Die ewige Nacht ist bald vorüber

„Glück auf” im „Hüttenwäldchen”-Stollen

Nach einigen Jahren der Arbeit im alten Bergwerk: Mineralien- und Bergbaufreunde Herdorf haben grünes Licht für Ausbau zum Schaubergwerk

Dermbach. Es ist still im „Hüttenwäldchen”-Stollen, still und dunkel. Ewige Nacht, seit die Erzförderung vor fast 100 Jahren eingestellt wurde. Bald aber wird das Getuschel von Schulkindern die Stille durchbrechen, und Scheinwerfer werden Licht ins Dunkel bringen: Die Mineralien- und Bergbaufreunde wollen der Bergbau-Ruine wieder Leben einhauchen und den „Hüttenwäldchen”-Stollen zu einem Schaubergwerk ausbauen. „Wir wollen die Bergbautradition wieder sichtbar machen”, erklärte Vereinsvorsitzender Dieter Prinz im SZ-Gespräch. Also habe der Verein den Entschluss getroffen, in der einstigen Bergbau-Stadt Herdorf an die beschwerliche Arbeit der Ahnen zu erinnern. Der Bergbau war einst die wichtigste Industrie im Hellertal. Kaum eine Familie, die ihr Brot nicht dem Eisenerz zu verdanken hatte. Grube „Wolf”, Grube „Bollnbach” oder der „Königsstollen” – alles klangvolle Namen, die an eine große Bergbau-Tradition erinnern. Zu sehen ist davon nicht mehr viel: ein paar Halden im Wald, längst von Gras überwuchert; ein paar eingefallene Stollen-Mundlöcher. Der letzte Förderturm im Hellertal, der der Grube „Wolf”, thronte noch bis in die 70er Jahre über dem Städtchen. Dann fehlten die Gelder, um den Koloss weiter unterhalten zu können. Das letzte echte Wahrzeichen wurde abgerissen.

Ein Schaubergwerk in Herdorf? Bislang Fehlanzeige. Und genau das wollen die Mineralien- und Bergbaufreunde ändern. Also haben sie vor ein paar Jahren „Herdorfs Unterwelt” besichtigt. Unter fachkundiger Führung des ehemaligen Grubensteigers Horst Moritz haben die Herdorfer die Untertage-Welt der Gruben „Stahlert”, „Bollnbach” und „Hüttenwäldchen” erforscht. Nach langen Überlegungen stand für die Bergbau-Fans um Dieter Prinz fest: Das „Hüttenwäldchen” eignet sich als Schaubergwerk.

Denn obwohl der Stollen nicht besonders groß ist, bietet er doch eine ganz besondere Attraktion: einen Blindschacht, über den früher mittels einer unterirdisch angelegten Dampfmaschine gefördert wurde.

Das muss man sich so vorstellen: Nach rund 100 Metern geht der enge Stollen in den rund zehn Meter langen und vier Meter hohen Maschinenraum über. In dieser unterirdischen Halle sind noch deutlich die Fundamente der Dampfmaschine zu erkennen. Ein paar Meter weiter ist ein Schornstein zu sehen, der von der Stollensohle 70 Meter senkrecht nach oben führt und in einem Waldstück oberhalb des Stollens ans Tageslicht kommt. Über diesen Schornstein, der aus Ziegelsteinen gemauert ist, wurden früher die Abgase aus dem Stollen geleitet.

Den Grund, unterirdisch eine Dampfmaschine zu installieren, sieht man, wenn man einige Meter weiter geht. Im Boden klafft plötzlich ein vier mal vier Meter großes Loch: der Blindschacht. Über diesen Schacht haben die Alten mehrere Tiefbausohlen erreicht; die tiefste liegt 230 Meter unter der Stollensohle – und genau so tief ist damit auch der Schacht. Um den Förderkorb aus diesen Tiefen nach oben zu ziehen, bedurfte es der Kraft der Dampfmaschine. Auch für die Wasserhaltung war die Dampfmaschine unverzichtbar.

Heute steht der Schacht voll Wasser; es reicht bis drei Meter unter die Stollensohle. Dort ist im Schein der Taschenlampen schon die nächste Abbausohle zu erkennen. Richtige Abbauten sind auf der Stollensohle nicht zu entdecken. Einige verfüllte Nebenstrecken aber lassen vermuten, dass die Alten auf ihrer Suche nach dem Eisenerz dort fündig geworden sind.Teilweise sind noch die Spuren des Bohrmeißels zu erkennen; manche Passagen des Stollens dürften aber auch mühsam mit Hammer und Schlägel in den Berg getrieben worden sein.

Kurzum: Wer einen Einblick in den Siegerländer Bergbau gewinnen will, der ist im „Hüttenwäldchen” sicher an der richtigen Adresse. Noch aber ist es nicht soweit: Auf die Männer um Dieter Prinz kommt noch eine Menge Arbeit zu. Der Schacht muss aus sicherheitstechnischen Gründen mit Stahlträgern und Gittern abgedeckt werden; der Stollenboden muss noch weiter ausgeschachtet werden; lose Gesteinsplatten müssen noch aus der Firste gezogen werden; eine Beleuchtungsanlage muss eingebaut werden.

Viel zu tun also, und das, obwohl die Arbeiten schon seit Jahren laufen. Das Stollenmundloch war zerfallen – die Herdorfer haben es kunstvoll ausgebaut. Der Stollen lag voller Unrat, weil er im Krieg zum Luftschutz genutzt wurde – jetzt ist er aufgeräumt. Der Stollenboden war uneben – jetzt ist er auf weiten Teilen der Strecke plan. „Das waren einige hunter Stunden”, schätzt Dieter Prinz heute.

Lange aufgehalten wurden die Herdorfer übrigens vom Bergamt Koblenz. Das muss für den Ausbau zum Schaubergwerk grünes Licht geben. „Mittlerweile haben wir eine mündliche Zusage, dass wir weiter im Stollen arbeiten dürfen”, freut sich Prinz. Damit dürfte einem Schaubergwerk „Hüttenwäldchen” nichts mehr im Wege stehen. 2002 wollen die Mineralien- und Bergbaufreunde fertig sein, und dann erklingt im „Hüttenwäldchen” wieder ein längst vergessen geglaubter Gruß: „Glück auf!” damo

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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