Breitscheider Herbstlabyrinth vor zehn Jahren eröffnet
Steter Tropfen formt den Stein

1993 entdeckten Höhlenforscher vom Medenbacher Steinbruch aus die große Tropfsteinhöhle. Die Schauhöhle Herbstlabyrinth Breitscheid öffnete 2009 erstmals ihre Pforten.
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  • 1993 entdeckten Höhlenforscher vom Medenbacher Steinbruch aus die große Tropfsteinhöhle. Die Schauhöhle Herbstlabyrinth Breitscheid öffnete 2009 erstmals ihre Pforten.
  • Foto: Ingo Dorsten
  • hochgeladen von Tim Lehmann (Redakteur)

tile Breitscheid. 124 Stufen führen hinab in eine andere Welt. 23 Meter unter der Erdoberfläche erstreckt sich ein uraltes Reich, dessen Historie im Devon, dem vierten chronostratigraphischen System in der Erdgeschichte, beginnt. Hinter schweren Eisentüren liegt es verborgen. Tageslicht gelangt nicht an diesen bei konstant 9,5 Grad Celsius feucht-kühlen Ort. Doch ein dunkler Ort ist das Breitscheider Herbstlabyrinth nur werktags. Am Wochenende, wenn Besuchergruppen in die Tropfsteinhöhle hinabsteigen, lassen 120 LED-Lampen die Schaukammer dezent, aber majestätisch erstrahlen.

Leicht ist man an der unscheinbaren Zufahrt an der K 68 zwischen Breitscheid und Erdbach vorbeigefahren. Vom kaum so zu nennenden Besucherparkplatz führt ein kurzer Fußweg zum 2009 eröffneten geologischen Kleinod wenige Kilometer hinter der Grenze zwischen NRW und Hessen. Ein 2007 künstlich angelegter Stollen markiert den Eingang, flankiert von einem kleinen Besucherzentrum mit Café-Betrieb. Die Höhle ist eine Einrichtung der Gemeinde Breitscheid. Aber wie vielerorts sind es auch hier vor allem ehrenamtliche Enthusiasten, die das Herbstlabyrinth mit Leben füllen.

Knöpchenhalle misst 45 mal 20 Meter

1993 wurde das Höhlensystem von Höhlenforschern der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen vom Medenbacher Steinbruch aus entdeckt. Mit einer aktuell erforschten Länge von ca. 12,7 Kilometern ist sie die größte Höhle Hessens und deutschlandweit unter den „Top Five“. Die Schauhöhle, die sogenannte Knöpfchenhalle, ist einer der größten Einzelräume, zeigt auf etwa 45 mal 20 Metern (und einer maximalen Höhe von 32 Metern) aber nur einen Ausschnitt des unterirdischen Naturdenkmals, das stetig weiter erforscht wird.

Neben den bekannten Stalagmiten (von unten) und Stalagtiten (von oben) gibt es eine Vielzahl anderer Formen mit klangvollen Namen wie Excentriques, Sinterfahnen oder Makkaroni. Letztere sind hohl, das Wasser sickert nach unten, am Tropfenrand kristallisiert das mitgeführte Kalksteinmineral Kalzit. Jeder Stalagtit beginnt als Makkaroni. Wo das Wasser zu Boden tropft, entstehen Stalagmiten.

Schauhöhle an Wochenenden zu besichtigen

Was hier nur äußerst verkürzt die Entstehung der auf- und abwärtswachsenden Zapfen erklärt, reichern die Hobby-Führer mit großer Fachkenntnis an. So wie Yanica Vitt. Die Studentin kommt eigentlich aus der Gemeinde Wilnsdorf, doch über ihre Großeltern ist sie mit Breitscheid verbunden. Mindestens einmal im Monat führt sie Besuchergruppen durch die Schauhöhle.
Anfassen ist strengstens untersagt, fotografieren erlaubt – allerdings nur ohne Blitz. Mit etwas Glück gelingt es, die besondere Atmosphäre, die durch das innovative Beleuchtungskonzept entsteht, festzuhalten. Europaweit sei es die erste Höhle gewesen, die komplett mit LEDs ausgeleuchtet wurde, nimmt das Herbstlabyrinth für sich in Anspruch. Durch die geringe Wärmeabstrahlung der Leuchtmittel sind sie besonders schonend für die Höhlenumwelt. Die Fußwege führen über Stege und Plattformen aus einem Glasfaser-Kunststoffgemisch.

Tropfsteinhöhle ist auch kleine Kulturbühne

Seit zwei Jahren ist die Schauhöhle auch Schauplatz eines ausgewählten Kultur- und Veranstaltungsprogramms. Sonderführungen, Ferienspecials oder besondere Konzerte verstärken dann die ohnehin faszinierende Wirkung der Tropfsteinhöhle. Regelmäßige Öffnungszeiten sind von April bis Oktober samstags, sonntags und an hessischen Feiertagen von 11 bis 18 Uhr, im November und Dezember gibt es verkürzte Zeiten. Es gelten stets die Angaben im Buchungskalender. Die letzte Führung im laufenden zehnten Jahr seit Eröffnung ist für den ersten Adventssonntag, 1. Dezember, geplant. Im Rahmen von insgesamt drei Führungen können dann „fantastische Lichteffekte im Advent“ erlebt werden. Einen Besuch ist das Herbstlabyrinth aber zu allen Öffnungszeiten wert.

1993 entdeckten Höhlenforscher vom Medenbacher Steinbruch aus die große Tropfsteinhöhle. Die Schauhöhle Herbstlabyrinth Breitscheid öffnete 2009 erstmals ihre Pforten.
In der Knöpfchenhalle werden die Besucher über Stege aus glasfaserverstärktem Kunststoff durch die LED-beleuchtete Kammer geführt.
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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