Melanie Höfgen schafft Ausbildung trotz vieler Hindernisse
Traumjob in der Altenpflege

Melanie Höfgen hat es geschafft, ist nun Altenpflegerin. Einfach war’s nicht.

sz Gebhardshain. Die vergangenen sechs Monate wurden durch den Ausbruch der Covid-19-Pandemie zur Berg- und Talfahrt für Melanie Höfgen (22), frisch examinierte Altenpflegehelferin im St. Vinzenzhaus in Gebhardshain. Ihr Ziel behielt die lernbeeinträchtigte junge Frau aus Kirburg auch in dieser Zeit fest vor Augen: die Abschlussprüfung bestehen und eine feste Anstellung finden, um endlich unabhängig zu sein. Ihr langer Atem hat sich bezahlt gemacht – und auf den letzten Metern gab’s noch eine Extra-Portion „taffen“ Rückhalt, wie aus einem Bericht des Bistums Trier hervorgeht.

Altenpflegerin im St. Vinzenzhaus

Im Juli 2020 war es so weit: Melanie schloss ihre Ausbildung erfolgreich ab und wurde prompt als Altenpflegehelferin in Festanstellung übernommen. Der Weg dorthin war allerdings ein regelrechter Hürdenlauf: Als sie acht Jahre alt war, wurde bei Melanie Epilepsie diagnostiziert. Dann stellte sich heraus, dass sie eine Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwäche hat. Nach der Grundschule besuchte sie eine Förderschule und holte später im berufsvorbereitenden Jahr (BVJ) ihren Hauptschulabschluss nach. Weil sie schon immer in der Pflege arbeiten wollte, begann sie eine Pflegeausbildung, die sie nach einem Jahr abbrechen musste. Ihre Noten waren zu schlecht. Der Traumjob rückte in weite Ferne. „Es fiel mir einfach so schwer zu lernen“, erinnert sich Melanie.

Programm für Menschen mit Förderbedarf

Doch ein 2017 gestartetes Kooperationsprogramm der Barmherzigen Brüder Saffig mit dem kath. Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit Köln (IN VIA) versprach Licht am Horizont. Melanie informierte sich und stieg in eine begleitete Fachpraktiker-Ausbildung für den Einsatz in sozialen Einrichtungen ein. Diese ist speziell auf die Bedürfnisse junger Menschen mit Förderbedarf zugeschnitten und wird seit dem vergangenen Jahr von der Aktion Arbeit im Bistum Trier im Rahmen der TAFF-Kampagne finanziell unterstützt.

Melanie Höfgen überzeugt Kollegen und Bewohner

Die Ausbildung als Servicekraft in der Hauswirtschaft war für Melanie ein großer Schritt in die richtige Richtung. Zwei Jahre lang bewährte sie sich im Senioren- und Pflegeheim St. Vinzenzhaus, zeigte Vorgesetzten, Kollegen und Bewohnern, wie engagiert sie ist, und bestand die Abschlussprüfung. Zwei Jahre, in denen sie Heimleiter Markus Hahmann davon überzeugen konnte, dass sie die Richtige ist, um sein Pflege-Team zu unterstützen. Als Melanie an Hahmanns Tür klopfte, musste sie ihn nicht lange um einen Ausbildungsplatz als Altenpflegehelferin bitten. „Wir konnten in den zwei Jahren gut beobachten, wie zuverlässig und wertschätzend Melanie im Umgang mit ihren Mitmenschen ist. Uns war sofort klar: Wir wollen ihr ein Stück weit Zukunft geben.“ Außerdem sei er von der Initiative der jungen Frau beeindruckt gewesen, gesteht Hahmann: „Sich nach dem Scheitern im ersten Anlauf noch einmal so zu motivieren, ist schon toll! Es ist wichtig, solchen jungen Menschen eine Chance zu geben.“

Corona im Seniorenheim

Bis Anfang April lief alles rund, dann kam der Schock: Die damals noch Auszubildende war schon mitten in der Vorbereitung auf ihre Abschlussprüfung, als die ersten Corona-Fälle in ihrer Einrichtung diagnostiziert wurden. In den darauffolgenden Wochen starben, wie mehrfach berichtet, zehn Bewohner, Melanie musste wochenlang in Quarantäne bleiben. „Es ist so traurig, wenn jemand stirbt“, sagt Melanie, wenn sie auf diese Zeit zurückblickt.

Schöne Momente mit den Senioren

Der Tod der Seniorinnen und Senioren geht ihr noch immer nah, dennoch erinnert sie sich auch gern an schöne Momente. „Einmal hat ein Fotograf draußen tolle Fotos von uns und den Bewohnern geschossen. Das hat sehr viel Spaß gemacht und ist eine schöne Erinnerung für uns alle“, erzählt die 22-Jährige, die in ihrer Freizeit auch selbst gern zur Kamera greift. „Die Lage ist jetzt wieder entspannter, weil niemand mehr bei uns im Haus infiziert ist. Es ist auch so schön, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner wieder Besuch kriegen dürfen.“

IN VIA unterstützt beim Lernen

Während dieser schweren Zeit war ihr Diplom-Sozialpädagogin und Job-Coach Melanie Cassens-Braune von IN VIA eine große Stütze. Denn das Lernen, das Melanie ohnehin schwer fällt, bereitete ihr in der Quarantäne noch mehr Schwierigkeiten. „Wenn kein Lehrer vor einem steht, ist das Lernen ganz anders“, erklärt sie. Doch Aufgeben war keine Option, bestätigt auch Cassens-Braune. „Melanie ist ein durchweg positiver Mensch und brauchte lediglich ein wenig Unterstützung. Auf praktischer wie mentaler Ebene. Und vor allem den persönlichen Kontakt.“

Ausbildung die größte Freude

Melanie ist endlich angekommen. In Gebhardshain fühlt sie sich wohl. Die Frage, worüber sie sich in den vergangenen Jahren am meisten gefreut habe, beantwortet Melanie strahlend: „Dass ich diese Ausbildung machen durfte.“ Nun fehlt nur noch eine eigene kleine Wohnung vor Ort, denn zurzeit bringen Melanies Eltern ihre Tochter mit dem Auto zur Arbeit.
Ob sie das alles auch ohne Hilfe geschafft hätte? „Das ist schwer zu sagen“, meint Melanie. „Aber eins ist klar: Alles ist viel leichter, wenn man jemanden hat, der einen unterstützt.“

Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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