Philipp macht deutlich, dass der Verein bedeutende Jugendarbeit im Kreis leistet und dies auch weiterhin so handhaben wird. Warum der Kreis beispielsweise eine Jugendbildungsstätte wie Molzhain jahrelang unterhalten hat, die ohnehin nur gelegentlich von auswärtigen Jugendlichen genutzt wird, ist für ihn nicht nachvollziehbar. Die Vereins- und Jugendarbeit wird weiterhin Vorrang haben. »Hier wird auch Jugendarbeit gefördert«, pocht Lindlohr auf die Einhaltung der Versprechen. Auch auf die Gefahr hin, dass oberhalb der Tennisplätze eine Bauruine stehen bleibt–– »die Sport- und Vereinsarbeit hat absoluten Vorrang vor diesem Bau«, betont Philipp, und alle stimmen ihm zu.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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