Bezaubernder Bach mit Villa Musica
Martin Stadtfeld im Hüttenhaus

Dzafer Dzaferi, Martin Stadtfeld, Ekaterina Perlina, Samuel Espinoza-Ruiz, Anna-Dorothea Promnitz und Latica Anic (v. l.) bedanken sich für den stürmischen Applaus im Herdorfer Hüttenhaus mit einer launigen Zugabe. Foto: ne
  • Dzafer Dzaferi, Martin Stadtfeld, Ekaterina Perlina, Samuel Espinoza-Ruiz, Anna-Dorothea Promnitz und Latica Anic (v. l.) bedanken sich für den stürmischen Applaus im Herdorfer Hüttenhaus mit einer launigen Zugabe. Foto: ne
  • hochgeladen von Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter)

ne Herdorf. Zum Ende der Konzertsaison des Kreises der Kulturfreunde Herdorf, der auf viele gut besuchte Veranstaltungen blicken kann, lud der Kulturverein in Zusammenarbeit mit der Stadt Herdorf den bereits vier mal mit dem begehrten Echo-Klassik ausgezeichneten, renommierten Bach-Interpreten Martin Stadtfeld ins Herdorfer Schmuckkästchen, das Hüttenhaus. Der bei Montabaur aufgewachsene Stadtfeld studierte parallel zum Besuch des Landesmusikgymnasiums schon seit seinem 14. Lebensjahr an der Musikhochschule in Frankfurt.

Villa Musica lud zum Meisterkurs

Nun lud die rheinland-pfälzische Stiftung Villa Musica, deren Stipendiat Stadtfeld einst war, den international gefeierten Pianisten zu einem Meisterkurs auf Schloss Engers ein, wo er mit ausgewählten Stipendiatinnen und Stipendiaten ein feinsinniges Konzertprogramm erarbeitete, das wieder viele Kammermusikfreunde interessierte. Gemeinsam mit Ekaterina Perlina und Dzafer Dzaferi (Violinen), Samuel Espinoza-Ruiz (Viola), Latica Anic (Violoncello) und Anna-Dorothea Promnitz (Kontrabass) präsentierte Stadtfeld Werke von Johann Sebastian Bach und Frédéric Chopin sowie eine virtuose Variation über Motive von Bach, eine „Fantasie in E“, die auch mit romantischem Repertoire spielt.

Wie zu Bachs Zeiten

Zum Auftakt wurde das dreisätzige „Concerto a Cembalo certato in f-Mol“ (BWV 1056) gespielt, in dem die Musikerinnen und Musiker eine inspirierte, untereinander sehr aufmerksame und augenscheinlich spielfreudige Kammermusikrunde zum Besten gaben, wie sie vielleicht auch zu Bachs Zeiten im Leipziger Kaffeehaus Zimmermann anzutreffen gewesen sein könnte. Spritzig der erste Satz, ein vergnügliches Entree, dann das Largo ganz zartseiden und mit Bedacht, das abschließende Presto im Ganzen stimmig, bloß an wenigen Stellen ein wenig diffus: Da hätte man ein wenig deutlicher aufeinander hören können, um dem fulminanten Abschluss etwas mehr Kontur zu verleihen.

Stadtfeld verzaubert solistisch

Anschließend verzauberte Martin Stadtfeld solistisch mit der kurzen „Fantasie c-Moll“ (BWV 906), an die seine „Fantasie in E“ anschloss, um die Kongruenzen der beiden Stücke deutlich zu machen. Stadtfelds Fantasie verarbeitet neben Bachs späten Tastenstücken auch romantische Einflüsse, das schafft Spannung und bringt, namentlich durch differenzierende Dynamiken, die Musik zum Glitzern – eine verwobene, schwebende Fantasie eben.

Echte Kammermusik im "concerto"

Nach der Pause dann wieder Kammermusik im Verein mit den Stipendiaten, diesmal mit vertauschen Rollen in den Violinen: Spielte bei Bachs Klavierkonzert Ekaterina Perlina die erste Geige, übernahm Kollege Dzafer Dzaferi bei dem abschließenden „Klavierkonzert Nr.1 e-Moll, op.11“ des erst zwanzigjährigen Frédéric Chopin diese Position: Schön, wie Stadtfeld den Impetus des jungen polnischen Virtuosen übernahm, kein egozentrisches Piano-Solo-Konzert mit Begleitung darzustellen, sondern echte Kammermusik im „concerto“, also „zusammen“ zu zelebrieren. Ausgewogen der Beginn, das Allegro maestoso, der zweite Satz Larghetto geriet ganz zu einer frühlingsverliebten Mondscheinnacht, und das Rondo schloss mit einem bezaubernd frischen, volkstümlichen Tanzrhythmus.

Frei und vergnügt also war das Spiel des Ensembles – und gefiel dem Herdorfer Publikum so ausnehmend, dass es sich eine Zugabe erklatschte: noch einmal das Ende des letzten Chopin-Satzes, weil‘s so schön war.

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