Ein Villa-Musica-typisches Konzept umgesetzt

Programm mit selten gespielten Schubert-Werken und Kompositionen des 20. Jahrhunderts bei Kammermusikabend in Herdorf

-ck Herdorf. wenn die Kulturfreunde Herdorf zu einem Kammermusikabend in das Hüttenhaus einladen, dann wissen Freunde der Kultur und speziell der Musik, dass sie in ihren hochgespannten Erwartungen eines genussvollen Konzerts nicht enttäuscht werden. So auch am Freitagabend mit einem Bläserkonzert der reizvollen Kontraste, mit einem Villa-Musica-typischen Programmkonzept mit zwei selten gespielten Werken von Franz Schubert sowie Kompositionen des 20. Jahrhunderts, von Igor Strawinski und von dem Finnen Einojuhani Rautavaara.

Auch die ausführenden Bläser wiesen die charakteristische Villa-Musica-Mischung auf. Angeführt von Prof. Klaus Thunemann, angekündigt als »legendärer Fagottist und weltbester Interpret seines Instruments«, und dem in Herdorf bestens bekannten Prof. Ulf Rodenhäuser musizierten hochmotivierte Nachwuchstalente, allesamt junge Wettbewerbspreisträger.

Das Programm eröffnete klassisch-romantisch mit einem Werk des 16-jährigen Franz Schubert, dem viersätzigen Oktett F-Dur, D 72, allerdings nur im dritten und vierten Satz mit dem originalen Schubert. Die ersten beiden waren im Wesentlichen rekonstruiert. Schubert schrieb die Musik ganz in Stil der so genannten Harmoniemusik des 18. Jahrhunderts, in der klassischen Besetzung mit je zwei Oboen, Klarinetten, Hörnern und Fagotten. Es war gehobene Unterhaltungs- und Tafelmusik, alles sehr eingängig, mal lied- und volksliedhaft, ja ein wenig alpenländisch, mal tänzerisch. Der junge Schubert spielte gekonnt mit Instrumentationseffekten und ließ den vitalen Tonfall seiner frühen Sinfonien erkennen. Später folgte ein später Schubert, komponiert an der Schwelle seines Todes, ein wunderbares Andante aus der nur fragmentarisch überlieferten Sinfonie in D, realisiert mit einer Bläserfassung, getragen und lyrisch zugleich.

Vor der Pause wurde noch ein Oktett des wohl bekanntesten finnischen Komponisten der Gegenwart zu Gehör gebracht, von Einojuhani Rautavaara, mit vier Holzbläsern (Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott) und vier Blechbläsern (Hörner, Trompete, Posaune). Rautavaara komponierte in der Tradition des Serialismus und gilt als der Mystiker unter den Komponisten der Gegenwart. Die Welt wird als vorhistorisches und vorzivilisatorisches Mysterium erfahrbar. Dem unbefangenen Hörer erschließt das Oktett auf Grund seines hohen Leerstellenpotenzials unterschiedlichste Hörerlebnisse.

Igor Strawinskis Oktett von 1923 gilt als Meilenstein der Moderne. Mit der Bläserkombination zwei Blechbläserpaare (zwei Trompeten, Posaune, Bassposaune) mit Flöte und Klarinette trat an die Stelle der für Harmoniemusiken typischen weichen Klangmischungen ein kantiger Spaltklang. Mit massig-wuchtigen Klängen, teils martialisch, teils lyrisch-gesanglich bis hin zu jazzigen Elementen entpuppte sich dieser Strawinski als formal und motivisch äußerst variantenreiches Werk.

Die Stipendiaten der Villa Musica bildeten mit ihren Dozenten und musikalischen Koryphäen Thunemann und Rodenhäuser ein in verschiedenen Formationen spielendes, jeweils gut aufeinander abgestimmtes Ensemble, das bei den extrem schweren Rautavaara und Strawinski seine Klasse unter Beweis stellte und das Publikum begeisterte und mit Schubert verzauberte bzw. in seinen romantisch-melancholischen Bann schlug.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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