Der Charakter der Hyazinthe ist lebhaft und temporeich

Wie klingen Mähmaschine und Hyazinthe? Mezzosopranistin Alexandra Paulmichl besang beides im „Naturklänge“-Konzert im Herdorfer Hüttenhaus.  Foto: suk
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suk Herdorf. Ein Wiedersehen mit zwei großartigen Musikern gab es am Freitag im Hüttenhaus. Auf Einladung der Kulturfreunde Herdorf gastierten der Geiger Daniel Gaede und der Klarinettist Ulf Rodenhäuser, gemeinsam mit talentierten Stipendiaten der Landesstiftung Villa Musica, in der guten Stube des Hellerstädtchens. Daniel Gaede war vor 19 Jahren bereits zu Gast in Herdorf. Damals stand der heute 43-jährige am Anfang einer großen Karriere, die ihn unter anderem in die Carnegie Hall nach New York und die Royal Albert Hall nach London geführt hat. Mit 28 Jahren wurde er Konzertmeister bei den Wiener Philharmonikern. Er arbeitete mit Dirigenten wie Claudio Abbado und Riccardo Muti und machte neben zahlreichen CD-Einspielungen Aufnahmen für alle großen deutschen Rundfunkhäuser. Mit seinem brillanten Spiel sorgte er am Freitag für große Begeisterung bei den Konzertbesuchern.

Gemeinsam mit den Nachwuchsmusikerinnen Anna Sophie Dauenhauer (Violine) und Anne Thormann (Viola) spielte Gaede das Terzett op. 74 von Antonin Dvorak zum Auftakt dieses facettenreichen Konzertes, das unter dem Leitthema „Naturklänge“ stand. Der große tschechische Romantiker hat hier, wie in vielen seiner Werke, die Naturschönheit seiner böhmischen Heimat in Töne gefasst. Das gehörte Terzett ist ein liebenswürdiges Zeugnis für Dvoraks lustvollen Umgang mit den Streicherklängen, ihren Bogen-, Pizzicato- und Doppelgriffkünsten. Die drei Künstler auf der Hüttenhausbühne setzen dies bravourös und mit großer Leidenschaft um. Daniel Gaede und die beiden jungen Stipendiatinnen sorgten mit diesem beschwingten Werk voller betörender Klangfarben für einen furiosen Auftakt.

Eine eigenwillige Art der Naturklänge erwartete die Zuhörer mit den beiden Zyklen des französischen Komponisten Darius Milhaud, die er 1920 komponierte. Milhaud gehörte zu der jungen Künstlergruppe „Groupe des Six“ im Paris der Zwischenkriegszeit, die nach dem Ersten Weltkrieg der monumentalen Sinfonik und der Gefühlsästhetik des Impressionismus die Gefolgschaft aufkündigte.

Der Komponist schrieb Musik für eine Singstimme und Instrumente auf einer ungewöhnlichen Textvorlage. Zum einen nahm er fingierte, von einem Dichterfreund entworfene Katalogtexte eines Blumengeschäfts zur Hand und vertonte die Anpreisung diverser Blumen, und zum anderen bediente er sich eines Kataloges für Landmaschinen.

Die Mezzosopranistin Alexandra Paulmichl besang in französischer Sprache die „Machines Agricoles“. Mähmaschine, Samendrillmaschine, Heuwender und Co. erhielten so jeder einen musikalischen Charakter, den die Solistin mit ihrer ausdrucksstarken Stimme umsetzte.Gleiches galt für den Blumenkatalog. Dieser zauberte einen Hauch von Frühlingsstimmung ins Hüttenhaus. Wer sich sonst an der visuellen Schönheit der blühenden Pracht erfreut, der weiß jetzt auch, dass die Hyazinthe eher lebhaft und temporeich klingt, der Krokus dagegen getragen, fast melancholisch beschaffen ist und das blaue Gänseblümchen einen prägnanten Rhythmus hat, während die Steppenlilie klanglich sehr majestätisch wirkte. Begleitet wurde die hervorragend agierende Solistin dabei von einer Violine (Anna Sophia Dauenhauer), Viola (Malte Koch), Cello (Fritjof von Gagern), Kontrabass (Stefan Rauh), Fagott (Sebastian Mangold), Klarinette (Ulf Rodenhäuser) und Flöte (Stephanie Wilbert).Hauptwerk des Abends war das Septett in Es-Dur op. 20 von Beethoven. Mit diesem Werk hat sich Beethoven 1799 in Wien den Weg zur ersten Sinfonie gebahnt. Die sechs Sätze des bekannten Werkes sind teils sinfonisch anspruchsvoll, teils unterhaltsam und brillant angelegt. Vier Streicher und drei Bläser in Form von Fagott, Klarinette und Horn (David Bond) verschmolzen hier zu einer homogenen Einheit, in der jedes Instrument gleichsam von Bedeutung war. Aus ihrem sich ständig wandelnden kammermusikalischen Dialog entstand eine fast sinfonische Klangfülle. Dozenten und Stipendiaten ergänzten sich dabei auf erstklassige Weise und vermittelten große Spielfreude, für die ihnen langanhaltender Applaus des Publikums am Ende dieses schönen „Naturklänge“-Konzertes sicher war.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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