SZ

Matthias Georg vom TSV Steinbach Haiger
"Geisterspiele sind keine Option"

Wie so viele Menschen hat auch Matthias Georg in Corona-Zeiten in den Homeoffice-Modus geschaltet. Der Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten TSV Steinbach Haiger ist nur noch einmal die Woche in der Geschäftsstelle des Vereins am Haarwasen in Haiger. Den Großteil seiner Arbeit erledigt der aus Lützeln stammende Georg vom heimischen Schreibtisch aus.
  • Wie so viele Menschen hat auch Matthias Georg in Corona-Zeiten in den Homeoffice-Modus geschaltet. Der Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten TSV Steinbach Haiger ist nur noch einmal die Woche in der Geschäftsstelle des Vereins am Haarwasen in Haiger. Den Großteil seiner Arbeit erledigt der aus Lützeln stammende Georg vom heimischen Schreibtisch aus.
  • Foto: Verein
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Haiger. Der deutsche Amateur-Fußball ruht in der Corona-Krise „bis auf Weiteres“. Darauf haben sich die Regional- und Landesverbände geeinigt (die SZ berichtete). Wann der Ball wieder rollen kann, ist derzeit völlig ungewiss. Das trifft vor allem die Vereine aus den fünf Regionalligen mit voller Härte. Viele dieser Clubs arbeiten unter Profibedingungen, müssen nun aber den Wegfall signifikanter Einnahmequellen verkraften. Für einige Vereine ist das sogar existenzbedrohend. Die SZ hörte sich beim TSV Steinbach Haiger um und sprach mit Matthias Georg, dem Geschäftsführer Sport und Finanzen des höchstklassigen Clubs der heimischen Region, über drohende Saisonabbruch-Szenarien, Regress-Forderungen, Kurzarbeit und Geisterspiele.

ubau Haiger. Der deutsche Amateur-Fußball ruht in der Corona-Krise „bis auf Weiteres“. Darauf haben sich die Regional- und Landesverbände geeinigt (die SZ berichtete). Wann der Ball wieder rollen kann, ist derzeit völlig ungewiss. Das trifft vor allem die Vereine aus den fünf Regionalligen mit voller Härte. Viele dieser Clubs arbeiten unter Profibedingungen, müssen nun aber den Wegfall signifikanter Einnahmequellen verkraften. Für einige Vereine ist das sogar existenzbedrohend. Die SZ hörte sich beim TSV Steinbach Haiger um und sprach mit Matthias Georg, dem Geschäftsführer Sport und Finanzen des höchstklassigen Clubs der heimischen Region, über drohende Saisonabbruch-Szenarien, Regress-Forderungen, Kurzarbeit und Geisterspiele.

SZ: Herr Georg, sind Sie derzeit angesichts der Corona-Krise eher Krisenmanager oder „Feuerwehrmann“?
Matthias Georg: „Ich glaube, ,Feuerwehrmänner’ werden angesichts der prekären Situation, in der wir uns alle derzeit befinden, in ganz anderen gesellschaftlichen Bereichen benötigt, die deutlich wichtiger sind als der Fußball. Daher sehe ich mich eher als Krisenmanager, der versucht, alles dafür zu tun, dass der TSV Steinbach Haiger gut aus dieser schwierigen Situation herauskommt.“

"Eine gute Truppe auf und neben dem Platz"

SZ: Worauf liegt der inhaltliche Schwerpunkt Ihrer Arbeit in diesen Tagen?
Georg: „Wir haben beim TSV Steinbach Haiger recht frühzeitig Kurzarbeit eingeführt. Das war eine Menge Arbeit, angefangen vom Antragswesen über abrechnungstechnische Details, den Austausch mit Verbänden und anderen Vereinen bis hin zu den Gesprächen mit unseren Spielern, Trainern sowie den weiteren Angestellten des Vereins. Da gab es natürlich viele Rückfragen, aber mir war wichtig, das Thema so transparent wie möglich zu erklären. Unsere Mitarbeiter haben dann auch schnell Zustimmung signalisiert, weil sie gesehen haben, dass Kurzarbeit in der jetzigen Situation für uns alternativlos ist, um das wirtschaftliche Überleben zu sichern. Das war ganz wichtig. Da hat sich einmal mehr gezeigt, dass wir beim TSV eine gute Truppe auf und neben dem Platz haben.“

SZ: Wie sieht es mit Vertragsgesprächen mit Spielern und potenziellen Neuzugängen aus?
Georg: „Die stehen erst mal hintenan – zumindest so lange, bis wir eine halbwegs wirtschaftliche Planbarkeit haben. Im Übrigen wüsste ich auch gar nicht, ab wann ich jemandem einen Vertrag geben soll, da noch nicht feststeht, wann die Saison beendet sein wird, sofern sie denn fortgesetzt wird, und wann die neue Spielzeit beginnen soll.“

Regress-Risiko: Wie reagieren Dauerkartenbesitzer und die Sponsoren?

