Hoffen auf Spielbetrieb im Hüttenhaus Herdorf ab Januar
Bis Jahresende geschlossen

Das Hüttenhaus, die „gute Stube“ der Stadt Herdorf, bleibt wegen der Corona-Pandemie bis zum 31. Dezember geschlossen. Ein alternatives Szenario ist aus Sicht der Stadt und der beiden Kulturvereine wegen der hohen Auflagen nicht realistisch.
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  • Das Hüttenhaus, die „gute Stube“ der Stadt Herdorf, bleibt wegen der Corona-Pandemie bis zum 31. Dezember geschlossen. Ein alternatives Szenario ist aus Sicht der Stadt und der beiden Kulturvereine wegen der hohen Auflagen nicht realistisch.
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aww Herdorf. Es ist fast wie ein Ritual. Jahr für Jahr im Sommer geht unsere Kulturredaktion auf Tournee quer durch die Region. Gefühlt jagt dann, in der großen Pause zwischen den Spielzeiten, eine „Programm-PK“ die nächste. Bei diesen Pressekonferenzen stellen die größeren Kulturgemeinden und -vereine von Bad Berleburg bis Siegen, von Kreuztal bis Herdorf ihre kommenden Spielzeiten vor. Als nun die Einladung des Kulturrings Herdorf eintraf mit der ungewohnten Formulierung, dass der Verein gemeinsam mit den Kulturfreunden und der Stadt „über die Maßnahmen informieren“ wolle, „die in dieser Corona-Pandemie-Zeit das Kulturprogramm 2020/2021 in Herdorfs Hüttenhaus betreffen“, kam gleichzeitig eine Ahnung auf, dass dies keine normale Programm-PK werden würde.
So war es denn auch. In erster Linie und insbesondere ging es am Freitag darum: Im Hüttenhaus wird sich in diesem Jahr kein Vorhang mehr öffnen! Herdorfs „gute Stube“ bleibt bis zum 31. Dezember geschlossen, hatte Bürgermeister Uwe Erner mitzuteilen, ganz ohne Umschweife, dabei flankiert von Christine Lück, der Vorsitzenden des Kulturrings Herdorf, deren Stellvertreter Johannes Schmidt sowie seitens des Kreises der Kulturfreunde Herdorf von Vorsitzendem Norbert Buschmann und Vize Erni Schlosser. Damit ist klar: Die Spielzeit 2020/2021 wird nur eine halbe und auch nur eine für 2021 werden.

Erner: „Die Abstandsregelung ist ein Umbringer“

„Die Corona-Pandemie“, so Erner, „hat dazu geführt, dass wir diesen Schritt unternehmen mussten.“ Die Stadt und die beiden Kulturvereine hätten keine alternative Möglichkeit gesehen. Bei den derzeit geltenden Vorgaben, die „das Maß der Dinge“ seien, sei ein Spielbetrieb nicht zu gewährleisten. Erner: „Wir hoffen, dass sich die Bedingungen lockern.“ Und dass zum 1. Januar 2021 ein normaler Spielbetrieb zu den üblichen Rahmenbedingungen wieder möglich ist. „Wenn es bei den 1,5 Metern bleibt“, meint Erner nicht nur mit Blick auf Herdorf, „wird es zu großen Problemen kommen.“ Eine Auslastungssituation sei damit nicht hinzubekommen. „Die Abstandsregelung ist ein Umbringer.“
Das Hüttenhaus, erklärte Erner, sei eine ehrenamtlich betreute Einrichtung, von den Kulturvereinen sehr eigenverantwortlich genutzt. Die Stadt als Hauseignerin und die Veranstalter trügen eine hohe Verantwortung, sagte Erner in Bezug auf die Corona-Vorgaben in Rheinland-Pfalz. Diese beträfen nicht nur die Abstandsregeln, sondern etwa auch die Belüftung, die Begegnungssituation im Foyer oder auch die Notwendigkeit einer Unterbrechung nach 20 Minuten. Bei dem „Strauß an Vorgaben“ sei die Durchführung von Veranstaltungen weder für die Stadt noch für Kulturring und Kulturfreunde personell darstellbar. „Wir haben gesagt, wir zeigen eine konsequente Haltung“ und „wir laufen den Verordnungen nicht hinterher“. Bedeutet: Es geht definitiv erst mit dem 1. Januar 2021 (bzw. konkret mit dem ersten im kommenden Jahr geplanten Theaterabend am 20. Januar) wieder los. „Die Vereine haben ja auch nicht unmittelbar Zugriffe auf die Veranstaltungen, wenn es plötzlich heißt: Jetzt passt es“, führte Erner mit Blick auf etwaige Termine noch in diesem Jahr aus. Klar: Engagements müssten spontan ausgehandelt, Veranstaltungen beworben werden. „Das ist im Ehrenamt nicht zu leisten.“
Für Christine Lück war es ein Gebot der Fairness, bereits gebuchte Bühnen nicht bis ultimo warten zu lassen, sondern ihnen frühzeitig abzusagen. Johannes Schmidt ergänzte: „Ein wichtiger Aspekt ist: Wir brauchen Planungssicherheit, und die Bühnen brauchen Planungssicherheit.“

