Enduro: Der Weg ist das Ziel

Scharfe Kritik am SZ-Artikel über Moto-Cross-Fahrer im Wald / Suche nach Trainingsgelände

damo Herdorf. Es ist freundlich formuliert, dass der Artikel über Motorradfahrer im Wald (SZ vom 26. Oktober) nicht auf die ungeteilte Zustimmung der Herdorfer Enduro-Fahrer gestoßen ist. Eher trifft: Die Herdorfer sind sauer, fühlen sich falsch verstanden und zu Unrecht an den Pranger gestellt. Ihre Sicht der Dinge schilderten sie jetzt in einem Gespräch mit der SZ.

Freitagnachmittag, strahlender Sonnenschein. Schauplatz: die Herdorfer Sandhalde. Der Wind peitscht gnadenlos über eine unwirkliche Landschaft: Grauer Schlackensand soweit das Auge reicht, kaum ein Baum, kaum ein Strauch kann dem kontaminierten Untergrund trotzen. Steilhang neben hügeliger Sandaufschüttung, tiefe Pfützen, Schlammflächen. Überall Reifenspuren. Mittendrin: Malte Z. (Name geändert) auf seiner Husqvarna. »Bevor wir reden, will ich erstmal demonstrieren, was wir hier machen.«

Das tut er – und dem Beobachter stockt der Atem. Kein Hang scheint zu steil, keine Kante zu kritisch: Manchmal steht Malte Z. für Augenblicke mit seiner Enduro-Maschine fast senkrecht in der Wand. Dennoch: Er kommt da an, wo er will, hat seine Maschine augenscheinlich perfekt im Griff. Nach einer halben Stunde sind alle Umstehenden durchgefroren; Malte Z. hingegen schwitzt vor Anstrengung.

»Das ist der Unterschied zum Moto-Cross«, erklärt er später: »Crossfahrer fahren mit nicht-straßentauglichen Maschinen auf Parcours im Kreis. Da geht es um Geschwindigkeit und um weite Sprünge. Enduro-Fahren bedeutet aber: jeden Weg zu schaffen, mit seiner Maschine da ankommen, wo man will.« Manchmal sei er dabei langsamer unterwegs als ein Fußgänger – aber das ist egal. Der Weg ist das Ziel, Enduro ein Kampf von Mensch und Maschine gegen unwegsames Gelände.

Deshalb sei ihm und seinen Mitstreitern mit dem Moto-Cross-Gelände in Anzhausen nicht gedient – Enduro-Fahrer benötigen »echtes Gelände«. Problem dabei: Es gibt laut Malte Z. fast 100 Enduro-Fahrer in der weitläufigen Region – aber kein Trainingsgelände. Da bleibt nur das Ausweichen auf die Sandhalde.

Dieses Problem ließe sich lösen, befinden Malte Z. und seine Mitstreiter, wenn den Enduro-Fahrern ein Trainingsgelände zur Verfügung gestellt würde: »Es gibt hunderte Tennisplätze, Übungsgelände für Modellflugzeuge – warum gibt es für uns kein Gelände?« Malte Z. verweist darauf, dass viele Enduro-Fahrer aus der Region bei überregionalen Wettkämpfen immer wieder Plätze auf dem Siegertreppchen erringen – »diesen Sport muss man doch fördern«.

Wer die Herdorfer auf der Sandhalde erlebt, wird einräumen, dass es tatsächlich nicht um sinnlose Zerstörungswut geht, sondern um einen ernst zu nehmenden Sport. Und auch wenn es halsbrecherisch aussieht: Ernsthafte Verletzungen hat es laut Malte Z. in all den Jahren auf der Sandhalde noch nicht gegeben. »Da geht es jedes Wochenende auf den Fußballplätzen anders zur Sache.«

Eines müssen die Herdorfer dann aber einräumen: Natürlich gebe es auch unter den Enduro-Fahrern schwarze Schafe. Die sorgen dann laut Malte Z. dafür, dass die Förster auf die Barrikaden gehen und Menschen im Wald die Enduro-Fahrer als Bedrohung erleben. »Aber das sind nicht alle. Wen stören wir denn auf der Sandhalde? Die Natur ganz sicher nicht, und von den Maschinen ist viel weniger zu hören als von einem Lkw, der unten durchs Tal fährt.«

Und wenn Motorengeräusche ins Tal schallen, dann seien das oft Moto-Cross-Maschinen, keine Enduros: »Diese Maschinen sind für das Querfeldein-Fahren auf der Halde gar nicht ausgelegt. Die heizen dann mit Höchstgeschwindigkeit über die Halde – und das ist richtig laut.« Auch dieses Problem ließe sich lösen: »Wenn wir Enduro-Fahrer die Sandhalde offiziell nutzen könnten, dann hätten wir ja quasi ein Hausrecht und könnten dafür sorgen, dass sich die Lärmbelästigung in Grenzen hält.« Malte Z. und die anderen Enduro-Fahrer würden das Gelände pachten; damit das möglich ist, würden sie einen Verein gründen. Das wäre für Malte Z. und all die anderen der Schritt in die Legalität – und vielleicht auch eine Chance, ihre Sportart in der Öffentlichkeit so zu präsentieren, dass keiner mehr von Anarchie im Wald spricht.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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