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Zwölf Stolpersteine in Herdorf
"Auf grausamste Art ermordet"

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung verlegte Künstler Gunter Demnig die Stolpersteine in Herdorf, gleicht acht davon (plus Kopfstein) an der Hellerstraße.
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  • Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung verlegte Künstler Gunter Demnig die Stolpersteine in Herdorf, gleicht acht davon (plus Kopfstein) an der Hellerstraße.
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thor Herdorf. Es ist so eine Sache mit der Erinnerungskultur in Herdorf. Zwar wird gerne auf die alte Hütten- und Bergbautradition an der Heller verwiesen, darüber stolpern wird man beim Rundgang durchs Städtchen aber nicht. Vieles, zu vieles, ist verschwunden, um diesen Teil der Geschichte bei jüngeren Generationen tatsächlich im Bewusstsein zu verankern.
Zwölf Stolpersteine verlegtUnd doch kann, darf und muss ab sofort in Herdorf gestrauchelt werden – auch wenn es sich dabei um ein düsteres Kapitel der Vergangenheit handelt. Am Mittwochnachmittag wurden unter großer Anteilnahme der Bevölkerung an vier Stellen in der Stadt insgesamt zwölf Stolpersteine zum Gedenken an Opfer der sogenannten Euthanasie während der NS-Barbarei verlegt.

thor Herdorf. Es ist so eine Sache mit der Erinnerungskultur in Herdorf. Zwar wird gerne auf die alte Hütten- und Bergbautradition an der Heller verwiesen, darüber stolpern wird man beim Rundgang durchs Städtchen aber nicht. Vieles, zu vieles, ist verschwunden, um diesen Teil der Geschichte bei jüngeren Generationen tatsächlich im Bewusstsein zu verankern.

Zwölf Stolpersteine verlegt

Und doch kann, darf und muss ab sofort in Herdorf gestrauchelt werden – auch wenn es sich dabei um ein düsteres Kapitel der Vergangenheit handelt. Am Mittwochnachmittag wurden unter großer Anteilnahme der Bevölkerung an vier Stellen in der Stadt insgesamt zwölf Stolpersteine zum Gedenken an Opfer der sogenannten Euthanasie während der NS-Barbarei verlegt. Dafür war eigens Gunter Demnig, der das Konzept der Stolpersteine vor Jahren entwickelt hat, angereist. Der Künstler erwies sich zwar vor Ort als äußerst wortkarg, dafür sind seine Pflaster-Fähigkeiten über alle Zweifel erhaben. Es sind gewissermaßen in Gold gehaltene Aufforderungen zum Innehalten inmitten eines grauen Umfelds.
Der Auftakt erfolgte an Hellerstraße, dem früheren Wohnort der Familie Dendel, die besonders unter den Nazis zu leiden hatte. Wie berichtet, wurden vier von acht Geschwistern ermordet, zudem noch eine Tante. Weitere Familienmitglieder wurden zwangssterilisiert.

Bergbau-Experte stieß auf tragitsche Geschichte

Dass sich Herdorf und die gesamte Region an ihr Schicksal und das anderer Leidensgenossen nun erinnern können, ist Carsten Trojan zu verdanken. Der heimische Bergbau-Experte war bei seinen regelmäßigen Archiv-Erkundungen zur Montangeschichte eher zufällig auf die Krankenakte von Paula Dendel gestoßen, die 1940 umgebracht worden war. Der Forschergeist von Trojan war geweckt, und so stieß er schließlich auf immer mehr Grausamkeiten.
Dass die Unterstützung des Stadtrats auf dem Weg zur Realisierung der Stolpersteine selbstverständlich war, machte Stadtbürgermeister Uwe Erner deutlich: Man sei „sehr berührt“ gewesen, als Trojan über das Schicksal der Menschen und Familien berichtet habe. Für seine Recherchen gebühre ihm großer Dank. „Es ist richtig, die Stolpersteine aufzustellen und daraus zu lernen“, sagte Erner, der sich über die Teilnahme vieler Jugendlicher freute. Die Gemeindereferenten Michael Utsch (ev. Kirchengemeinde) und Jeffrey Merker (kath. Kirchengemeinden) hatten das Thema in Gruppenstunden besprochen. Die Jugendlichen berichteten an Ort und Stelle, welches Leid mit welchem Namen verbunden ist.

"Auf grausamste Art ermordet"

„Wir erinnern an Menschen, die auf grausamste Art ermordet oder zwangssterilisiert wurden“, betonte Trojan. All das habe auf Verschwörungstheorien und einer rassistischen Weltanschauung basiert – was der Initiator auch als Überleitung in die Jetzt-Zeit verstanden wissen wollte. „Es zeigt, dass eine aufgeklärte Gesellschaft sehr labil und zerbrechlich sein kann.“ Trojan würde sich jedenfalls freuen, wenn mit den Herdorfer Stolpersteinen ein Anstoß für weitere Aktionen in der Region gegeben wird. Er selbst ist weiter in den Archiven unterwegs und hat abseits der klassischen Siegerländer Bergbau-Themen noch weitere dunklere Spuren entdeckt.
Nach der Hellerstraße ging es zum Spielplatz an der „Alten Hütte“, wo einst Johanna Eckhoff lebte. An der Schneiderstraße erinnert nun ein Stolperstein an Marie Daub, ein weiterer am Buchenhang an August Klemens Heun. Umrahmt wurde die Verlegung der kleinen Denkmale vom Musikverein Dermbach.

Weiterer Stolperstein folgt

Künstler Gunter Demnig wird übrigens in wenigen Monaten erneut zu Gast im AK-Land sein. Auf Betreiben des Heimatvereins Kirchen wird er einen Stolperstein im Gedenken an Justus Kraemer einbauen, der 1943 in der Heil- und Pflegeanstalt Hausen verhungerte. Auch dort heißt es dann: stolpern, schauen und erinnern.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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