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Verurteilter Täter hatte über drei Promille im Blut
Feuer in Asylbewerberunterkunft gelegt

Beim dem Brand im Januar in Herdorf war die Feuerwehr schnell vor Ort. Nach dem Brand war die Unterkunft allerdings lange unbewohnbar. Archivbild: VG-Wehr
  • Beim dem Brand im Januar in Herdorf war die Feuerwehr schnell vor Ort. Nach dem Brand war die Unterkunft allerdings lange unbewohnbar. Archivbild: VG-Wehr
  • hochgeladen von Nadine Buderath (Redakteurin)

nb Herdorf. Schwere Brandstiftung und tätlicher Angriff auf einen Feuerwehrmann: Für diese Taten „kassierte“ René B. von der Betzdorfer Schöffengerichtskammer zwei Jahre und acht Monate Haft. Mit Handschellen wurde der 40-Jährige in den Saal geführt, die nächste Zeit wird er aber nicht in einer Justizvollzugsanstalt verbringen, sondern in einer Entzugsklinik.

3,15 Promille – so viel Alkohol dürfte René B. (Name geändert) nach Berechnungen der Gerichtsmedizin im Blut gehabt haben, als er in der Nacht auf den 24. Januar in einer Asylbewerber- und Obdachlosenunterkunft in Herdorf ein Feuerzeug an einen Sessel hielt.

Das Möbelstück stand in der Waschküche der dreistöckigen Einrichtung am Holertszug, in der der Angeklagte damals selbst lebte.

nb Herdorf. Schwere Brandstiftung und tätlicher Angriff auf einen Feuerwehrmann: Für diese Taten „kassierte“ René B. von der Betzdorfer Schöffengerichtskammer zwei Jahre und acht Monate Haft. Mit Handschellen wurde der 40-Jährige in den Saal geführt, die nächste Zeit wird er aber nicht in einer Justizvollzugsanstalt verbringen, sondern in einer Entzugsklinik.

3,15 Promille – so viel Alkohol dürfte René B. (Name geändert) nach Berechnungen der Gerichtsmedizin im Blut gehabt haben, als er in der Nacht auf den 24. Januar in einer Asylbewerber- und Obdachlosenunterkunft in Herdorf ein Feuerzeug an einen Sessel hielt.

Das Möbelstück stand in der Waschküche der dreistöckigen Einrichtung am Holertszug, in der der Angeklagte damals selbst lebte.

Der Sessel brannte schnell lichterloh, wie René B. berichtete. Dichter Rauch breitete sich im und um das Gebäude aus, den die Feuerwehr in der klaren Nacht schon von Weitem sehen konnte.

Etwa acht Bewohner befanden sich zu diesem Zeitpunkt in der Unterkunft. Einer versuchte sich durch ein Fenster und über ein Fallrohr in Sicherheit zu bringen, rutschte dabei aber ab. Drei weitere Personen mussten mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden.

Aber: Das Ganze ging noch relativ glimpflich aus, schwer verletzt wurde glücklicherweise niemand. Die Feuerwehrkräfte waren schnell vor Ort und ein Nachbar hatte zuvor bereits zum Feuerlöscher gegriffen, sodass sich das Feuer nicht weiter ausbreiten konnte.

Die Bewohner mussten zunächst jedoch anderweitig untergebracht werden, war der Sachschaden doch immens. Ein Mitarbeiter der Verbandsgemeindeverwaltung Daaden-Herdorf bezifferte im Zeugenstand die Gesamtsumme auf 30 000 bis 35 000 Euro.

René B. hatte bereits kurz nach den Geschehnissen die Tat gestanden. Sein Geständnis wiederholte er vor der Kammer über eine Erklärung seines Verteidigers Andreas Stötzel (Betzdorf). Und René B. entschuldigte sich für seine Tat.

Seine Erinnerung an die Nacht jedoch: „ziemlich verschwommen“. Er konnte sich noch daran erinnern, dass er einen Eimer mit Farblack auf den Sessel gestellte hatte und auch, dass er das dann brennende Möbelstück versucht habe, noch irgendwie aus dem Gebäude zu bekommen. Aber ohne Erfolg. „Ich war total geschockt. Die hohen Flammen...", so der merklich aufgeregte Angeklagte.

Er lief zurück in sein Zimmer, setzte sich aufs Bett und harrte der Dinge. Dort fand ihn dann die Feuerwehr, die ihn schließlich aus dem Haus ziehen musste, da verbale Appelle nicht fruchteten. Vor dem Gebäude, so einer der Wehrleute, der ebenfalls als Zeuge gehört wurde, habe der Angeklagte wild gestikuliert, eine vernünftige Konversation war demnach nicht möglich: „Er war total aufgedreht, wie ein HB-Männchen.“ Und dabei blieb es nicht: René B. schlug nach dem Feuerwehrmann, der dem Schlag aber ausweichen konnte. Einer seiner Kameraden wurde lediglich am Helm getroffen.

„Ich hab’ den Tag gar nix mehr gerallt“ – so versuchte René B. seine Tat zu erklären. Immer wieder habe er mit seiner Lebenssituation gehadert und der Tag im Januar sei ein besonders schwerer gewesen.

Er sprach dann reichlich dem Alkohol zu, kippte Bier und Brandwein in sich hinein – nicht das erste Mal, dass er probierte, sich auf diese Weise zu betäuben.

„Da hat er geübt und das nicht erst seit gestern“: So kommentierte der psychiatrische Gutachter Dr. Ingo Baltes die Tatsache, dass René B. mit gut 3 Promille Alkohol im Blut überhaupt noch zum Handeln fähig war.

Baltes zeichnete das Leben des heute 40-Jährigen nach. Geboren wurde René B. in Sachsen, wo er auch die ersten Jahre die Schule besuchte. Doch schon damals fiel er als unruhig und als Klassenclown auf und kam nach eigenen Angaben in ein spezielles Internat. Die Eltern flüchteten kurz vor der Wende mit ihrem Sohn in den Westen.

Nach der Schule packte René B. eine Ausbildung, arbeitete aber nicht in seinem eigentlichen Beruf, sondern in einer Fabrik. Bei einer Entlassungswelle verlor René B. jedoch seinen Job und war die letzten 15 Jahre arbeitslos.

Dem Alkohol habe der Angeklagte „reichlich“ zugesprochen, sei in therapeutischer Hinsicht aber bis dato „jungfräulich“. „Wegsperren ändert nichts an seiner Situation“, so Baltes, der eine Unterbringung in einer Entzugsklinik empfahl. „Ich denke, dass er therapierbar ist.“

Das sahen sowohl die Vertreterin der Staatsanwaltschaft als auch Anwalt Stötzel als richtigen Weg für den vielfach vorbestraften René B.

Und auch die Kammer unter Vorsitz von Melanie Neeb kam zu diesem Schluss. Mit dem Urteil von zwei Jahren und acht Monaten blieb sie dabei knapp unter der Forderung der Anklage. Es folgte die Anordnung zur Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Neeb machte René B. dabei unmissverständlich klar, dass er das recht milde Urteil genau zwei Aspekten zu „verdanken“ hatte: Seiner erheblichen Alkoholisierung und seinem Geständnis. Sonst, so die Vorsitzende, wäre der Fall möglicherweise auch etwas für das Landgericht gewesen.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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