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Homeschooling? So läuft das
Esszimmertisch statt Schulbank

Katharina Geisinger geht jeden Vormittag mit ihren Kindern Anna-Maria und Maximilian den vorgesehenen Schulstoff durch.
  • Katharina Geisinger geht jeden Vormittag mit ihren Kindern Anna-Maria und Maximilian den vorgesehenen Schulstoff durch.
  • Foto: Foto: Achim Dörner
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dach Herdorf. „Jeder in der Familie kann mir in Mathe helfen, aber keiner in Deutsch.“ Maximilian ist einigermaßen zerknirscht. Könnte er doch seine Klassenlehrerin fragen! „Sie ist sehr nett“, weiß der Zehnjährige zu berichten.

Doch die Pädagogin wird er frühestens am 20. April wiedersehen, nach den Osterferien. Wie ausführlich berichtet, sind die Schulen in NRW und in Rheinland-Pfalz derzeit geschlossen: das Coronavirus

Bis dahin wird er also morgens nicht neben seinen Freunden an seiner Schulbank Platz nehmen, sondern neben seiner Schwester Anna-Marie und Mama Katharina am heimischen Esstisch. „Homeschooling“ heißt der Begriff der Stunde, zu deutsch: Heimunterricht.

dach Herdorf. „Jeder in der Familie kann mir in Mathe helfen, aber keiner in Deutsch.“ Maximilian ist einigermaßen zerknirscht. Könnte er doch seine Klassenlehrerin fragen! „Sie ist sehr nett“, weiß der Zehnjährige zu berichten.

Doch die Pädagogin wird er frühestens am 20. April wiedersehen, nach den Osterferien. Wie ausführlich berichtet, sind die Schulen in NRW und in Rheinland-Pfalz derzeit geschlossen: das Coronavirus

Bis dahin wird er also morgens nicht neben seinen Freunden an seiner Schulbank Platz nehmen, sondern neben seiner Schwester Anna-Marie und Mama Katharina am heimischen Esstisch. „Homeschooling“ heißt der Begriff der Stunde, zu deutsch: Heimunterricht. Eigentlich in Deutschland nicht erlaubt (bis auf wenige Ausnahmen), erfährt dieses Bildungsmodell derzeit einen wahren Boom – zwangsweise.

Schlaue Gehirnzellen dürfen nicht einrosten

Maximilian und Anna-Marie haben vergangene Woche von den Pädagogen der Maria-Homscheid-Grundschule Herdorf jeweils eine Arbeitsmappe bekommen – gänzlich analog (siehe Bericht unten). Maximilians Klassenlehrerin hat beispielsweise geschrieben: „Es ist sehr wichtig, dass du jeden Tag in Deutsch, Mathematik, Sachunterricht und Englisch arbeitest (insgesamt ca. zwei bis drei Stunden), damit deine schlauen Gehirnzellen nicht einrosten.“ Dazu gibt es für jedes Fach einen Wochenarbeitsplan mit Aufgaben aus den entsprechenden Büchern, Arbeitsheften und Aufgabenblättern in der Mappe. Darüber hinaus wird auf Lernangebote im Internet hingewiesen. Und der Tipp: An ausreichend Pausen zu denken, sei ebenfalls wichtig, ebenso viel zu spielen.

Ein Arbeitsblatt hochladen reicht auf lange Sicht nicht

Auch die sechsjährige Anna-Marie hat eine Aufstellung von ihrer Lehrerin erhalten, in der 1. Klasse reichen die Aufgabenstellungen gleich „durch“ bis zu den Ferien. Hier stehen in Deutsch zum Beispiel gerade die Laute „eu“ und „ch“ auf dem Programm. Die Lernwörterdiktate schaut Mama Katharina nach, genauso wie die Ergebnisse im Kopfrechnen.

Auch beim schriftlichen Multiplizieren hilft die Mama, in diesem Fall bei Maximilian. In puncto Deutsch-Grammatik „muss ich mich aber erst einlesen“, sagt die gelernte Krankenschwester und hat bereits eine wichtige Erkenntnis aus der aktuellen Situation gewonnen: „Es ist ganz gut, dass man die Arbeit der Lehrer wieder zu schätzen weiß.“ Viertklässler Maximilian kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: „In der Schule lernt man meistens mehr.“

Heimunterricht ist anstrengend - auch für Eltern

Auf die Frage, ob der Heimunterricht für sie anstrengend sei, antwortet Katharina Geisinger klipp und klar: „Ja.“ Zumal es da ja auch noch die Arbeit und den Haushalt gibt… Und dass man die Kinder mit den Schulaufgaben allein lassen könnte, sei mitnichten so, sagt die Herdorferin. „Nebenbei bügeln geht nicht.“

Geisingers versuchen es derweil mit klaren Taktvorgaben. Zwar geht es am Esstisch erst um 9.30 Uhr los (vorher lockt der Tigerentenclub im TV), aber dann wird die Uhr gestellt. Und auch abends gilt: Die Kinder gehen so ins Bett, als ob am nächsten Tag Schule wäre. „Es sind ja keine Ferien“, sagt die Mama, die in diesem Zusammenhang ein Lob ausspricht: „Die Lehrer haben sich Mühe gegeben und das toll gemacht.“ Denn man müsse bedenken: Auch die Lehrer hätten so eine Situation noch nicht erlebt, seien ins kalte Wasser geworfen worden.

Derzeit ist zwar kein Unterricht, der ganz große Spaß will bei den Kindern aber nicht aufkommen. Wobei das Lernen am Vormittag noch nicht einmal das Problem ist, schenkt man Maximilian Glauben. Es ist eher die Isolation, die allen zu schaffen macht. Und der Zehnjährige weiß ziemlich genau, wie der Idealzustand aussehen könnte: „Wenn nur die Schule geschlossen wäre und ich könnte mich mit meinen Freunden treffen.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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