"Fridays for Future" im Kleinen
Chinesische Nudeln im Wald

Jede Menge Müll haben Paula Schlosser aus Betzdorf, Mia Schnüttgen aus Freudenberg und Naya Eichhorn aus Alsdorf (v. l.) im Wald und an der Heller gesammelt. Den wollen die Freundinnen nun fachgerecht entsorgen.
3Bilder
  • Jede Menge Müll haben Paula Schlosser aus Betzdorf, Mia Schnüttgen aus Freudenberg und Naya Eichhorn aus Alsdorf (v. l.) im Wald und an der Heller gesammelt. Den wollen die Freundinnen nun fachgerecht entsorgen.
  • Foto: dach
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Sassenroth. „Wer isst denn schon im Wald chinesische Nudeln?“ So richtig nachvollziehen, warum die Kunststoffverpackung dieser Fertigmahlzeit zwischen Fichten und Buchen herumliegt, kann Naya Eichhorn nicht. Und auch ihr Verständnis dafür, dass hier, im Wald oberhalb von Sassenroth und unten an der Heller, Gewebenetze, Plastikflaschen und -tüten herumliegen, hält sich ebenfalls sehr in Grenzen.

Ganz ähnlich ist das bei Paula Schlosser und Mia Schnüttgen. Die drei Freundinnen haben gestern und vorgestern wertvolle Sommerferienzeit geopfert, um Müll zu sammeln. In Zeiten von „Fridays for Future“ tritt eben das Verantwortungsgefühl der jungen Generation für die Umwelt vor Ort und für die Erde als solche immer deutlicher zutage.

Das Klima, derzeit das vielleicht größte gesellschaftspolitische Thema, ist zwar bei den drei Zwölfjährigen noch nicht allzu sehr ins Bewusstsein gerückt, dafür ein anderes umso mehr: Plastik. Hier sind die Auswirkungen nicht ganz so abstrakt, im Gegenteil. Sie sind umso deutlicher.

Bezahlt gemacht hat sich im Fall der drei Gymnasiastinnen der Unterricht im Fach Naturwissenschaften. „Wir hatten das Thema Plastik in der Schule“, berichtet Naya, die mit ihrer Familie in Alsdorf lebt. Lehrer Andreas Krämer habe mit ihnen nicht nur einige Experimente zum Thema durchgeführt, sondern auch gesagt, sie, also die Schüler, könnten doch auch mal Abfall auflesen.

In Videos habe der Lehrer ihnen unter anderem vorgeführt, wie man Plastikteile in den Eingeweiden von toten Vögeln gefunden habe. „Uns hat erschreckt, wie die Welt jetzt schon aussieht“, so Mia aus Freudenberg. Damit es nicht noch schlimmer wird, wollten sie selbst etwas tun: „Nur sagen hilft nichts, man muss auch was machen.“

Überrascht waren die Mädchen von dem, was sie bei ihrer Aktion so alles gefunden haben: Schmutzfänger eines Lkw, einen alten Mopedsattel, Teile eines Wasserhahns, Bonbonpapiere, Dosen, Kabel und weiteren Unrat. „Und einen großen Teppich“, sagt Mia, „den haben wir aber nicht rausbekommen, der war schon zugewachsen.“ Ach ja, und eine Strickjacke. „Die ist von H&M“, sagt Paula aus Betzdorf mit einem Blick aufs Etikett, leicht kichernd.

Aber nicht nur die großen Teile sind problematisch: Bei einem Schulversuch wurde Hautcreme so gefiltert, dass am Ende das enthaltene Mikroplastik zum Vorschein kam. „Das war sandig und ganz hart“, erinnert sich Mia. Im Zusammenhang mit Kosmetik und Pflege geht Naya sogar noch einen Schritt weiter: „Wir nehmen kein Shampoo zuhause, sondern Roggenmehl, um die Haare zu waschen.“ Wir, das sind in diesem Fall Naya selbst und ihre Mutter. Und der Papa? Ist noch nicht ganz davon überzeugt. „Der findet das eklig“, sagt Naya, die das wiederum witzig findet.

Auch die anderen beiden Mädchen gehen im Alltag bewusst mit dem Thema um. Mia hat beispielsweise eine Haar- und eine Zahnbürste aus Bambus. Und Paula sagt: „Wir versuchen beim Einkaufen darauf zu achten, Sachen mit wenig Verpackung zu nehmen. Beim Obst und Gemüse nutzen wir Netze.“

Und dann haben die drei auch noch ganz praktische Tipps, um der Umwelt auch im ganz Kleinen zu helfen. Schwarze Shampooflaschen seien kaum wiederverwertbar. Besser also zu Shampoos in hellen Flaschen greifen. Und: Stets den Aludeckel vom Joghurtbecher abziehen. „Sonst kann das nicht recycelt werden“, weiß Paula.

Verknüpft haben die drei Mädchen ihren Umwelteinsatz übrigens mit einer Abenteuerübernachtung in der Jagdhütte von Paula Schlossers Opa im Sassenrother Wald. Und dabei haben sie selbst erlebt, welche Botenstoffe bei der Begegnung mit der Natur vom eigenen Körper ausgeschüttet werden: „Wir haben viele Rehe gesehen“, berichtet Mia durchaus begeistert. Paula präzisiert: „Und einen Bock.“ Und die suchen im Wald bestimmt alles: Knospen, Jungtriebe und Kräuter – aber weder chinesische Nudeln noch deren Plastikverpackung.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.