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Gaststättengenossenschaft gegründet
Comeback fürs „Christian’s“

Die elf Herdorfer Gaststättengenossen eröffnen am Samstag, 31. Januar, „Christian’s“.
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  • Die elf Herdorfer Gaststättengenossen eröffnen am Samstag, 31. Januar, „Christian’s“.
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dach Herdorf. Eine Schnapsidee? War es mit Sicherheit. Dennoch eine interessante. Und so kommt es nun, dass die Herdorfer Gaststättengenossenschaft die altehrwürdige Kneipe „Christian’s“ wiedereröffnet.

Um die Geschichte der noch recht jungen Genossenschaft und deren Vorhaben zu erzählen, muss man zwangsläufig etwas ausholen. Und sie beginnt mit dem Gastronomie-Standort Herdorf, der viele Jahrzehnte lang ein besonderer war. Zu Spitzenzeiten habe es in Herdorf, Dermbach und Sassenroth um die 50 Kneipen gegeben, wissen die Genossen zu berichten.

Diese Zeit ist allerdings, auch das gehört zur Wahrheit, schon lange vorbei. Zuletzt konnte man den Begriff Kneipensterben auch im Zusammenhang mit dem Hellerstädtchen in den Mund nehmen.

dach Herdorf. Eine Schnapsidee? War es mit Sicherheit. Dennoch eine interessante. Und so kommt es nun, dass die Herdorfer Gaststättengenossenschaft die altehrwürdige Kneipe „Christian’s“ wiedereröffnet.

Um die Geschichte der noch recht jungen Genossenschaft und deren Vorhaben zu erzählen, muss man zwangsläufig etwas ausholen. Und sie beginnt mit dem Gastronomie-Standort Herdorf, der viele Jahrzehnte lang ein besonderer war. Zu Spitzenzeiten habe es in Herdorf, Dermbach und Sassenroth um die 50 Kneipen gegeben, wissen die Genossen zu berichten.

Diese Zeit ist allerdings, auch das gehört zur Wahrheit, schon lange vorbei. Zuletzt konnte man den Begriff Kneipensterben auch im Zusammenhang mit dem Hellerstädtchen in den Mund nehmen. Klassische Biergaststätten gibt es in Herdorf noch nicht einmal mehr eine Handvoll.

Mit dem plötzlichen Tod des „Christian’s“-Pächters im vergangenen Frühjahr verschwand dann eine weitere Traditionsgastronomie von der Bildfläche. Daraufhin hatte Eigentümer Alfred Schmidt einen Käufer für das Gebäude gesucht. Im Juli sei die Immobilie schließlich auf einschlägigen Kleinanzeigenportalen aufgetaucht, berichten die Genossen bei einem Pressegespräch. Bereits da sei die erste Idee entstanden: „Eigentlich müsste man das Ding kaufen“, habe man laut Rudolf Beichler eher im Flachs gesagt.

Dann aber fand Ende Juli das Parkfest statt – und aus der Schnapsidee wurde schnell ernst. Die Rumpftruppe der heutigen Genossen, gespeist aus SG und KG, kamen beim Frühschoppen von Hölzchen auf Stöckchen. Und nach einigen Bieren (und einem weiteren Treffen) war klar: Man möchte „Christian’s“ übernehmen.

Zunächst war der Plan allerdings, das Lokal zu pachten. Da spielte aber der Eigentümer nicht mit. Alfred Schmidt wollte verkaufen.

Derweil brachte der Steuerberater von Peter Bohl die Genossenschaft als adäquate Gesellschaftsform ins Spiel. Mit der Vorstellung, dass diese Genossenschaft sein Haus kauft, habe sich auch Alfred Schmidt anfreunden können, zumal „Christian’s“ damit eine Gaststätte bleiben würde. „Das war ihm eine Herzensangelegenheit“, so Peter Bohl.

Am 24. September wurde die Genossenschaft aus der Taufe gehoben. Am 10. Oktober habe dann der Notarvertrag im Briefkasten gelegen – und einen Tag später sei Alfred Schmidt verstorben.

„Wir wollten eigentlich Ende November starten“, berichtet Peter Bohl, mittlerweile neben Thomas Otterbach und Rudolf Beichler einer der Vorsitzenden der Genossenschaft. Nun musste der Verkauf aber erst einmal mit Schmidts Witwe abgewickelt werden. Es wurde schließlich Dezember, bis erneut ein Termin mit einem Notar stattfand.