SZ: Wie sehr leidet der Verein jetzt schon unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie?
Georg: „Natürlich trifft uns das hart, obwohl wir ein gesunder Verein sind und die fehlenden Einnahmen durch die Zwangspause sicherlich besser verkraften können als viele andere Regionalligisten. Uns brechen zum einen die Einnahmen weg, zum anderen haben wir ein Regress-Risiko. Die Frage ist: Wie reagieren Dauerkartenbesitzer und die Sponsoren? Um es klar zu sagen: In der jetzigen Situation hätte ich vollstes Verständnis dafür, wenn sich der ein oder andere zurückzöge. Aber wir haben überwiegend positive Signale von unseren Unterstützern bekommen. Das macht uns Mut.“

SZ: Glauben Sie noch daran, dass die Saison in der Regionalliga Südwest zu Ende gespielt werden kann?
Georg: „Wirklich seriös kann diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt niemand beantworten. Aber ich glaube schon, dass die Saison noch beendet werden kann, da der DFB mittlerweile signalisiert hat, die Spielzeit nicht unbedingt am 30. Juni enden zu lassen, sondern dass dies auch zu einem späteren Zeitpunkt der Fall sein kann.“

SZ: Könnte das nicht zu juristischen Problemen hinsichtlich der Spielerverträge führen?
Georg: „Unsere Rechtsauffassung ist, dass die bestehenden Verträge im Falle einer Saisonverlängerung über den 30. Juni hinaus weiterhin Gültigkeit besitzen würden.“

"Ein Saisonabbruch würde viele Klagen nach sich ziehen"

SZ: In der Liga werden unterschiedliche Szenarien diskutiert, wie es weitergehen kann bis hin zu einem möglichen Abbruch der Saison. Welche Variante präferieren Sie?
Georg: „Eines vorweg: Egal welche Lösung man findet, sie ist nicht für alle gerecht. Daher möchte ich nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken. Aber natürlich würde ich mir wünschen, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann – aus sportlichen und wirtschaftlichen Gründen. Wenn es gesichert wäre, dass wir ab August wieder mit Zuschauern spielen könnten, dann wäre das eine akzeptable Lösung. Falls das aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein sollte, müsste man die Saison eben abbrechen und versuchen, eine faire Lösung zu finden.“

SZ: Und wie sollte die dann Ihrer Meinung nach aussehen?
Georg: „Ganz ehrlich: Eine faire Lösung gibt es nicht. Jeder Verein hat seine eigenen Interessen und wird auch dementsprechend argumentieren. Da muss man sich nichts vormachen. Ein Saisonabbruch würde viele Klagen nach sich ziehen.“

SZ: In der Bundesliga soll es – wenn überhaupt – mit Geisterspielen weitergehen. Wäre das auch eine Option für die Regionalligen?
Georg: „Ganz klar: Nein! Der Kostenapparat würde auf fast 100 Prozent steigen und das Kurzarbeitergeld komplett gestrichen. Die Vereine aus den Regionalligen sind – im Gegensatz zu den Bundesligisten – auf Zuschauereinnahmen angewiesen. Sie machen einen erheblichen Teil des Etats aus. Auch wenn der TSV Steinbach Haiger nicht so viele Fans wie beispielsweise Kickers Offenbach hat und wir als wirtschaftlich gesunder Verein sicherlich besser die Zeit ohne Einnahmen überbrücken könnten als viele andere Clubs, würden wir uns da solidarisch zeigen und eine andere Lösung anstreben.“

SZ: Wie hält sich die Mannschaft in diesen Tagen fit?
Georg: „Die Spieler machen auf freiwilliger Basis individuelles Lauftraining. In Zweiergruppen zu trainieren, macht aus unserer Sicht keinen Sinn, sofern noch nicht absehbar ist, wann wieder gespielt werden kann.“

SZ: Der TSV hat bislang die beste Saison der Vereinsgeschichte gespielt und als Tabellendritter auch noch Meister- und Aufstiegschancen. Ärgern Sie sich daher noch mehr über die Zwangspause und das drohende vorzeitige Saisonende?
Georg: „Natürlich blutet einem aus sportlicher Sicht das Herz. Aber es bringt nichts zu lamentieren. Wir sitzen alle in einem Boot.“

Hoffnung auf mehr Demut im Fußball

SZ: Falls das Coronavirus einen Strich durch die (Aufstiegs-)Rechnung des TSV macht: Bleibt das Ziel 3. Liga bestehen?
Georg: „Ganz ehrlich: Aktuell ist das ganz weit weg, zumal Vieles nicht mehr so sein wird, wie es mal war. In erster Linie geht es nun darum, dass es wieder weitergeht, ohne dass es gesundheitliche Risiken gibt. Und es wird weitergehen. Wir müssen nur Geduld haben.“

SZ: Gibt es im bezahlten Fußball überhaupt (noch) Geduld?
Georg: „Vielleicht ist einer der ganz wenigen positiven Aspekte dieser Krise, dass sich das ganze Geschäft über die Tour beruhigt und reglementiert. Und dass endlich wieder Demut einkehrt. Der Fußball tut gut daran, sich nicht zu wichtig zu nehmen. Das wird einem in diesen Tagen mehr denn je vor Augen geführt.“

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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