Gespenstisches Vergnügen

Timothy Peach und Holger Schwiers: Tolles Darsteller-Duo in »Die Frau in Schwarz«

Herdorf. Das Herz schlägt immer schneller. Angst. Der Lichtkegel einer Taschenlampe kreist ziellos. Eine verschleierte Frau in Schwarz huscht schemenhaft vorbei. Mehr Angst. Pferdegewieher, Schreie, eine Kutsche verunglückt. Absolute Dunkelheit. Gibt es das: Eine Realität jenseits des mit dem Verstand (Be)Greifbaren? Ein Haus auf einem Eiland. Nur durch einen Damm mit dem Festland verbunden. Menschen, die schweigen. Natürlich Nebel. Eine alte Familientragödie. Das Zimmer mit der Tür ohne Riegel, die sich nicht öffnen lässt. Bis der junge Anwalt den Schleier lüftet. Er kommt in dem vor einem halben Jahrhundert eingerichteten Kinderzimmer dem Geheimnis der Frau in Schwarz, die einst ihr Kind verlor, immer näher. Aber was er wirklich mitnimmt, ist ein grausamer Fluch.

Gespenster? Da winkt der aufgeklärte Mensch natürlich mit beiden Händen sofort ab: Wir schreiben schließlich das Jahr 2006! Trotzdem, ganz tief drinnen hat vielleicht jeder von uns sein ureigenes Gespenst. Wer am Dienstagabend im Herdorfer Hüttenhaus mit von der Geister-Partie war, der lacht möglicherweise nicht mehr ganz so laut, wenn von unerklärbar scheinenden Phänomenen die Rede ist. Und sollten sich alle Schattenwesen doch im Licht des Tages in Luft auflösen, so sind sie doch allemal, wenn es denn gut gemacht ist, für einen angenehm gruselnden und unterhaltsamen Abend im Theater gut.

Nach der Aufführung wusste das begeisternd applaudierende Publikum jedenfalls ganz genau, warum Ellen Schwiers’ Inszenierung der »Frau in Schwarz« den zweiten Preis der Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen bekommen hat und bereits auf der zweiten Wiederholungstournee ist. Schwiers’ Truppe, das Ensemble, brachte bei dem Stück von Stephen Mallatratt nach dem Roman von Susan Hill zwar »nur« zwei Darsteller auf die Bühne, aber die zogen dafür alle Register. Timothy Peach, fernsehbekannt u.a. als »Der Heimkehrer«, in der Rolle des Schauspielers und Holger Schwiers als Mister Kipps überzeugten ohne Abstriche. Mittels des Kniffs, ein Stück im Stück zu spielen, bewegte sich »Die Frau in Schwarz« auf mehreren Ebenen. Während der Schauspieler den jungen Anwalt Kipps gibt, schlüpft Holger Schwiers in die unterschiedlichsten Rollen. Dabei beweist das Duo nicht nur mit synchronem Wippen bei gemeinsamen Bahn- und Kutschfahrten, wie gut es aufeinander eingespielt ist. Genauso wichtig wie die Mimen, so Regisseurin Ellen Schwiers, die als »schwarze Frau« durchs effektive und die Phantasie befeuernde Bühnenbild schwebte, sind bei dieser Inszenierung die Techniker. Ton-Designer Urs Douwes und der für Technik und Licht verantwortliche Marcus Halbig erhielten ihren verdienten Extra-Beifall. Wie es sich für einen richtig guten Grusler gehört, wurde der Stab des Schreckens natürlich weitergereicht. Die »schwarze Frau« hat ihren grausamen Rachefeldzug für ihr totes Kind noch längst nicht beendet. Mister Kipps hat bereits vor vielen Jahren Frau und Kind verloren, jetzt muss der Schauspieler mit der Angst vor der Zukunft leben. Die Überraschung ist gelungen!

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