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Missbrauchsprozess Herdorf
Glaubwürdigkeit des Mädchens soll untersucht werden

Ein heute 38-Jähriger soll seine Tochter missbraucht haben. Der Prozess läuft bereits seit Mitte Oktober.
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  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

nb Herdorf/Koblenz. Der Herdorfer Missbrauchsprozess am Landgericht Koblenz geht in eine weitere Runde. Und dabei könnte möglicherweise ein zweites psychiatrisches Gutachten eine entscheidende Rolle spielen.
Seit Mitte Oktober läuft der Prozess gegen Michael T.: Der heute 38-Jährige soll sich mehrfach an seiner Tochter Johanna vergangen haben. 30 Fälle hat die Anklage aufgelistet, in einigen soll der Missbrauch per Videoschalte von weiteren Personen beobachtet und kommentiert worden sein. Die inzwischen 15 Jahre alte Johanna (alle Namen geändert), die im Prozess von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte, hatte sich gegenüber Freundinnen sowie gegenüber dem Vater einer Freundin offenbart – so hatten es die Zeugen geschildert.

nb Herdorf/Koblenz. Der Herdorfer Missbrauchsprozess am Landgericht Koblenz geht in eine weitere Runde. Und dabei könnte möglicherweise ein zweites psychiatrisches Gutachten eine entscheidende Rolle spielen.
Seit Mitte Oktober läuft der Prozess gegen Michael T.: Der heute 38-Jährige soll sich mehrfach an seiner Tochter Johanna vergangen haben. 30 Fälle hat die Anklage aufgelistet, in einigen soll der Missbrauch per Videoschalte von weiteren Personen beobachtet und kommentiert worden sein. Die inzwischen 15 Jahre alte Johanna (alle Namen geändert), die im Prozess von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte, hatte sich gegenüber Freundinnen sowie gegenüber dem Vater einer Freundin offenbart – so hatten es die Zeugen geschildert. Unter anderem sei dabei der Satz „Ich bin Papas Sexspielzeug“ gefallen.

Fructose-Intoleranz als Auslöser

Konträr dazu die Aussagen von Johannas Halbgeschwistern und von Maria F., Verlobte des Angeklagten und Mutter des Mädchens. Sie hatte in ihrer Aussage von einem „harmonischen Familienleben“ gesprochen. Johannas Ausraster und unvorhersehbares Verhalten, wie es auch schon die Halbgeschwister geschildert hatten, sei durch eine Fructose-Intoleranz bedingt.

Anwältin nennt Alibi

Eigentlich waren für den Sitzungstag am Mittwoch die Plädoyers angesetzt, doch es kam anders. Verteidigerin Katharina Batz (Netphen) hatte gleich zwei Anträge angefertigt. Der erste bezog sich auf die Chatverläufe per „Skype“, die sich auf einem beschlagnahmten Laptop fanden. Nach der Darstellung von Maria F. hätten auch andere Personen die Möglichkeit gehabt, sich des Laptops zu bedienen. Und Anwältin Batz führte nun an: Für besagten Zeitraum Ende Oktober 2015 habe Michael T. quasi ein Alibi. Am 27. Oktober 2015 sei nämlich der Rettungsdienst am Haus der Familie in Herdorf angerückt. Michael T. sei dann ins Krankenhaus Kirchen gebracht worden, wo er einige Tage behandelt worden sei. In der Klinik habe er weder einen Laptop zur Verfügung, noch Zugriff auf das Internet gehabt.

Glaubwürdigkeit des Mädchens prüfen

Der zweite Antrag: Ein psychologisches Gutachten zur Glaubwürdigkeit von Johanna, die inzwischen nicht mehr in der Familie lebt. So wurde Maria F. noch einmal gehört – und zwar zu den Geschehnissen mit dem Rettungseinsatz. „Ja, er ist mir umgekippt“, sagte sie über Michael T. Und ja, ihr Verlobter sei dann ins Krankenhaus gekommen. Nicht zum ersten Mal, wie ihren Schilderungen zu entnehmen war.
Der Vorsitzende Richter Thomas Metzger wunderte sich aber nach wie vor, wer sich denn an dem Laptop und damit an den Skype-Profilen zu schaffen gemacht haben könnte. „Das ist eine gute Frage“, so Maria F., die von mehreren in Frage kommenden Personen sprach. Zu jener Zeit sei es ja auch zu einem bisher ungeklärten „Datenmissbrauch“ gekommen, der auch ihr Bankkonto betroffen habe. Fast bis zur Pleite seien unrechtmäßig Buchungen von dem Konto abgegangen. Erst seit 2017 habe die Familie wieder Kontrolle über das Konto. Über das Glaubwürdigkeitsgutachten will die Kammer in den nächsten Wochen entscheiden. „Das wollen wir nicht über‘s Knie brechen“, so der Vorsitzende. Fest steht damit nur: Der Prozess wird fortgesetzt.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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