Doch wie geht es nun weiter? Nun, die Kneipe an sich soll ihren Charakter behalten. „Das stand nie zur Diskussion“, hieß es beim Pressegespräch. Bis auf neue Heizkörper, neue Polster auf Stühlen und Bänken sowie rote Farbe an eine der Wände hat sich nichts geändert. Von donnerstags bis sonntags soll hier ab 17 Uhr die Tür aufgehen. Zu besonderen Anlässen – schließlich steht die fünfte Jahreszeit vor der Tür – kann es auch Ausnahmen geben. Und auch ist nicht auszuschließen, dass es zumindest einmal im Monat samstagsvormittags wieder den traditionellen Handwerkerball geben wird.

Der Saal – frisch renoviert – wird dann geöffnet, wenn es angebracht ist, wenn also mehr Gäste kommen, als in die Kneipe passen. Zudem gibt es die Möglichkeit, Familienfeiern oder auch einen Beerdigungskaffee hier abzuhalten. Im Frühjahr soll dann auch der Biergarten – nach entsprechenden Verschönerungsmaßnahmen – in Betrieb gehen. Die Küche bleibt derweil kalt, es stehen allerdings zwei Catering-Unternehmen bereit.

Die Genossenschaft umfasst derzeit elf Mitglieder mit 86 Anteilen, jeder mit demselben Stimmrecht. 60 Stunden jährlich, so ist es in der Satzung festgeschrieben, muss jeder mindestens für die Genossenschaft arbeiten, und zwar unentgeltlich. Theoretisch könnten weitere Genossen hinzukommen, darüber würde dann in einer Versammlung abgestimmt.

Zwar mussten mit der Genossenschaft einige formale Hürden mehr übersprungen werden, als es etwa bei einer GmbH gewesen wären. Aber beispielsweise die Haftungsfrage steht auf der Habenseite: Jeder Genosse steht nur mit dem Geld „im Wort“, dass er in seine Anteile investiert hat. Ein weiterer Clou der Genossenschaft als Gesellschaftsform: „Wir sind sehr flexibel“, so Otterbach. Man könnte genauso weitere Kneipen unter seine Fittiche nehmen wie auch andere Geschäftsfelder besetzen. Das wird sogar schon bald der Fall sein. Über dem Saal, der in den 1960er Jahren angebaut worden war, befindet sich ebenso eine Wohnung wie über der „alten“ Kneipe. Während die Räume im ursprünglichen Haus als Rückzugsort für die Genossen dienen sollen, will man die Wohnung im Anbau mittelfristig vermieten.

Die HGG betont aber auch: „Wir machen das nicht, um uns zu bereichern“, so Otterbach. Die kommenden fünf bis zehn Jahre werde man aufgrund der Investitionen sicherlich sowieso keinen Gewinn machen. Die Devise laute vielmehr „von Herdorfern, für Herdorfer“, so Rudolf Beichler. Und: „Wir wollen das, was geht, auch aus Herdorf beziehen“, sagt Dennis Dapprich. Und so ist die Genossenschaft weder über Check24 versichert, noch wird das Bier über Großhändler aus dem Rheinland oder dem Ruhrgebiet bezogen.

Apropos Bier: Auch hier setzt man auf Heimat, und zwar auf die Abfüllanlage, die Herdorf geografisch am nächsten kommt. Daher fließt im „Christian’s“ auch künftig Erzquell Pils aus Niederschelderhütte aus dem Zapfhahn.

Die Genossen sind jedenfalls optimistisch, dass es klappt, mit dem alten, neuen „Christian’s“. Peter Bohl: „Das soll wieder eine Erlebniskneipe werden.“ Und die Vorfreude scheint groß zu sein. Thomas Otterbach, nicht nur Genosse, sondern im Hauptberuf Apotheker im Ort, sagt: „Ich werde zehn bis fünfzehn Mal am Tag gefragt, wann wir endlich aufmachen.“ Ganz einfach: Am Freitag, 31. Januar, um 19 Uhr. 

Wer im „Christian’s“ eine Feier ausrichten möchte, meldet sich bei Genossin und „Chefwirtin“ Michaela Wisser unter Tel. (01 60) 7 74 62 10.

Die elf Herdorfer Gaststättengenossen eröffnen am Samstag, 31. Januar, „Christian’s“.
Die Gaststätte Christian’s liegt im Herzen von Herdorf, an der Ecke Körnerstraße/Am Marktplatz. Archivfoto: ruth
Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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