Aus Holz Kohle gemacht
Der Meiler von der „Orsewiss“

Die zweite Schicht ist „Meilererde“, also Kohlenstaub aus den vergangenen Jahren. Beim Entfachen wird mit einem Zinkeimer immer wieder Glut in den Kamin geschüttet.
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  • Die zweite Schicht ist „Meilererde“, also Kohlenstaub aus den vergangenen Jahren. Beim Entfachen wird mit einem Zinkeimer immer wieder Glut in den Kamin geschüttet.
  • Foto: Guido Kettner
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Dermbach. Die Pointe kommt – wie es sich gehört – am Ende: „Ich kann mit Holzkohle gar nicht grillen“, sagt Andreas Bohl beim Besuch der SZ gestern Nachmittag. „Die wird mir immer zu heiß.“

Der „Oberköhler“ von Dermbach greift lieber zu Buchenholz, um seiner Grillwurst die nötige Bräunung zu verschaffen. Dabei hat er das „schwarze Gold“ säckeweise in einer ehemaligen Scheune gleich neben seinem Wohnhaus an der Lambertstraße Numero 22 liegen. Und: Er hat die Kohle mit seinen Mitstreitern selbst hergestellt. Im eigenen Meiler.

Doch der Reihe nach: Am Samstag vor Pfingsten kamen die Meilerfreunde des Dermbacher Heimatvereins „Concordia“ zusammen, und zwar am Meilerplatz auf der „Orsewiss“, der alten Ochsenwiese. Hier machten sie das, was Meilerfreunde nun einmal tun: Sie machten sich daran, aus Holz Kohle werden zu lassen.

20 bis 25 Raummeter Mischholz – Eiche, Birke, Buche und Haselnuss – haben die rund ein Dutzend Männer dafür zu dem idyllischen Plätzchen oberhalb von „Haus Concordia“ gekarrt, ein Jahr gelagert und bereits in Meterstücke gesägt.

Dann folgte das Procedere, das jedes Mal dasselbe ist: Zu Beginn wird eine Art Kamin aus Holz aufgestellt, gehalten von einem Eisenring. Um diesen Kamin herum wird solange Holz „angelehnt“, bis die mit Ziegeln ausgelegte Grundfläche „voll“ ist. Möglichst gleichmäßig. Dann folgt ein weiterer Kamin, noch mehr Holz. Obendrauf wird mit kleineren Stücken eine Kuppel gelegt, sodass der Meiler am Ende etwa zweieinhalb Meter hoch ist.

Jetzt kommt ein alter Ballen Tierfutter ins Spiel: Silage, angetrocknet einlagertes Heu, wird über dem Holz flächig verteilt. Danach kommt „Meilererde“ darüber, zum Großteil bestehend aus Kohlenstaub der vergangenen Produktionen. Alles mit der Schaufel schön festklopfen, fertig. Denn das Wichtigste ist bei all der Mühe laut Bohl: „Die Außenhaut muss dicht sein.“

Vier Tage später haben die Männer – darunter durchaus einige jüngeren „Baujahrs“ – den Meiler entfacht. Dazu wird mit einem Zinkeimer immer wieder Glut in dem Kamin gekippt, außerdem trockenes Holz. Am Ende kommt ein Eisendeckel oben drauf. Drei Tage Ruhe lautet nun die Devise. Erst danach wird im Meiler jeden Tag herumgestochert, allerdings gezielt.

Ganz oben fangen die Männer an. Kommt weißer Rauch, ist Wasserdampf, also Feuchtigkeit, im Spiel. Steigt bläulicher Rauch auf, ist die Kohle fertig – zumindest in dieser Schicht. Das Vorgehen wird täglich wiederholt, bis die Meilerfreunde schließlich unten angekommen sind. Jetzt sollte überall aus dem Holz Kohle geworden sein. In diesem Fall hat es über drei Wochen gedauert.

Was so einfach klingt, ist vor allem mit Disziplin verbunden. Alle drei Stunden kommt einer der Meilerfreunde vorbei (streng nach „Dienstplan“) und schaut nach dem Rechten. Bewässern (aus dem wieder geöffneten Stollen „Altes Salz“) schadet nicht – und Klopfen ist oberste Köhlerpflicht. Das angekokelte Material soll immer schön dicht beisammen bleiben. „Am Ende steht der Meiler da wie ein alter Hut“, so Bohl.

Der große Moment ist das „Aufmachen“, wie sie in Dermbach sagen. Das ist am vergangenen Samstag passiert. Dann wird die Abdeckung entfernt, die Kohle „geerntet“. Zunächst wird wieder die grobe „Meilererde“ fürs nächste Mal beiseitegeschafft. Das feine Material wird von der Kohle getrennt, indem die Männer alles durch ein großes Sieb schaufeln. Das Endprodukt wird auf Blechen liegend gewässert und nach dem Trocknen in die Schutzhütte am Meilerplatz geschippt.

Hier folgt der letzte Schritt. „Absacken“ nennen es die Dermbacher, also das Verpacken der Kohle in haushaltsübliche Portionen. Das steht bei der aktuellen Produktion noch aus.

Vorreiter der Kohleherstellung in Dermbach sei sein Vetter Karl Bohl gewesen, erzählt Andreas Bohl. Der habe bereits vor über 40 Jahren immer mal wieder einen Meiler betrieben. „Da hab’ ich als Schuljunge schon geholfen.“ Später habe er gemeinsam mit seinem damaligen Nachbarn Achim Reeh, mittlerweile Ortsbürgermeister in Mauden, die Hobby-Köhlerei übernommen. Seit einigen Jahren bereits ist es nun Sache der Meilerfreunde innerhalb des Heimatvereins, an den auch die Einnahmen aus dem Kohleverkauf gehen.

Aber was macht denn jetzt die „Orsewisser Holzkohle“ so besonders? Es handele sich stets und ausschließlich um Laubholz, sagt Andreas Bohl. Es werde auch kein Restholz, etwa alte Jägerzäune oder Dachlatten, untergemischt. Und klar: „Es ist auch kein Tropenholz. Es ist immer Holz aus Dermbach.“

Und dann ist da noch die Hitze, mit der Bohl laut eigener Aussage ja nicht so gut zurechtkommt, die allerdings jeder ambitionierte Griller gerade gerne hat. „Mit der Holzkohle aus Dermbach, wird gesagt, kann man sogar schmieden.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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