»Gestandene Bergmänner haben angefangen zu weinen«

Die heimischen Mineralien ziehen viele Sammler in ihren Bann / Sonderausstellung im Bergbaumuseum Sassenroth

damo Sassenroth. Florian Geldsetzer hat feine, fast zarte Hände. Die braucht er auch: Er ist Berufsmusiker, spielt Violine bei den Duisburger Philharmonikern. So erklärt sich, dass der junge Mann nur eineinziges Mal zum Mineraliensammeln auf einer Halde unterwegs war: »Ich habe mir mit dem Hammer auf den Finger gehauen und war eine Woche krank geschrieben.« Dennoch hat der gebürtige Betzdorfer im Laufe der Jahre eine ansehnliche Mineralien-Sammlung aufgebaut – und die wird ab Sonntag, 16. März, im Sassenrother Bergbaumuseum einer breiten Öffentlichkeit gezeigt: Das Museum steckt derzeit mitten in den Vorbereitungen zu einer Sonderausstellung »Museum im Museum«.

Ein Forum für Sammler

Achim Heinz, Leiter des Museums, erklärt das Konzept dieser Ausstellung: »Die Montangeschichte im Siegerland ist heute lebendiger als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Viele Vereine widmen sich diesem Thema, und daneben gibt es eine immer größere Schar von Privatpersonen, die ansehnliche Sammlungen haben. Diesen Leuten wollen wir uns nicht verschließen – wir wollen ihnen ein Forum bieten.« Im Rahmen des Ausstellungszyklus stellen jetzt drei Sammler aus der Region ihre Stufen aus: Josef Dreier aus Herdorf, Heiner Frisch aus Siegen und besagter Florian Geldsetzer.

»Ich will nicht wie Alberich auf dem Schatz sitzen«, erklärt Geldsetzer: »Für mich haben Mineralien so viel Ästhetik, Vollendung und Schönheit wie eine Symphonie – das muss man doch einfach mit anderen Menschen teilen.« So hat er nicht lange überlegt, als ihn Achim Heinz zur Teilnahme an der Sonderausstellung eingeladen hat. Zum Mineraliensammeln ist er eher zufällig gekommen: Zwar haben ihn schon als Kind die alten Stollenmundlöcher auf dem Betzdorfer Molzberg fasziniert – aber mehr als kindliche Neugier steckte wohl nicht dahinter, als Florian aufgeregt vor den halb verfallenen Eingängen in die Untertage-Welt stand. Geldsetzer kommt – Betzdorfer wissen das ––aus einer musikalischen Familie, und so bekam er als Kind Klavierunterricht. Die Zeiten im Haus der Gleichmanns in Alsdorf waren aber weit mehr als musikalische Früherziehung: Während er bei Ilse das Klavierspielen erlernte, erkannte Hans-Dietrich das Interesse des jungen Musikschülers am heimischen Bergbau – und legte mehr als nur den Grundstein für Florian Geldsetzers Hobby.

Hans-Dietrich Gleichmann: Wer sich für den heimischen Bergbau interessiert, wird diesen Namen kennen. Der mittlerweile verstorbene Gleichmann, ehemaliger Betriebsleiter der Verbundgrube Eupel-Wingertshardt (Hövels), hat sich als Montanhistoriker mit seinen zahlreichen Publikationen einen Namen gemacht. Gleichmann hat damals VHS-Wanderungen zum Thema Bergbau organisiert – aber die Routen mussten vorher getestet werden. Gleichmann stapfte nicht allein durch das Unterholz: An seiner Seite marschierte Florian Geldsetzer mit. Und klebt an den Lippen des alten Mannes, lauschte gebannt seinen Erzählungen: »Das ist ein Schatz, von dem ich mein Leben lang zehren werde.«

Florian Geldsetzer schaffte sich Fachbücher an, kopierte sich unzählige Dokumente aus den Archiven und wurde zum Kenner des Bergbaus. Damals arbeitete er in einem Reiseorchester – und wo immer er auftrat, besuchte er die mineralogischen Museen und Kabinette. »In allen großen Sammlungen finden sich Siegerländer Mineralien. Den besten Malachit von der Grube Friedrich in Hövels habe ich in London gesehen, den besten Millerit von der Pfannenberger Einigkeit in Kopenhagen. Schnell wurde Geldsetzer klar: Die besten Stufen findet man nicht auf den Abraumhalden – die schönsten Mineralien liegen in den alten Sammlungen, verstauben auf den Dachböden alter Bergleute, lagern verkannt in Vitrinen und Schränken. Die Bergleute stießen in ihrer Suche nach dem Erz immer wieder auf kristalline Mineralien, auf tellergroße Stufen. In den 50er Jahren stießen die Bergleute in Hövels eine gute zehn Meter große Kluft im Gebirge an – eine Schatzkammer der Natur: Die Wände des Hohlraums waren über und über mit wasserklaren Quarzkristallen, Dolomit und golden glitzernden Kupferkies- und Pyritkristallen überzogen. »Laut Herrn Gleichmann haben gestandene Bergmänner angefangen zu weinen, so überwältigt waren sie.« Geldsetzer kann das nachfühlen: »Solche Stufen sind für mich persönlich das Abbild der Herrlichkeit der Schöpfung.«

Josef Dreier sieht das nicht anders. Er kam über einen Arbeitskollegen bei der Firma Schäfer zu seinem Hobby: »Der damalige Betriebsleiter hatte zuvor auf dem Pfannenberg gearbeitet, und er hat mir eines Nachmittags vom Bergbau erzählt. Er hat sich sein Pfeifchen angesteckt und geredet. Erst Stunden später bemerkten wir, dass die Schicht schon lange vorbei war.« Dreier war »infiziert« – seitdem hat auch er sich eine große Sammlung aufgebaut. Für ihn sind seine Siegerländer Mineralien die perfekte Entspannung: »Ich kann stundenlang vor meiner Sammlung sitzen und immer noch neue Schönheiten entdecken.«

Auch er will die Schönheit seiner Mineralien mit anderen Menschen teilen; auch er stellt einige Highlights seiner Sammlung im Sassenrother Museum aus. Die Sonderausstellung, die neben rund 200 außergewöhnlichen Stufen auch Gezähe und Geleucht umfasst, beginnt am Sonntag, 16. März, und endet Ende Juni. Am ersten Ausstellungstag sind Heiner Frisch und Josef Dreier von 14 bis 17 Uhr selbst im Museum. Wer Kontakte knüpfen oder fachsimpeln will, sollte sich diesen Termin vormerken. Lediglich Florian Geldsetzer wird an diesem Tag nicht anwesend sein – seine feinen Hände umgreifen an diesem Tag wieder den Hals der Violine.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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