SZ

Prozess um Missbrauch in Herdorf
Familie springt Angeklagtem bei

Nächster Tag im Herdorfer Missbrauchsprozess: Vor dem Landgericht Koblenz sprangen Zeugen dem Angeklagten bei.
  • Nächster Tag im Herdorfer Missbrauchsprozess: Vor dem Landgericht Koblenz sprangen Zeugen dem Angeklagten bei.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

dach Koblenz. Tag drei im Herdorfer Missbrauchsprozess am Koblenzer Landgericht: Noch immer ist die 1. Große Strafkammer mit der Frage befasst, ob der 38-jährige Michael T. seine heute 15 Jahre alte Tochter Johanna (Namen geändert) über eine lange, lange Zeit immer wieder sexuell missbraucht hat – oder eben nicht.Am Donnerstag waren nun die beiden Halbgeschwister und die Mutter des mutmaßlichen Opfers an der Reihe, wurden als Zeugen vernommen. Deren Aussagen zusammengefasst: Unvorstellbar, dass Michael T. die ihm zur Last gelegten Straftaten begangen hat.

Vor dem Landgericht Koblenz werden Zeugen gehört
Dabei offenbarte der deutlich ältere Halbbruder Manuel F. die größte emotionale Distanz zu dem Mädchen.

dach Koblenz. Tag drei im Herdorfer Missbrauchsprozess am Koblenzer Landgericht: Noch immer ist die 1. Große Strafkammer mit der Frage befasst, ob der 38-jährige Michael T. seine heute 15 Jahre alte Tochter Johanna (Namen geändert) über eine lange, lange Zeit immer wieder sexuell missbraucht hat – oder eben nicht.Am Donnerstag waren nun die beiden Halbgeschwister und die Mutter des mutmaßlichen Opfers an der Reihe, wurden als Zeugen vernommen. Deren Aussagen zusammengefasst: Unvorstellbar, dass Michael T. die ihm zur Last gelegten Straftaten begangen hat.

Vor dem Landgericht Koblenz werden Zeugen gehört

Dabei offenbarte der deutlich ältere Halbbruder Manuel F. die größte emotionale Distanz zu dem Mädchen. „Das kannste schon so machen, aber dann isses halt Kacke“, hatte er in wirklich großen Lettern auf seinem T-Shirt stehen, in dem er im Zeugenstand Platz nahm. Und das spiegelte beinahe wortgleich die Einschätzung wieder, die er zu den Vorwürfen lieferte. Von den Angaben, die Johanna vor gut einem Jahr bei der Polizei gemacht hatte, hält er nichts. Im Gegenteil: „Die Vergewaltigungskeule zu schwingen ist asi.“ Die gemeinsame Mutter habe dem Mädchen „alles durchgehen lassen“. Dabei sei Johanna „gefühlt täglich ausgeflippt“. Wegen Kleinigkeiten habe sie angefangen zu kreischen, sei durchs Haus gelaufen und dann die Treppe hinaufgetrampelt.

Zeuge hält Missbrauch für "sehr unmöglich"

Dass Michael T. seine Tochter jahrelang immer wieder missbraucht haben soll, hielt Manuel F. für „sehr unmöglich“. Einerseits sei eigentlich immer jemand zu Hause gewesen. Außerdem verwies er auf die zahlreichen Gebrechen von Michael T: „Was soll der Mann groß können?“ Er mutmaßte, dass Johanna mit ihrer Anzeige ihrer großen Halbschwester nachgeeifert habe, die Jahre zuvor ebenfalls zur Polizei gegangen war, ihre Anschuldigungen aber dann wieder fallen ließ.
Den neuen Partner ihrer Mutter anzuzeigen, sei eine Kurzschlussreaktion gewesen, befand indes Michelle F., Johannas Halbschwester. Sie sei damals in einem psychischen Loch und suizidgefährdet gewesen, habe mit dem Schritt Aufmerksamkeit bekommen wollen. In ihren Augen herrschte zwischen Michael T. und Johanna ein „normales Vater-Tochter-Verhältnis“. Auch sie selbst habe Johanna – abgesehen von Kabbeleien unter Geschwistern – immer lieb gehabt. Auch sie erwähnte zumindest Wutanfälle ihrer Halbschwester, charakterisierte sie ansonsten aber als „zurückhaltend, schüchtern“. An Michael T. kann sie derweil nichts Schlechtes finden: „Er war immer da, wenn irgendwas war, war immer hilfsbereit.“
„Weder etwas gehört, noch was gesehen“ hatte ein Freundin der Familie, die ebenfalls als Zeugin geladen war. Sie beschrieb Johanna als jemanden, der unberechenbar, ja manchmal „ein Biest“ sein könne. Aber sie gab ebenfalls zu Protokoll, dass das Mädchen im vergangenen Jahr gleich zweimal zu ihr gesagt habe, es wolle bei ihr einziehen.