Maximal 60 Besucher wären möglich

Unter den gegenwärtigen Maßgaben wären im Hüttenhaus Veranstaltungen mit maximal 60 Besuchern (davon 43 im Parkett) möglich – nicht die Art von Theaterabenden, die sich die Macher vorstellen. Bei 180 Kulturring-Abonnenten hätte gar eine Auswahl getroffen werden müssen. „Das geht nicht“, sagt Johannes Schmidt. Und auch wenn die Besucherzahl an sich den Machern zufolge nicht der wesentliche Aspekt ist: Was ebenfalls nicht geht, ist 10 000-Euro-Theater vor 50 Leuten. „Das machen wir viermal, dann heißt es: auf Wiedersehen, Kulturring Herdorf.“
Christine Lück wies darauf hin, dass nicht nur die Kulturfreunde und der Kulturring unter Veranstaltungsabsagen zu leiden hätten, sondern auch der gemeinsam mit der Stadt verantwortete „Kulturherbst“ mit drei Veranstaltungen, aber auch die VHS Herdorf mit ihrem Eva-Mattes-Abend im Rahmen der Westerwälder Literaturtage (der jetzt im Kulturwerk Wissen stattfindet), die christlichen Gemeinden Herdorfs (Konzertabend), der Musikverein Dermbach oder die DJK mit einem Konzert der @coustics.

„Willkommen bei den Hartmanns“ ein Jahr später

Vom Kulturring selbst sind drei bereits 2019 gebuchte Termine in diesem Jahr vom Hüttenhaus-Shutdown betroffen („Seite eins“ mit Ingolf Lück, die Michael-Jackson-Show „Black Or White“ und die Komödie „Neun Tage frei“). Stattfinden sollen im nächsten Frühjahr nach derzeitiger Planung noch folgende Theaterabende: „Exit Casablanca“ (N. N. Theater Köln, 20. Januar), „Was zählt, ist die Familie“ (Komödie am Altstadtmarkt Braunschweig, 19. Februar), „Sophie Scholl – die letzten Tage“ (Landesbühne Rheinland-Pfalz, 16. März) und „Eine echte Traumfrau – oder Lady Wintermeres Fächer“ (Komödie am Altstadtmarkt, 12. April). Zusätzlich wurde das zuletzt ausgefallene Stück „Willkommen bei den Hartmanns“ mit dem Tourneetheater Thespiskarren um exakt ein Jahr auf den 27. April 2021 verschoben. Das Programmheft für Kulturring und -freunde werde „zum spätestmöglichen Zeitpunkt“ gedruckt und verteilt, voraussichtlich Ende Oktober/Anfang November, wie es hieß.
Beim Kreis der Kulturfreunde bleibt von fünf geplanten Konzerten noch genau eines übrig. Zwei Termine, so Norbert Buschmann, hätte es eigentlich noch in diesem Jahr gegeben, außerdem habe die Landesstiftung Villa Musica alle Kinderkonzerte abgesagt. Auch das Schulkonzert fällt „erst mal“ flach. Stattfinden soll nun noch ein Konzert mit dem Flex Ensemble am 28. März. Mit dabei: das Herdorfer Gewächs Johannes Nies (Klavier).

Lück: „Faire Lösung für alle finden“

Ticketrückabwicklungen für die ausgefallenen Kulturring-Veranstaltungen der Saison 2019/2020 sind übers Rathaus möglich. Auch im Blick auf die Abonnenten sei man dabei, „eine faire Lösung für alle“ zu finden, sagte Christine Lück. Beim Kreis der Kulturfreunde (hier geht es einzig um das ursprünglich am 15. August geplante Konzert mit Beethovens Neunter) ist Vorsitzender Norbert Buschmann der richtige Ansprechpartner.
Bürgermeister Erner bleibt indes die Hoffnung – auch auf Treue und Geduld des Publikums: „Es ist wichtig, dass die Leute uns ab Januar wieder die Stange halten.“
Internet: www.kulturring-herdorf.de und www.kulturfreunde-herdorf.de

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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