SZ

Serie: „Mein erstes Mal – Initialzündung Kultur“
Mit Rory auf der platten Wiese

Rory Gallagher und Co. spielten 1984 auf der Grasrennbahn in Haiger-Allendorf (Illustration). Die SZ hatte damals nicht weniger als einen Totalverriss für das Festival übrig. Für den Autor dieses Artikels zum Serienauftakt von „Mein erstes Mal – Initialzündung Kultur“  war es jedoch ein prägendes Erlebnis.
  • Rory Gallagher und Co. spielten 1984 auf der Grasrennbahn in Haiger-Allendorf (Illustration). Die SZ hatte damals nicht weniger als einen Totalverriss für das Festival übrig. Für den Autor dieses Artikels zum Serienauftakt von „Mein erstes Mal – Initialzündung Kultur“ war es jedoch ein prägendes Erlebnis.
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  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww – Anno 1984 in Haiger-Allendorf: Rory Gallagher, Golden Earring und die Climax Blues Band anstelle von Wishbone Ash ... Unter dem Motto „Mein erstes Mal – Initialzündung Kultur“ starten wir eine lose Folge von Beiträgen, in denen SZ-Redakteurinnen und -Redakteure über ein frühes, besonders bedeutsames oder nachhaltig prägendes und in Erinnerung gebliebenes Ereignis in Sachen Kultur schreiben. Alles höchst subjektiv, versteht sich, und die Gefahr der Fallen, die das Gedächtnis so stellen kann, bewusst in Kauf nehmend. Wir wünschen viel Vergnügen an unserer kleinen Serie. Nachfolgend der erste Teil.

aww Haiger-Allendorf. Trügerische Erinnerungen: Ich hätte geschworen, es muss 1981 oder ’82 gewesen sein, als ich mein erstes großes Rockkonzert erlebte.

aww – Anno 1984 in Haiger-Allendorf: Rory Gallagher, Golden Earring und die Climax Blues Band anstelle von Wishbone Ash ... Unter dem Motto „Mein erstes Mal – Initialzündung Kultur“ starten wir eine lose Folge von Beiträgen, in denen SZ-Redakteurinnen und -Redakteure über ein frühes, besonders bedeutsames oder nachhaltig prägendes und in Erinnerung gebliebenes Ereignis in Sachen Kultur schreiben. Alles höchst subjektiv, versteht sich, und die Gefahr der Fallen, die das Gedächtnis so stellen kann, bewusst in Kauf nehmend. Wir wünschen viel Vergnügen an unserer kleinen Serie. Nachfolgend der erste Teil.

aww Haiger-Allendorf. Trügerische Erinnerungen: Ich hätte geschworen, es muss 1981 oder ’82 gewesen sein, als ich mein erstes großes Rockkonzert erlebte. Nun, ich hätte mich des Meineids schuldig gemacht. Ein Blick auf die säuberlich aufbewahrte Eintrittskarte sagt mir nämlich gerade rot auf schmutzig-beige: Es war ’84, und zwar exakt am 2. September. Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen. Als 68er-Jahrgang, Herbstlese, war ich in den Jahren 1981/82 gerade mal zwischen zwölf und vierzehn Jahre alt. Niemals hätte ich damals zu einem Rockkonzert gehen dürfen. Im September ’84 sah das schon ein bisschen anders aus – ich befand mich fast auf der Zielgeraden zum 16. Geburtstag.

Lieber Detroit statt Tulsa oder Amarillo

Ich weiß gar nicht mehr, ob Bravo, Popcorn und Pop/Rocky damals für mich noch aktuell waren. Das Panini-Sammelalbum mit Fußballstars wie Eike Immel (den Silberblick und die blonden Locken hab ich heute noch deutlich vor Augen) war es wahrscheinlich nicht mehr. Was aber immer aktuell war für mich, das war die Rockmusik. Schon seit der Grundschulzeit. Während die anderen auf ABBA oder Smokie abfuhren, war ich immer ein bisschen anders – vielleicht irgendwie logisch, wenn du neben zahllosen Matthiassen und Andreassen einer von ziemlich wenigen Alexandern bist. Der Legende nach habe ich meine Namensgebung übrigens der dunnemals beachtlichen Medienpräsenz eines gewissen Herrn Dubček zu verdanken. Aber ich schweife ab: Kiss war jedenfalls für mich die Band der Stunde, Queen und AC/DC kamen später dazu. Es musste einfach krachen und rocken! Niemals hätte ich wie Tony Christie nach dem Weg nach Amarillo gefragt, und von Tulsa hätte ich mich genau so fern gehalten wie Gene Pitney. Ich wäre lieber mit Gene, Paul, Ace und Peter nach „Detroit Rock City“ gefahren, obwohl ich keine Ahnung hatte, worum es in dem Song ging. Heute, mit „50 plus“, habe ich Amarillo und Tulsa übrigens in meiner Spotify-Playlist. Doch ich schweife schon wieder ab …

Gallagher, Golden Earring, Climax Blues Band

Da Kiss 1984 für mich livemäßig völlig unerreichbar waren, musste ich mich bei „meinem ersten Mal“ also mit etwas anderem zufriedengeben. Am 2. September 1984 also war es so weit, beim „1. Open Air in Haiger-Allendorf auf der Grasrennbahn“. Steht auf dem Ticket – hätte ich so detailliert nicht mehr gewusst. Platte Wiese und endlos Sonne, so habe ich das Konzertkuriosum in Erinnerung – und wer damals dabei war und das eine oder andere noch besser weiß, möge mir verzeihen: Das alles ist über 35 Jahre her, und ich hatte noch nicht, wie heute als Journalist, bei jedem Termin Block und Stift dabei. Angekündigt waren neben dem viel zu früh verstorbenen Rory Gallagher und Golden Earring auch Wishbone Ash. Letztere konnten dann doch nicht kommen, dafür aber die Climax Blues Band. Hat mir nie so viel gegeben, die Combo, aber gerade in jüngster Zeit habe ich „Couldn’t Get It Right“ noch mal so richtig neu für mich entdeckt. Hammer-Song! Der Strom hat auch nicht immer mitgemacht bei diesem Ereignis „in the middle of nowhere“ lange bevor es KulturPur gab. Beim Gig von Golden Earring war es, dass außer dem Drummer plötzlich nichts mehr zu hören war. In meinem Gedächtnis ist mein erstes großes Rockkonzert wirklich groß geblieben, auch wenn unsere Zeitung, wie ich gerade gelesen habe, damals einen Totalverriss brachte und von „miserabler Organisation“ berichtete. Manche Erinnerungen unterliegen mit den Jahren eben einer unergründbaren Verklärung.
Selbst wenn die „Bars of Wisconsin“ und die „Clip Joints of L. A.“ mich, Gott sei Dank, nie gesehen haben und auf ewig Titanics „Rock ’n’ Roll Loser“ vorbehalten bleiben, kann ich doch bis heute so ein bisschen, tief drinnen, immer mit ihm mitsingen: „Oh Rock ’n’ Roll’s the only way to tell my story …“

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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