Mutter spricht von friedlichem Familienleben

Davon wusste auch Maria F., Mutter von Johanna und Verlobte des Angeklagten: „Sie hat aber nie einen Grund dafür gesagt.“ Maria F. sprach von einem allgemein „harmonischen Familienleben“. Geprägt war es demnach von den Leiden ihres Partners, inklusive vieler Krankenhausaufenthalte. Ihre jüngste Tochter Johanna bezeichnete Maria F. indes als Herausforderung. Sie leide unter einer Fructose-Unverträglichkeit, die „extreme Schübe“ hervorrufe – mit verbal aggressiven und auch depressiven Episoden. Und Fruchtzucker komme in so gut wie jedem Lebensmittel vor, auch wenn die Familie wirklich versucht habe, stets darauf zu achten.
Die Beziehung des Mädchens zu Michael T. sei gut gewesen: „Johanna war immer gern mit Papa unterwegs.“ Deren Anzeige bei der Polizei deutet die Mutter als Hilfeschrei, genauso wie den ihrer großen Tochter einst. Außerdem habe Johanna immerzu erwartet, dass sich alle um sie herum ausschließlich um sie kümmerten.

Kinderporno-Dateien auf Laptop entdeckt

Der Vorsitzende Richter Thomas Metzer wollte wissen, ob sie die Fotos von Johanna gesehen habe, die die Ermittler auf einem beschlagnahmten Laptop gefunden haben. Ja, sagte Maria F., zu diesen Aufnahmen – laut eines Polizeibeamten in teils pornografischen Posen – müsse Johanna jemand überredet haben. Der Laptop der Familie sei jedenfalls nicht unter Verschluss gewesen: „Jeder, der im Haus war, hätte theoretisch Zugang dazu.“
Dasselbe gelte für die Handys, auch für das von Michael T. Hierauf hatten die Beamten Kinderporno-Dateien entdeckt. Zudem wurden Chat-Protokolle eines Video-Konferenz-Programms zutage gefördert, in denen jemand persönliche Angaben gemacht hatte, die zum Angeklagten passen. Laut Anklage soll Michael T. seine Tochter auch vor der Kamera missbraucht haben, während sich Dritte diese Szenen per Internet anschauten. Die Krux, laut Maria F.: Dieses Programm hätten sie auf dem Laptop niemals installiert.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Mit einem Abo der Siegener Zeitung erhält ein Leser Ihrer Wahl täglich die besten Informationen und Themen aus der Region. Gleichzeitig können Sie sich eine unserer drei hochwertigen Prämien sichern.
4 Bilder

SZ-Abo vermitteln und Prämie aussuchen
Tolle Geschenke für den Lockdown-Alltag

Es ist die klassische Win-win-Situation: Mit einem Abo der Siegener Zeitung erhält ein Leser Ihrer Wahl täglich die besten Informationen und Themen aus der Region. Gleichzeitig können Sie sich eine unserer drei hochwertigen Prämien sichern. Vermitteln Sie uns einen neuen Abonnenten - und wir bedanken uns mit einem dieser tollen Geschenke. Wir möchten Ihnen den Pandemie-Alltag im eigenen Zuhause erträglicher machen und haben uns deshalb besondere Prämien für Homeoffice, Lockdown und Co....

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen