Auf der Gehaltsliste der IHK?

Peter Althausen kritisiert die Kritik von Unternehmen an jugendlichen Bewerbern

thor Herdorf. Eigentlich war Peter Althausen am Freitagabend bei der Jubilarehrung im Knappensaal bester Dinge, hatte er doch gerade eine mehrtägige Revision der IG-Metall-Verwaltungsstelle in Betzdorf ohne die kleinste Beanstandung hinter sich gebracht. Wer den Bevollmächtigten näher kennt, hatte allerdings nicht wirklich damit gerechnet, dass sich in Althausens Rede vor den gestandenen Gewerkschaftern alles um »Friede, Freude, Eierkuchen« dreht. Ganz im Gegenteil: Die so glänzend bestandene Prüfung schien die ohnehin stark ausgeprägte Kampfeslust des Funktionärs noch beflügelt zu haben, legte er doch einmal mehr schonungslos den Finger in die von der IG Metall entdeckten Wunden.

Herzog-Kommission: Riss statt Ruck

So zeigte sich Althausen erstaunt über die scharfe Kritik an den Rentenplänen der Bundesregierung, hatte er doch den »Aufschrei« schon viel früher erwartet. Genauer gesagt: als die Herzog-Kommission ihre Vorschläge auf den Tisch gelegt hatte – Stichwort »Kopfprämie«. Der bekennende Christdemokrat: »Wenn irgend jemand anders das vorgeschlagen hätte, wäre das purer Sozialismus gewesen.« Diese Reformansätze bedeuteten für ihn – damit war er sich mit Norbert Blüm einig – den »Ausstieg aus Solidarität und Partnerschaft«. »Wenn das tatsächlich die Botschaft ist, steht Herzog nicht mehr für den Ruck, der durch Deutschland gehen soll, sondern für das Menetekel des Risses, der durch unsere Gesellschaft geht.«

Deshalb dürfe man sich als IG Metall nicht zurücklehnen und an bessere Zeiten denken, sagte Althausen zu den Jubilaren. Den Menschen müsse gezeigt werden, dass man ihre Interessen vertrete und auch Alternativen anbiete. Und eine solche Alternative ist für den Betzdorfer Bevollmächtigten auch die Ausbildungsplatzabgabe. Er sei das Schwarze-Peter-Spiel der Unternehmen und Wirtschaftsverbände leid, die sich in diesen Zeiten mit dem Verweis auf die schlechte Qualifikation der Bewerber vor Ausbildung drücken würden.

So sei auch kürzlich beim Besuch von Ministerpräsident Kurt Beck bei Faurecia über die Schulabgänger geklagt worden. Werkleiter Eckhard Keese habe erklärt, dass man aus diesem Grund nicht alle 24 Lehrstellen habe besetzen können. Die SZ hatte bereits damals über die Empörung bei Althausen berichtet, und am Freitag setzte dieser noch einen drauf: »Entweder hat sich der Herr Keese an dieser Stelle auf die Gehaltsliste der IHK setzen lassen, oder aber sein Unternehmen hat einen derart miserablen Ruf, dass sich dort keiner bewerben will!« Hier werde sich vor der Verantwortung gedrückt, den geburtenstärksten Jahrgang ins Arbeitsleben einzugliedern, so der Gewerkschafter: »Wenn man sagt, dass die Jugendlichen selbst schuld sind, dann muss man wirklich bei der IHK beschäftigt sein.«

Rente mit 65 muss bleiben

Von der Ausbildung kehrte Althausen anschließend nochmals zur Rente zurück. Da werde heute über ein Renteneintrittsalter von 67 diskutiert, während gleichzeitig die über 50-Jährigen aus den Betrieben gedrängt würden. Die Forderung der IG Metall sei ganz klar: »65 muss die Grenze bleiben – alles andere widerspricht der Wirklichkeit.« Dabei gelte es, unterschiedliche Wege in die Renten zu öffnen. Und wer 45 Versicherungsjahre hinter sich gebracht habe, der sollte auch mit 60 weiterhin ohne Abschläge in den Ruhestand eintreten können, forderte Althausen.

Die Jubilare, die vor 40 und 50 Jahren zur IG Metall gestoßen waren, erinnerte der Bevollmächtigte daran, dass es damals selbstverständlich war, in die Gewerkschaft zu gehen und auch dort zu bleiben. »Wir werden gefürchtet«, zitierte Althausen den ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden der Fa. Schrupp aus Alsdorf, Josef Stark. Heutzutage habe man als IG Metall Probleme hinsichtlich neuer Mitglieder, auch weil mittlerweile fast jeder um seinen Arbeitsplatz fürchte. Dennoch sieht Althausen darin eine Chance, denn: »Das macht uns nicht unbedingt kampfstärker, aber dafür um so wichtiger.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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