Wo Aids zugleich Tabuthema und größtes Problem ist

Pfarrer berichtete über Situation in Ruanda

thor Gebhardshain. Ab und an werden auch Bürgermeister daran erinnert, dass alle Probleme wegen defizitärer Haushalte und spät fließender Zuschüsse in Relation zu manch anderen Dingen wie Staubkörner in der Wüste sind. Diese Erfahrung machte gestern einmal mehr Konrad Schwan in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Ruanda-Vereins der Verbandsgemeinde Gebhardshain. Im Rathaus begrüßte er gestern Pfarrer Eugene Dusabirema aus der Pfarrei Mwezi im Distrikt Bukunzi. Begleitet wurde der Geistliche von Dorothea Fuchs und Maria-Elisabeth Bitsch aus Kaiserslautern, die Dusabirema seit vielen Jahren kennen und unterstützen.

Landwirtschaft und Schweine-Zucht

Über das Innenministerium kam der Kontakt zwischen dem Ruanda-Verein und dem Pfarrer zustande, berichtete Schwan. Dieser hat vor Ort eine Aufgabe, die nicht wenige westeuropäische Kollegen sicherlich überfordern würde. In einer Region ohne funktionierende Infra-Struktur, wo Aids nach wie vor fast totgeschwiegen wird, trotzdem bzw. gerade deshalb allgegenwärtig ist, versucht sich der Pfarrer in der Hilfe zur Selbsthilfe. Dusabirema hat mit Erlaubnis seines Bischofs kirchliches Gelände zur Verfügung gestellt, um eine kleine Landwirtschaft aufzubauen. Außerdem ist eine Schweine-Zucht entstanden. Das alles soll zunächst der Selbstversorgung dienen, später ist auch an eine Vermarktung gedacht.

Der Pfarrer nimmt sich der Menschen an, die in der Stammesgesellschaft Ruandas Ausgestoßenen gleichkommen – den Aidskranken. Aktuell betreut er über 350 Aids-Waisen und 73, offiziell durch einen Test bestätigte Kranke. Über die Dunkelziffer sollte man lieber nicht nachdenken. Denn: »Allein über Aids zu reden, ist schon eine kleine Revolution«, weiß Konrad Schwan. Das Problem für Dusabirema: Er kann den Menschen für die Nacht kein Dach über dem Kopf anbieten, lediglich die Schwächsten werden in einem Zimmer einquartiert – der Rest schläft irgendwo im Freien. Wird ärztliche Versorgung notwendig, fährt der Pfarrer die Aids-Kranken mit einem Lastwagen ins 25 Kilometer entfernte Krankenhaus.

8000 Euro gespendet

Es fehlt folglich am Allernotwendigsten, so dass Unterstützung gerne gesehen ist. Vom Gebhardshainer Ruanda-Verein erhielt Dusabirema zuletzt 8000 Euro, und Konrad Schwan kann sich durchaus eine langfristige Begleitung der Arbeit in Mwezi vorstellen: »Das macht Sinn.«

Über die Wahl des neuen Papstes und das für ihn stehende Programm wollte sich der afrikanische Geistliche nicht konkret äußern, auch nicht zu der Frage, ob er lieber einen Pontifex von der Südhalbkugel gesehen hätte. Dorothea Fuchs und Maria-Elisabeth Bitsch betonten jedoch, dass sich Dusabirema vor Ort sehr wohl mit Sexualaufklärung und auch Verhütung beschäftige. Wie sagte doch einmal ein deutscher Generalvikar, der seit vielen Jahren in Ruanda arbeitet, zu Schwan: »Rom ist weit weg.« Religion spiele bei der Aufklärung aber weniger eine Rolle als die Tradition: »Kinder werden noch als das Gold der Erde angesehen«, sagt Schwan. Wenn Verhütungsmittel vorhanden seien, würden diese oft gar nicht erst genommen.

Das Wichtigste sei aber die Bildung bzw. Ausbildung der Kinder und Jugendlichen – gerade der Mädchen. Denn diese müssten oft nach vier Jahren die Schule verlassen, um auf den Feldern zu arbeiten. Junge Frauen mit einer gewissen Bildung aber wüssten um die Gefahren von Aids und was notwendig ist, sich gegen die Seuche zu schützen. Wer Kontakt mit dem Ruanda-Verein aufnehmen will, kann dies über die Gebhardshainer Verwaltung, Tel. (02747) 809115, tun.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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