Bis zum letzten Vorhang

Clifford Anderson (Andreas Werth, l.) und Sidney Bruhl (Ulli Kinalzik) glauben, den perfekten Mord durchgeführt zu haben.  Foto: mom
  • Clifford Anderson (Andreas Werth, l.) und Sidney Bruhl (Ulli Kinalzik) glauben, den perfekten Mord durchgeführt zu haben. Foto: mom
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mom Herdorf. Einen sehr spannenden und unterhaltsamen Krimiabend erlebten die zahlreichen Zuschauer am Freitagabend im Herdorfer Hüttenhaus. Die Bühne Komödie am Altstadtmarkt aus Braunschweig gastierte mit dem Thriller „Todesfalle“ auf Einladung des Kulturrings Herdorf im Städtchen und sorgte erneut für einen beachtlichen Kulturbeitrag in der Region zwischen Heller und Sieg.

Ira Levin, der Autor von „Rosemaries Baby“ und „Sliver“, schuf das erfolgreiche Kriminalstück, das am Broadway von 1978 bis 1982 zu sehen war und dann mit Michael Caine und Christopher Reeve in den Hauptrollen verfilmt wurde. Das Stück lebt von den vielen unerwarteten Wendungen, die vom routinierten Ensemble auch auf der Herdorfer Bühne hervorragend umgesetzt wurden, so dass Spannung bis zum letzten Moment garantiert war; die perfekt platzierte Musik sowie gezielte humorvolle Dialoge taten ihr Übriges zum Gelingen der Aufführung.

Die Story ist außergewöhnlich, denn der Zuschauer erlebt ein Bühnenstück, dessen Entstehung selbst der Inhalt der Handlung ist. Alles beginnt mit einer Schreibblockade: Der einst erfolgreiche Autor Sidney Bruhl (Ulli Kinalzik) steht unter Druck, das Vermögen seiner Frau, von dem man in den vergangenen Jahren gelebt hat, geht zur Neige. Aber ihm fällt nichts wirklich Gutes ein. Da flattert ihm das Erstlingswerk eines Schreibschülers (Andreas Werth) auf den Tisch, der gerne vom großen Vorbild vorab eine Meinung hören will. Das Stück ist brillant, erkennt Sidney. Es könnte Millionen bringen. Zu dumm nur, dass der Autor Clifford Anderson und nicht Sidney Bruhl heißt. Aber was wäre, wenn man den jungen, unbekannten Nachwuchsautor ermorden und das Stück unter dem eigenen Namen herausbringen würde?

Sidneys Frau Myra (Katrin Schönermark) ist schockiert von dem Gedanken. Trotzdem wird der junge Mann ins Haus eingeladen, und wie in einem plötzlichen Wahn erdrosselt Sidney tatsächlich den Jungautor, vergräbt die Leiche im Garten und eignet sich das Manuskript samt einziger Kopie an.

Myra droht mit Trennung, aber noch während die beiden streiten, erscheint der Totgeglaubte plötzlich und rächt sich an seinem „Mörder“, woraufhin Myra einen tödlichen Herzanfall erleidet. Und Sidney – plötzlich wieder springlebendig – gratuliert sich und Clifford zum gelungenen perfekten Mord an der Ehefrau, deren restliches Vermögen nun an Sidney fällt. Einzig die lebenserfahrene und dazu noch tatsächlich hellseherisch begabte Nachbarin Gizi Barna (Beatrice Fago) ist der Wahrheit auf der Spur, als Clifford den letztlich für ihn tödlichen Fehler begeht, den soeben verübten Mord in einem Bühnenstück der Öffentlichkeit präsentieren zu wollen.Sidney, stolzer Besitzer einer umfangreichen Sammlung historischer Waffen, greift zu Pfeil und Bogen, doch noch im Sterben kann Clifford auch seinen – jetzt wahrhaftigen – Mörder zu Strecke bringen. Bleiben schließlich nur noch Gizi und der Nachlassverwalter von Sidney, der, während Gizi den gesamten Mordkomplott hellseherisch vor ihm ausbreitet, plötzlich die Idee hat, dass man daraus ein gewinnbringendes Buch machen könne.Es kommt, wie es kommen muss: Die beiden geraten in Streit über die Rechte an dem Reichtum versprechenden Stoff und greifen gleichzeitig zur Waffe – in Sidneys Haus gibt es da ja genügend Auswahl. Am Ende sind also alle Protagonisten tot. Schade, dann bleibt das wirklich gute und sehr originelle Kriminalstück wohl leider ungeschrieben und wird nie auf einer Bühne zu sehen sein …

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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