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Gerit Kling in Alan Ayckbourns „Falsche Schlange“ im Hüttenhaus Herdorf
Wenn die Vergangenheit zu spuken lernt

Die Schwestern Miriam (Mackie Heilmann) und Annabel (Gerit Kling) bekommen es mit einer Erpresserin, der Krankenschwester Alice (Astrid Rashed, v. l.), zu tun. Aber ist das wirklich so? Wer ist die „Falsche Schlange“ in Alan Ayckbourns gleichnamigem Stück, das am Freitagabend im Hüttenhaus Herdorf zu sehen war?
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  • Die Schwestern Miriam (Mackie Heilmann) und Annabel (Gerit Kling) bekommen es mit einer Erpresserin, der Krankenschwester Alice (Astrid Rashed, v. l.), zu tun. Aber ist das wirklich so? Wer ist die „Falsche Schlange“ in Alan Ayckbourns gleichnamigem Stück, das am Freitagabend im Hüttenhaus Herdorf zu sehen war?
  • Foto: Alexander W. Weiß
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww Herdorf. Die Schwestern Annabel und Miriam beschwören die Geister der Vergangenheit. Viele Jahre haben sie sich nicht gesehen, nachdem Annabel, die ältere, als junge Frau vor dem lieblosen Vater nach Tasmanien geflüchtet ist. Nun kehrt sie zurück nach Großbritannien, denn der Erzeuger, bis zuletzt von ihrer jüngeren Schwester „gepflegt“, ist tot. Im Ränkespiel um Erbe und Erpressung, in dem auch die Krankenschwester Alice kräftig mitmischt, tauchen die ungleichen Geschwister, die nach langer Trennung einander entfremdet sind, tief in ein Universum der Erinnerungen ein und fördern „Gruselgeschichten“ ans Tageslicht, die auch heute noch lange Schatten auf ihrer beider Leben werfen.

aww Herdorf. Die Schwestern Annabel und Miriam beschwören die Geister der Vergangenheit. Viele Jahre haben sie sich nicht gesehen, nachdem Annabel, die ältere, als junge Frau vor dem lieblosen Vater nach Tasmanien geflüchtet ist. Nun kehrt sie zurück nach Großbritannien, denn der Erzeuger, bis zuletzt von ihrer jüngeren Schwester „gepflegt“, ist tot. Im Ränkespiel um Erbe und Erpressung, in dem auch die Krankenschwester Alice kräftig mitmischt, tauchen die ungleichen Geschwister, die nach langer Trennung einander entfremdet sind, tief in ein Universum der Erinnerungen ein und fördern „Gruselgeschichten“ ans Tageslicht, die auch heute noch lange Schatten auf ihrer beider Leben werfen.

Packendes, rasantes, hoch unterhaltsames Theater

Das Tournee-Theater Thespiskarren (in Koproduktion mit dem Theater im Rathaus Essen) suchte am Freitag im sehr gut besuchten Hüttenhaus Herdorf die „Falsche Schlange“ in Alan Ayckbourns gleichnamigem Psycho-Thriller, besser: Kriminalstück mit komödiantischen und gelegentlichen übernatürlichen Komponenten. Der Kulturring Herdorf bescherte mit der straff und temporeich erzählten Geschichte (englisches Original: „Snake In The Grass“, 2002) seinem vielköpfigen, am Ende begeistert applaudierenden Publikum einen packenden, rasanten und hoch unterhaltsamen Theaterabend. In dem rein mit Frauen besetzten Stück auf der Bühne: die bekannte TV-Schauspielerin Gerit Kling, die auch für die Regie verantwortlich zeichnet, als Annabel, Mackie Heilmann als ihre jüngere Schwester Miriam und Astrid Rashed als Krankenpflegerin Alice. Ein furioses Schauspieltrio, das in seiner Geschlossenheit und mit großem Körpereinsatz die Zuschauer mitriss, fesselte und manches Mal zum Lachen brachte – allen voran die großartig humoristische, sehr präsente Mackie Heilmann.

Psychogramme und innerfamiliäre Konstellationen

Die Kriminalgeschichte, in der übrigens nicht nur das vorausgegangene Ableben des Vaters zu beklagen ist und in der der schwarzgewandete Tod (ebenfalls Astrid Rashed) mehr als einmal seine traurige Melodie auf der Fidel anstimmen darf, bildet den Rahmen für die Ausbreitung der Psychogramme vornehmlich der beiden Schwestern und deren innerfamiliärer Konstellationen, bei denen es auch um Liebe, Angst und Dialog geht. Die nach außen zunächst so tough und robust scheinende, äußerst lautstark, bestimmt, feindselig und arrogant auftretende Annabel entlarvt sich bald selbst als „Loserin“, die sich vor Zeiten auf dem Tennisplatz vom Vater hat drangsalieren, später vom Ehemann hat schlagen lassen, die einen Herzinfarkt erlitten und ihr Geschäft an die Wand gefahren hat. Miriam, vom Vater als Jugendliche vermutlich sexuell missbraucht, zumindest aber ein Leben lang ordentlich von ihm gestriezt, gibt sich anfangs hysterisch-weinerlich, hilflos und naiv, hat es aber faustdick hinter den Ohren und eine hohe kriminelle Energie bis hin zum Mehrfachmord. Und auch bei der Pflegerin Alice ist, wie sich am Ende zeigt, als sich die Ereignisse nachgerade überschlagen, nicht alles so, wie es anfangs scheinen will.

Mancher Spuk wird der Realität einverleibt

Im Grunde alles ganz handfest, doch gibt es auch übernatürliche Elemente – wenn es etwa vom düsteren Tennisplatz her geheimnisvoll tönt und leuchtet – in dieser unterm Strich gar nicht so gespenstischen Geschichte, sie lösen sich indes meist als von den handelnden Personen inszeniert auf, könnten auch als Einbildung in deren Hirnen interpretiert werden. Da wird so mancher Spuk ins Hier und Jetzt geholt und der Realität einverleibt. Zuletzt wird Miriam vom Vater heimgesucht. Doch werden wir nicht alle von Zeit zu Zeit von ihnen eingeholt – von den Geistern unserer Vergangenheit?

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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