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Friseur erfindet Maskenhalterung
Zu viel um die Ohren

Enzo Olizzo, selbstständiger Friseurmeister aus Haiger, hat aus der Not eine Tugend gemacht: Er hat eine Halterung für Mund-Nase-Schutzmasken erfunden, die nicht nur das Haareschneiden erleichtert, sondern alltagstauglich ist.
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  • Enzo Olizzo, selbstständiger Friseurmeister aus Haiger, hat aus der Not eine Tugend gemacht: Er hat eine Halterung für Mund-Nase-Schutzmasken erfunden, die nicht nur das Haareschneiden erleichtert, sondern alltagstauglich ist.
  • Foto: nja
  • hochgeladen von Marc Thomas

nja Haiger. „Das war der Prototyp“, sagt Enzo Olizzo lachend und zeigt auf ein zunächst recht merkwürdig anmutendes Gebinde: Irgendwie erinnert es auf den ersten Blick an ein gut durchgespeicheltes Kaugummi, das mit einem Haushaltsgummi an ein Stück Metall gefriemelt wurde. Was sich im Laufe der vergangenen Monate aus dieser ersten spontanen Tüftelei entwickelt hat, kann sich mittlerweile sehen lassen und erfreut sich bereits großer Nachfrage: Der Friseurmeister aus dem hessischen Haiger hat eine Halterung für alle Sorten von Mund-Nase-Schutzmasken erfunden, die einige Vorteile verheißt, denn: Die Bändchen müssen so nicht mehr hinter die Ohren gelegt werden. Olizzos „Ohrlizzos“ nämlich werden im Ohr fixiert. Doch der Reihe nach.

nja Haiger. „Das war der Prototyp“, sagt Enzo Olizzo lachend und zeigt auf ein zunächst recht merkwürdig anmutendes Gebinde: Irgendwie erinnert es auf den ersten Blick an ein gut durchgespeicheltes Kaugummi, das mit einem Haushaltsgummi an ein Stück Metall gefriemelt wurde. Was sich im Laufe der vergangenen Monate aus dieser ersten spontanen Tüftelei entwickelt hat, kann sich mittlerweile sehen lassen und erfreut sich bereits großer Nachfrage: Der Friseurmeister aus dem hessischen Haiger hat eine Halterung für alle Sorten von Mund-Nase-Schutzmasken erfunden, die einige Vorteile verheißt, denn: Die Bändchen müssen so nicht mehr hinter die Ohren gelegt werden. Olizzos „Ohrlizzos“ nämlich werden im Ohr fixiert. Doch der Reihe nach.

Vor anderthalb Jahren machte sich der Friseur mit einem Salon in Haiger selbstständig, der Betrieb lief gut an, dann aber kam im vergangenen Frühjahr der erste Corona-Lockdown. Als dieser überwunden war, Schere, Rasierer und Haarwickler wieder zum Einsatz kommen durften, „mussten wir ja schon Maske tragen“, erinnert sich der heute 27-Jährige. „Ich habe alles durchprobiert – vom einfachen Stoffschutz über FFP 2-Masken bis hin zum Visier. Das war zum einen an Zehn-Stunden-Tagen sehr anstrengend für mich selbst. Es juckt, und auch die Brille beschlägt ja immer wieder. Zum anderen haben die Masken das Handwerk erschwert.“

Geburtsstunde zweier Generationen

Sei es beim Colorieren, beim Stufenschnitt oder beim Konturenschneiden am männlichen Kunden: „Die Bändchen hinterm Ohr waren ständig im Weg. Immer wieder mussten die Kunden ihre Maske vorm Gesicht festhalten, damit ich ordentlich und Corona-konform arbeiten konnte.“ „Ich muss mir was einfallen lassen.“

Dieser Gedanke am Ende der ersten Arbeitswoche war die Geburtsstunde der mittlerweile zwei „Ohrlizzo“-Generationen. „Ich habe mich zu Hause bei einem guten Espresso hingesetzt und einfach mal angefangen zu zeichnen. Als dabei der Clip meines Kugelschreibers abbrach, kam mir spontan eine Idee: Aus Zewa habe ich ein Kügelchen gerollt, es mit Gummi am Clip befestigt – und mir das ganze ins Ohr geschoben. Meine Maske habe ich hinter dem Clip eingehängt: Bingo!“ Zum Erfindergeist gesellte sich ein weiterer Glücksmoment. Rittal-Geschäftsführer Friedhelm Loh nimmt regelmäßig als Kunde im Salon Platz und war laut Olizzo sofort Feuer und Flamme: „Er hat mir die ersten 100 Ohrlizzos als 3-D-Druck-Nullserie anfertigen lassen und geschenkt“, erinnert sich der Meister aus Haiger dankbar. In Hessen ließ er sodann 5000 Kunststoff-Exemplare herstellen und fand Abnehmer, nicht nur in der Friseurbranche.

Tüfteln und Brainstorming

Dann kamen ihm erste Zweifel an dieser kleinen „inneröhrlichen“ Lösung: Sie passte nicht zu jedem Gehöreingang, fiel immer wieder mal heraus – es fehlte also der verlässliche Halt. „Also habe ich wieder gezeichnet.“ Und rumhantiert, z. B. mit dem alten Kopfhörer eines „Walkman“ – jener damals gefeierten Errungenschaft der 1980er-Jahre.

Tüfteln und Brainstorming mündeten in den „Ohrlizzo 2.0“, einer Bügelhalterung für Masken aus einem Guss, deren „Stöpsel“ mit einem Loch versehen sind, damit der Hörsinn nicht außen vor bleibt. Das Maskenbändchen wird in die Halterung eingefädelt, das nahezu federleichte Gebinde stethoskopgleich in die Ohren gesteckt, die Maske vor Mund und Nase gezogen. Fertig.

„Den Bügel kann man unterm Kinn an den Hals oder in den Nacken legen oder auch als Haarreif verwenden“, zeigt der junge Familienvater und schwärmt vom angenehmen Tragekomfort für jedermann. Die Brille beschlage nicht mehr, Knickohren und auch ein Verheddern von Haar, Brillenbügel und Bändchen gehörten der Vergangenheit an, freut er sich.

Erfindung zum Patent angemeldet

Den Namen „Ohrlizzo“ – natürlich in Anlehnung an seinen Familiennamen – hat er schützen lassen, seine Erfindung zum Patent angemeldet. Er erntet Begeisterung: 10 000 Exemplare werden derzeit produziert, sollen zum 1. März geliefert werden – und sind schon alle vorbestellt. Die Zweitauflage beträgt 15 000 Exemplare und soll Anfang April im 20 000-Seelen-Städtchen eintreffen.

Noch vermarktet Enzo Olizzo die Halterung über seine Internetseite www.ohrlizzo.de; er verhandelt aber auch schon mit Großhändlern. Dass aus einem abgebrochenen Kuli-Bügel einmal ein solcher Hype würde – damit hatte der pfiffige Friseurmeister nicht gerechnet. „Es ist toll! Und es zeigt sich wieder: Wenn man hart arbeitet und an sich glaubt, schafft man vieles!“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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