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Für Blut gibt es keinen künstlichen Ersatz
Eine Spende, die nichts kostet

Jetzt geht’s los: Brigitte von der Heiden vom DRK-Blutspendedienst West schiebt mir die Nadel in den Arm.
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  • Jetzt geht’s los: Brigitte von der Heiden vom DRK-Blutspendedienst West schiebt mir die Nadel in den Arm.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

dach Herdorf.  Verflixt noch eins! Jetzt waren es doch wieder fünf Jahre, denke ich. Gerade ist mir meine letzte Blutspende in den Sinn gekommen – und der Artikel, den ich darüber geschrieben habe. Darin ging es auch um die bittere Erkenntnis, dass meine letzte Spende davor bereits Jahre zurückgelegen hatte.

Nun stelle ich fest: Es ist mir wieder passiert. Erneut muss ich mir selbst ins Gebetbuch schreiben, dass ich einfach keine Erklärung dafür habe, warum ich seit Mai 2016 nicht mehr zum „Abzapfen“ gegangen bin. Schön ist das nicht. Immerhin: Ich schaue sofort nach, wo im AK-Land der nächste Blutspendetermin stattfindet. Schnell dem DRK-Blutspendediensts West Bescheid gesagt, dass ich erneut mit Block, Stift und Kamera aufschlage, und schon ist der Termin online registriert.

dach Herdorf.  Verflixt noch eins! Jetzt waren es doch wieder fünf Jahre, denke ich. Gerade ist mir meine letzte Blutspende in den Sinn gekommen – und der Artikel, den ich darüber geschrieben habe. Darin ging es auch um die bittere Erkenntnis, dass meine letzte Spende davor bereits Jahre zurückgelegen hatte.

Nun stelle ich fest: Es ist mir wieder passiert. Erneut muss ich mir selbst ins Gebetbuch schreiben, dass ich einfach keine Erklärung dafür habe, warum ich seit Mai 2016 nicht mehr zum „Abzapfen“ gegangen bin. Schön ist das nicht. Immerhin: Ich schaue sofort nach, wo im AK-Land der nächste Blutspendetermin stattfindet. Schnell dem DRK-Blutspendediensts West Bescheid gesagt, dass ich erneut mit Block, Stift und Kamera aufschlage, und schon ist der Termin online registriert.

Über 30 Kreuzchen

Das funktioniert wirklich einfach. Ich muss bloß meinen Namen und meine, zugegeben, recht lange Spendernummer eingegeben, die ich mit zugekniffnen Augen meiner Ausweis-Checkkarte entnehmen. Noch meine E-Mail-Adresse angeben, bestätigen, fertig. Dieses Procedere ist selbstverständlich der Pandemie geschuldet. Und das haben für diesen Tag exakt 100 weitere Spender durchlaufen, wie mir Blutspendelotsin Sabine Mai beim Termin in Herdorf mitteilt. Sie hakt meinen Namen auf einer langen Liste ab und schickt mich, nach einer Cola, zur eigentlichen Anmeldung. Dort bekomme ich drei Bögen Papier in die Hand gedrückt, darunter ein Fragebogen zu meiner Gesundheit.

Über 30 Kreuzchen habe ich zu machen, meist bei „Nein“. „Ja“, ist hingegen die Antwort bei der Frage, ob ich in den vergangenen vier Monaten beim Arzt gewesen sei: der Rücken. Und nochmal „Ja“ bei der Abfrage nach Medikamenten: Ibuprofen, eben der Rücken, aber schon länger her. Am Ende meine Lieblingsfragen: Ob ich denn zwischen 1980 und 1996 mehr als sechs Monate in Großbritannien oder Nordirland verbracht habe? Äh, nein. Und ob ich in den vergangenen vier Monaten in Haft war? Meines Wissens nicht.

Dann geht’s zu Klaus Maurer. Der sagt mir im schwersten hessischen Dialekt, dass er mich in den Finger piksen müsse. Er misst meinen Hämoglobinwert. 15,5 seien top, meint er. Ich selbst habe nicht den leisesten Schimmer. Nun das Arztgespräch: Dr. Peter Enders (ja, der Landrat) erklärt mir, dass mein Blut im Labor in drei Bestandteile zerlegt wird:
in die Sauerstoffträger Erythrozyten, vier Wochen haltbar;
in das Blutplasma, bis zu einem Jahr haltbar;
und in die Blutplättchen, die nur wenige Tage nutzbar sind.

Das meiste Spenderblut werde bei Herzoperationen oder für Tumorpatienten benötigt, und eben nicht für Unfallopfer, wie man landläufig glaube, so Enders.

Schwerkranke sind also hauptsächlich Nutznießer, nicht etwa Verletzte. Aber was, wenn die stärksten Generationen, die Babyboomer, noch ein wenig älter werden und ebenfalls verstärkt Blut benötigen? 2030 könne es zu einem Mangel kommen, meint Enders, wenn nicht gegengesteuert werde. Wobei der Mediziner in puncto Erstspender konstatiert: „Es ist besser geworden, aber noch Luft nach oben.“
Dann misst er mir noch den Blutdruck: 140 zu 80. „Uffz“, fährt es aus mir heraus. Das ist mir eigentlich etwas zu hoch. Doch der Doktor meint: „Im Sitzen ist das vollkommen okay. Und der Ruhepuls ist auch schön niedrig.“

Helfen kann so einfach sein

Mittlerweile habe ich auf der Liege Platz genommen, den Pulli ausgezogen. Nun kümmert sich Teamleiterin Brigitte von der Heiden um mich, schiebt mir vorsichtig die Nadel in den Arm. Das Blut aus Herdorf geht noch am Abend ins Zentrum für Transfusionsmedizin in Bad Kreuznach, wird dort umgepackt, nach Hagen ins Labor und dann fraktioniert wieder zurück nach Bad Kreuznach gebracht. Von dort aus können es etwa Kliniken anfordern.

Nach 7.30 Minuten ist der Beutel voll. Die automatische Waage stoppt bei 528 Gramm – ein halber Liter. Ein Helfer zieht mir die Nadel raus, ein anderer legt einen Verband an. Ich bleibe noch ein paar Minuten im Ruheraum, beim Rausgehen schnappe ich mir eine Tafel Schokolade. Und ich versuche mir einmal mehr einzuimpfen, nun regelmäßig zum Blutspenden zu gehen. Denn, auch wenn es klingt wie eine Plattitüde, es stimmt: Helfen kann so einfach sein.

Jetzt geht’s los: Brigitte von der Heiden vom DRK-Blutspendedienst West schiebt mir die Nadel in den Arm.
528 Gramm Blut, das macht einen halben Liter. Über das Labor in Hagen landet die Spende in der Blutbank in Bad Kreuznach.
Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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