»Steinebacher Frieden« durchgeboxt

Austausch bei Narres: Geförderte Wäscherei aus Hachenburg bekommt Obergrenze verordnet

goeb Steinebach. »Wenn man zusammen leben muss, dann muss auch ein Aufeinander-Zugehen möglich sein.« So fasste der Geschäftsführer von Textilpflege Narres in Steinebach, Günter Narres, gestern im Pressegespräch einen offenbar hart erarbeiteten Kompromiss zusammen. Zuvor hatte man unter der Regie des SPD-Landtagsabgeordneten Franz Schwarz und unter Hinzuziehung von Staatssekretär Dr. Richard Auernheimer hart um eine Beilegung des »Wäscherei-Streits« gerungen. Mit am Tisch im Betrieb Narres saßen unter anderem die Betreiber kleinerer Wäschereien der näheren Umgebung (Ingeborg Schirra-Stein, Wahlrod, und Textilpflege Jung, Elbtal) sowie der Geschäftsführer der Hachenburger-Service-Gesellschaft (HSG), Winfried Weber.

Zum Hintergrund: Die HSG ist ein relativ neuer Wäscherei-Betrieb in Hachenburg. Die Firma wird als Integrationsbetrieb durch das Land Rheinland-Pfalz gefördert, weil sie in größerem Stil Langzeit-Arbeitslose und Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Von den Mitbewerbern wurde sie in der jüngeren Vergangenheit als »Hecht im Karpfenteich« beargwöhnt, weil sie, so der Vorwurf, mit staatlicher Unterstützung die Preise in der Branche aufrieb, Kunden entzog und auf Expansionskurs ging (die SZ berichtete). Günter Narres, der Einbußen beklagte, hatte zunächst Gebhardshains Bürgermeister Konrad Schwan ins Bild gesetzt, und die CDU hatte versucht, beim Landesarbeitsministerium zu intervenieren. Gestern saßen deshalb auch die heimischen Abgeordneten Dr. Peter Enders und Dr. Josef Rosenbauer mit am Tisch (BM Schwan war wegen eines Trauerfalls verhindert). Das eigentliche Pressegespräch fand aber erst statt, nachdem sich die Teilnehmer ausgetauscht hatten.

Offenbar hatte man in der Runde kein Blatt vor den Mund genommen. Günter Narres bemängelte vor der Presse, dass das Gespräch sehr spät stattgefunden habe. Eingeladen habe man dazu schon früher. Doch er wolle den »Steinebacher Frieden« halten. Narres: »Es gibt genug Munition, um aufeinander loszugehen, doch dann hätten wir eher das Rote Kreuz als die Presse eingeladen.«

Frau Schirrer-Stein war dankbar dafür, dass sie ihre Arbeit vor dem Gremium habe schildern können. Existenzängste seien ihr gekommen, als das mit den Hachenburgern losgegangen sei, erinnerte sie sich. Den kleinen Betrieb habe sie zusammen mit ihrem Mann aufgebaut. »Man gibt ein Kind nicht auf. Ich möchte nicht Preise anbieten müssen, die uns ruinieren.« Herr Jung resümierte: »Es gab in einem begrenzten Markt plötzlich ein viertes Unternehmen. Der Markt war plötzlich auf den kopf gestellt.«

Dr. Auernheimer wies auf den Sinn des Gesprächs hin. Schließlich habe man sich getroffen, um einen Konsens zu finden. Das Gespräch sei sachlich und freundlich verlaufen. Von Seiten des Ministeriums habe man die Sache einige Zeit beobachtet. Der jetzt gefundene Kompromiss sei Ergebnis der Beratungen. Demnach soll Hachenburg nicht mehr als max. 1 Tonne Wäsche pro Tag waschen dürfen (zurzeit sind es 600 Kilo). In den Angeboten sei ferner zu berücksichtigen, dass es nicht zu Verschiebungen auf dem Markt komme. In einem Jahr (Dez. 2004) und in zwei Jahren sollen wieder Gespräche stattfinden, in denen die Situation bewertet wird. Das Ministerium kündigte »positive Intervention« an, falls es bei den betroffenen Betrieben zu weiteren Belastungen komme.

Schwarz und Auernheimer betonten, auch Integrationsbetriebe müssten sich am Markt behaupten. »Das ist also kein Betrieb, der einen hat, der ihn über Wasser hält.« Winfried Weber wollte sich aggressive Expansionspolitik nicht unterschieben lassen. Werbung müsse sein, sagte er. »Schließlich mussten wir doch darauf hinweisen, dass es uns gibt.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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