SZ

Vetter Krantechnik setzt auf virtuelle Realität
Controller statt Kransteuerung

Andreas Weigel, Leiter digitale Transformation bei der Firma Vetter, beobachtet, wie Werksstudentin Louisa Sauter in der virtuellen Realität den Bohrer für die Kranmontage bedient.
  • Andreas Weigel, Leiter digitale Transformation bei der Firma Vetter, beobachtet, wie Werksstudentin Louisa Sauter in der virtuellen Realität den Bohrer für die Kranmontage bedient.
  • Foto: tile
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

tile Haiger. Zwei kleine Transporter mit Werkzeug stehen in der Lagerhalle: Bohrer, Hammer, Mörtelkartusche und mehr. Alles, was benötigt wird, um einen Kran zu montieren. Der wartet, in seine Einzelteile zerlegt, darauf, zusammengesetzt zu werden. Die Arbeit geht dem SZ-Redakteur nach kurzer Eingewöhnungsphase flott von der Hand. Bohrlöcher setzten, Ankerplatte befestigen, Schrauben drehen, Säule aufstellen, Ausleger montieren – kein Problem. Lediglich beim Anbringen des Lastenhakens setzt ein Schwindelgefühl beim Erklimmen der Leiter ein. Seltsam, da man doch eigentlich mit beiden Beinen fest auf der Erde steht. Nach 45 Minuten steht der Kran. Zumindest im virtuellen Raum. Ohne die VR-Brille ist das latente Gefühl von Seekrankheit schnell verschwunden – ebenso das Hallen-Szenario.

tile Haiger. Zwei kleine Transporter mit Werkzeug stehen in der Lagerhalle: Bohrer, Hammer, Mörtelkartusche und mehr. Alles, was benötigt wird, um einen Kran zu montieren. Der wartet, in seine Einzelteile zerlegt, darauf, zusammengesetzt zu werden. Die Arbeit geht dem SZ-Redakteur nach kurzer Eingewöhnungsphase flott von der Hand. Bohrlöcher setzten, Ankerplatte befestigen, Schrauben drehen, Säule aufstellen, Ausleger montieren – kein Problem. Lediglich beim Anbringen des Lastenhakens setzt ein Schwindelgefühl beim Erklimmen der Leiter ein. Seltsam, da man doch eigentlich mit beiden Beinen fest auf der Erde steht. Nach 45 Minuten steht der Kran. Zumindest im virtuellen Raum. Ohne die VR-Brille ist das latente Gefühl von Seekrankheit schnell verschwunden – ebenso das Hallen-Szenario. Statt Schrauber und Kransteuerung legt man zwei Controller aus der Hand. Und natürlich steht auch keine fertige Anlage im kleinen Konferenzraum der Firma Vetter Krantechnik auf der Kalteiche. Sie ist nur noch auf dem großen Bildschirm an der Wand zu sehen. „Am Problem der ,Motion Sickness’ arbeiten wir noch“, erklärt Andreas Weigel mit Blick auf das Schwindelgefühl, das entsteht, wenn das Gehirn Bewegungen verarbeitet, die der Körper gar nicht ausführt. „Auch deshalb teleportiert man sich durch das Szenario“, ergänzt der Leiter der Stabsstelle digitale Transformation des Haigerer Kranherstellers.

Forschungsprojekt „aSTAR“

Als das Unternehmen unter Beteiligung der Universität Siegen, dem Institut für sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) in München und weiteren Partnern das Forschungsprojekt „aSTAR“ im Mai 2019 startete, befand sich die Abteilung des in Siegen gegründeten Unternehmens noch in Eiserfeld. Bund und EU fördern das Projekt im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit – Mittelstand innovativ und sozial“ mit 1,4 Millionen Euro. Kleine, mittlere und mittelständische Unternehmen sollen durch technologische und soziale Innovationen beim digitalen Wandel der Arbeitswelt unterstützt werden. Am Beispiel Vetter geht es um den Einsatz von VR-Technik („virtual reality“). Konkret wird eine kompletter Kranmontage simuliert. Nicht, um Monteure zu trainieren, sondern um den Konstrukteuren mögliche Schwierigkeiten bei der Montage zu veranschaulichen, sodass diese bereits während der Konstruktionsphase berücksichtigt werden. Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Montage oder Wartung an hochgelegenen oder schwer zugänglichen Plätzen? Was ist zu berücksichtigen, wenn nur 180 Grad Arbeitsfläche rund um den Kran zur Verfügung stehen (etwa am Kai eines Hafens)? „Über die VR erreichen wir ein Verständnis der Konstrukteure für die Arbeit der Servicemechaniker“, sagt Weigel.

„Echter“ virtueller Lernort

Zwei Szenarien werden entwickelt – Lagerhalle und Hafen –, in denen zwei Menschen im virtuellen Raum über ihre Avatar, ihre digitale Präsenzen, miteinander interagieren können, auch wenn sie sich in der realen Welt an verschiedenen Orten aufhalten. „Das ist eine Besonderheit an unserem VR-Demonstrator“, erläutert Andreas Weigel. So entsteht ein „echter“ virtueller Lernort, an dem ein direkter Wissenstransfer stattfindet. Derzeit wird nur die Arbeit am Vetter-Kran-„Assistent“ simuliert. Später sollen (neue) Konstruktionspläne automatisch in die VR-Umgebungen hineingeladen werden können.
Am Ende des Projekts (April 2022) steht keine marktreife Software. Vielmehr sollen die Forschungsergebnisse, die veröffentlicht werden, als Grundlage für andere Unternehmen dienen, die technischen Möglichkeiten jeweils individuell für ihr Unternehmen angepasst zu nutzen. „Möglich ist das überall in der Konstruktion, aber auch in der Produktplanung – oder in der Architektur: für einen Gang durch das geplante Haus“, beschreibt Louisa Sauter, Studentin des Master-Studiengangs Human Computer Interaction (HCI) der Wirtschaftsinformatik an der Uni Siegen, die das Projekt als Werksstudentin begleitet.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen