»Von der Stange gibt’s hier nichts«

AMS in Elkenroth feiert 30-jähriges Bestehen und den Abschluss eines Großauftrags der Bahn

ruth Elkenroth. »Das 30. Jahr war wirtschaftlich und auch geschäftlich unser bisher bestes Jahr«, nickt AMS-Geschäftsführer Stefan Imhäuser zufrieden. Gerade haben er und seine Mannschaft fristgerecht ein Projekt abgeschlossen, das vor einem Jahr kein Mensch für möglich gehalten hat: AMS war eine von drei Firmen, die den Auftrag erhielt, die Fassade für den neuen ICE-Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen zu gestalten. Dass dies keine leichte Aufgabe werden würde, wurde allen am Bau beteiligten spätestens dann klar, als das erste Unternehmen, das sich an dieser Aufgabe versuchte, Pleite ging und die bis dato geleisteten Arbeiten allesamt nachgearbeitet werden mussten.

Fristgerecht fertig werden

Nach dieser Erfahrung vergab die Deutsche Bahn AG am 20. Juni 2001 den Auftrag diesmal an drei Unternehmen gleichzeitig. Die einzige Vorgabe: Der Auftrag muss fristgerecht zum 20. Juni 2002 erledigt werden. Einen Tag vor dem vertraglich vereinbarten Fertigstellungstermin meldete Imhäuser »Baustelle fertig«. Es erfolgte eine mängelfreie Abnahme, worauf das Elkenrother Unternehmen ganz besonders stolz ist.

258 Stahlstützen verkleiden

Der Fernbahnhof besteht aus einer Stahlkonstruktion, die wie ein Insekt über den ICE-Gleisen steht. 258 Stahlstützen tragen das Skelett, das insgesamt 660 Meter lang und 50 Meter breit ist. Die aus drei Firmen bestehende Arbeitsgemeinschaft hatte den Auftrag, dieses Stahlskelett zu verkleiden. Als Konsequenz aus dem Großbrand am Düsseldorfer Flughafen wurde bei dem neuen Projekt der Brandschutz groß geschrieben, was zusätzliche Arbeit und Zeit kostete. Als besonders kniffelig erwies sich die Aufgabe, die 258 teleskopartigen Stützen zu verkleiden. Jede Stütze wies andere Maße auf, so dass AMS noch nicht einmal die Maße von der linken Bahnhofseite auf die rechte übertragen konnte. Für die Konstrukteure Stefan Altmann und Gerhard Bürger bedeutete dies, jeden Quadratmeter auszumessen, aufzuzeichnen und die Bleche dann in Elkenroth auf Maß zu produzieren. »Von der Stange gibt’s hier nichts«, so Stefan Imhäuser. Dass die AMS-Leute mittlerweile mit Alu-Blechen umzugehen verstehen, zeigt der geringe Ausschuss: Noch nicht einmal 1 Prozent bei insgesamt rund 500 Tonnen verbrauchtem Material. Selbst die Konkurrenz staunte, wie gekonnt AMS mit den 3 Millimeter starken Alu-Blechen umgehen konnte und welch’ gewagte Schnitte den Konstrukteuren gelangen.

Schwierige Montagebedingungen

Als besonders schwierig gestalteten sich die Arbeiten, weil teilweise nur nachts gearbeitet werden konnte, da der Bahnbetrieb schon aufgenommen wurde. »Auf den Oberleitungen lagen bereits 110000 Volt, und wir mussten zuerst rund 40 Tonnen Verkleidungen, die das in Insolvenz gegangene Unternehmen vor uns angebracht hatte, demontieren. Das hat viel Zeit gekostet«, berichtet Stefan Imhäuser. Der erste Unternehmer konnte noch bequem mit Gerüsten arbeiten. Später ging dies nicht mehr. »Wenn nachts die Gleise frei waren, mussten unsere Leute ran zum Messen«, so Imhäuser zu den Arbeitsbedingungen. Für den rund 35 Mill. DM teuren Auftrag waren insgesamt rund 100 Arbeiter und Ingenieure ein Jahr lang vor Ort beschäftigt. Die AMS-Mitarbeiter hatten sich entweder in Containern eingenistet oder pendelten zwischen Frankfurt und Elkenroth, je nach Bedarfslage.

Dank an die Mitarbeiter

»Wenn meine Mitarbeiter hier nicht so mitgezogen hätten, wie sie es getan haben, wäre es nicht zu schaffen gewesen«, lobt Stefan Imhäuser seine Leute. Er verschweigt auch nicht, dass die Zusammenarbeit mit der Bahn nicht immer ganz einfach war. Jeden Dienstag fanden von morgens 8 Uhr bis abends 20 Uhr Konferenzen statt: mal waren es kaufmännische Sitzungen, mal Beratungsgespräche mit den Konstrukteuren. Die »Entscheidungsfreudigkeit« der Bahn war allen hinlänglich bekannt. So konnte es passieren, dass ganze Verkleidungsteile, die morgens montiert wurden, abends wieder abgeschraubt werden mussten, weil der Brandschutz noch einmal reinschauen wollte, erzählte der Niederfischbacher von den zahlreichen Kapriolen auf dieser Großbaustelle.

Während sich AMS natürlich verstärkt um den Großauftrag am Fernbahnhof kümmerte, durfte das restliche Kundengeschäft nicht vernachlässigt werden. Die rund 100 Beschäftigten gönnten sich in dieser Zeit so gut wie keinen Urlaub und machten Überstunden en masse. Das Ergebnis rechtfertigt die Anstrengungen, und so ist Stefan Imhäuser mehr als zufrieden mit seinen Leuten. Aus Anlass des 30-jährigen Bestehens gibt es wie schon vor fünf Jahren eine besondere Überraschung für die Belegschaft. »Eine Rhein-Fahrt wird’s nicht«, mehr will Stefan Imhäuser nicht verraten. Gefeiert wird jedenfalls im großen Stil.

Neun weitere Stockwerke aufsatteln

Auch wenn die Arbeitsgemeinschaft ihren Auftrag erledigt hat, fertig ist das neue Fernbahnhof-Gebäude neben dem Flugplatz noch lange nicht. Die Bahn plant, neun weitere Stockwerke auf den Bahnhof und damit auf das Stahlgerüst aufzusetzen. Das Hamburger Architekturbüro BRT, Bothe, Richter und Teherani, das den futuristisch wirkenden Bau entworfen hat, sagt voraus, dass sich der Bahnhof mit dem Aufsetzen des 9. Stockwerks um 7 Zentimeter absenken würde. Von solchen Toleranzen träumen die AMS-Ingenieure nur.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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