Land fördert Geothermie

Noch stehen die alten Werkshallen auf dem früheren Ermert-Gelände. Wenn sie abgerissen sind und Platz für das geplante Neubaugebiet gemacht haben, könnten die neuen Häuser komplett mit Erdwärme versorgt werden.  Archivfoto: rita
  • Noch stehen die alten Werkshallen auf dem früheren Ermert-Gelände. Wenn sie abgerissen sind und Platz für das geplante Neubaugebiet gemacht haben, könnten die neuen Häuser komplett mit Erdwärme versorgt werden. Archivfoto: rita
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kafu Herdorf. Gute Nachrichten erreichten jetzt Bürgermeister Uwe Erner, und auch künftige Bauherren dürfen sich schon einmal freuen: Der Verwaltungschef hat vom Land die lang erwartete Förderzusage für das Geothermie-Projekt auf dem früheren Ermert-Gelände erhalten. Und die Untersuchungen dort zeigen, dass zumindest die Neubauten mit Erwärme geheizt werden können.

Das Institut für geothermisches Ressourcenmanagement (igem) ist regelmäßig vor Ort und hat eine Messstation aufgebaut. „Wir haben eine Rinne mit Wehr installiert, und jede Viertelstunde wird eine Messung durchgeführt“, erklärte Prof. Dr. Georg Wieber von der Uni Mainz, der das Modellprojekt leitet. Wassertemperatur und -menge werden über eine Dauer von ein bis zwei Jahren gemessen und das Wärmepotenzial des eingestauten Grubenwasser erfasst.

Klar ist schon heute, dass genug Erdwärme für die potenziellen Neubauten auf dem Areal der alten Ziegelei zur Verfügung steht. Wer hier baut, wird also nicht nur spürbar weniger Energiekosten zahlen müssen als Nachbarn, die konventionell mit Öl und Gas heizen, sondern er tut auch etwas für die Umwelt. „Aber ob es für 50, 100 oder noch mehr Häuser reicht, ist heute noch nicht klar“, sagte Dr. Wieber gestern im Gespräch mit der SZ.

Nicht nur für das Ermert-Gelände ist die Untersuchung interessant – auf Basis der Ergebnisse kann auch das Potenzial anderer Verbundgruben ausgewertet werden. Für die nähere Umgebung erstellen die Forscher ebenfalls verschiedene Szenarien. Der nächste Zugang wäre am San Fernando gelegen; hier könnte – zumindest theoretisch – Stollenwasser abgepumpt und in den umliegenden Gewerbebetrieben (zum Wärmen und Kühlen) genutzt werden. Damit am Ermert-Gelände auch dann noch ausreichend Wasser ankommt, müsste die Flüssigkeit nach der Nutzung wieder reinfiltriert werden, erklärte Wieber. All das wird derzeit berechnet, und die Untersuchungen sind ein wissenschaftliches Novum – deshalb arbeitet auch eine Doktorandin mit an dem Pilotprojekt.

Nun hat auch das rheinland-pfälzische Umweltministerium Geld bereitgestellt: Das Städtchen erhält 60 000 Euro aus Mainz. Die andere Hälfte des 120 000 Euro teuren Projekts trägt die Stadt Herdorf. „In den Mittelgebirgen gibt es an vielen Stellen beachtliche Thermalwasservorkommen in stillgelegten Bergwerken“, erklärte Umweltministerin Margit Conrad gestern in einer Pressemeldung zur Förderung. „Wir wollen diese geothermische Energie zur Wärmeversorgung von Wohnungen und Industrieanlagen nutzen. Das innovative Vorhaben in Herdorf wird uns dabei einen großen Schritt voran bringen.“„Wir freuen uns über die Förderung, das ist eine schöne Nachricht“, sagte Bürgermeister Erner im Gespräch mit der SZ. Eine Überraschung war der Bescheid aus Mainz allerdings nicht – die Stadt hatte schon länger mit der Zusage gerechnet. Inzwischen liegt auch die bergrechtliche Erlaubnis des Landesamtes für Bergbau und Geologie vor, sagte Erner. Diese ist nötig, weil die Stadt einen Bodenschatz „anzapft“. Geeinigt hat sich die Stadt zwischenzeitlich auch mit den Bergwerkseigentümern, auch sie haben demnach keine Einwände gegen die neue Nutzung der alten Schätze.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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