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Corona-Gedenken: Am 3. Dezember stirbt Norbert Fuchs im Alter von 85 Jahren
„Man konnte ihn nur lieben“

Als den Mittelpunkt der Familie beschreibt Sohn Andreas Fuchs seinen Vater Norbert Fuchs.

sabe Herdorf. Wenn Andreas Fuchs von seinem Vater erzählt, sieht er tieftraurig und glücklich zugleich aus. Norbert Fuchs war geliebter Vater und liebender Großvater, Freund, Nachbar, Vorbild und herzensgute Seele. Er kochte mit Leidenschaft für seine Lieben, hatte für jedermann ein offenes Ohr und immer sein verschmitztes Lächeln im Gesicht.
„Ich glaube“, sagt Andreas Fuchs, „ich habe ihn in all den Jahren nicht einmal böse gesehen. Man konnte gar nicht anders, als ihn lieben.“
Ein einsamer letzter WegAm 20. November 2020 steckt sich Norbert Fuchs bei seiner Schwester mit dem Virus an. Vier Tage nach der Ansteckung treten erste Symptome auf. Im Verlauf der Woche wird es schlimmer. Am 29. kommt er ins Krankenhaus, am 2. Dezember wird er auf die Intensivstation verlegt. Als er am 3.

sabe Herdorf. Wenn Andreas Fuchs von seinem Vater erzählt, sieht er tieftraurig und glücklich zugleich aus. Norbert Fuchs war geliebter Vater und liebender Großvater, Freund, Nachbar, Vorbild und herzensgute Seele. Er kochte mit Leidenschaft für seine Lieben, hatte für jedermann ein offenes Ohr und immer sein verschmitztes Lächeln im Gesicht.
„Ich glaube“, sagt Andreas Fuchs, „ich habe ihn in all den Jahren nicht einmal böse gesehen. Man konnte gar nicht anders, als ihn lieben.“

Ein einsamer letzter Weg

Am 20. November 2020 steckt sich Norbert Fuchs bei seiner Schwester mit dem Virus an. Vier Tage nach der Ansteckung treten erste Symptome auf. Im Verlauf der Woche wird es schlimmer. Am 29. kommt er ins Krankenhaus, am 2. Dezember wird er auf die Intensivstation verlegt. Als er am 3. Dezember an den Folgen seiner Corona-Infektion stirbt, ist er allein. Der Mensch, den sein Sohn Andreas als den Mittelpunkt der Familie beschreibt, er schied über einen einsamen Weg aus dieser Welt.
Oft habe er gedacht: „Hoffentlich trifft es niemanden von uns“, sagt Andreas Fuchs. Man hörte schließlich von den vielen Toten, von den schrecklichen Krankheitsverläufen und dem sich immer weiter ausbreitenden Virus. Man habe täglich die steigenden Zahlen zur Kenntnis genommen und sei froh gewesen, dass niemand der Lieben oder man selbst ein Teil der Kurven- und Zahlenkolonnen wird. „Mit dem Tod unseres Vaters und Großvaters hatte die Pandemie plötzlich ein Gesicht für uns.“

Angehörige konnten sich nicht verabschieden

Einen Tag bevor Norbert Fuchs im Alter von 85 Jahren stirbt, spricht er mit Andreas am Telefon noch drei letzte Sätze. Dann habe er abbrechen müssen. Er war zu erschöpft, um zu sprechen. Niemand weiß genau – bis heute nicht –, wie sehr das Virus seiner Lunge zugesetzt hat. Nur, dass er eine hohe Virenlast in dem lebenswichtigen Organ gehabt habe, das bestätigten die Ärzte.
Zwei der vier Geschwister sehen den Vater noch kurz vor seinem Tod im Krankenhaus. Vermummt und nur durch eine Fensterscheibe. Im Corona-Ausnahmezustand wird von den Angehörigen niemand zu Norbert Fuchs gelassen. „Er ging von uns, ohne dass einer seine Hand nehmen durfte oder wir einfach nur für ihn da sein konnten.“ Dass keiner der Angehörigen sich vom Vater, dem Menschen, der so stolz auf seine vier Kinder, sieben Enkel und vier Urenkel war, verabschieden konnte, das hängt der Familie schwer nach. Andreas Fuchs ist sicher: Es gibt Schlimmeres als den Tod. Den einsamen Tod. „Es ist für die Betroffenen ein menschenunwürdiges Heimgehen und für die Angehörigen ein unbeschreiblicher Schmerz. Trotz aller Bestimmungen: Man sollte den Menschen ihren freien Willen, ihre Würde und eine Wahl lassen.“

„Was bleibt, sind die vielen Erinnerungen“

Selbst nach dem Tod darf die Familie den Verstorbenen nicht noch einmal sehen. „Daher bleibt stets das Gefühl, dass er nicht gestorben, sondern lediglich in den Urlaub gefahren ist.“ Dass er nicht wiederkommt, begreift der Sohn in alltäglichen Situationen, etwa wenn er beim Fußballschauen darauf wartet, dass der Vater anruft. „Jeden Samstag haben wir über die Spiele debattiert.“
Bekannt und beliebt als Fußball-Bundesliga-Schiedsrichter, der es vom kleinen Städtchen Herdorf auf die großen Plätze Deutschlands schaffte, nimmt Norbert Fuchs die Fußball-Leidenschaft bis ins hohe Alter mit. „Er hat alles mitgemacht, selbst als alter Mann ist er mit mir noch in die Stehplatzblöcke gegangen.“
Aber niemand ruft mehr an. „Was bleibt, sind die vielen Erinnerungen“, sagt Andreas Fuchs, während er die rechte Hand auf die linke Brust legt, das eng vernetzt gelebte Leben, das trage er tief im Herzen. Die freie Zeit, die der Vater nach seiner frühen Pensionierung mit 50 Jahren nach seiner Arbeit als Postbote übrighatte, widmete er der Familie. „Er hat viel gelebt in seinem Leben, aber wer weiß, ob er ohne das Virus nicht noch zehn Jahre länger bei uns gewesen wäre.“

Gedenken Weit mehr als 200 geliebte Menschen im Verbreitungsgebiet der Siegener Zeitung sind inzwischen an der tückischen Covid-19-Infektion verstorben. Hinter den nüchternen Zahlen und Statistiken, die jeden Tag im Blatt erscheinen, verschwinden die einzelnen Personen und ihre oft tragischen Schicksale. Wir wollen den Toten der Pandemie ein Gesicht geben, einen Namen, von ihrem Leben und ihrem Sterben erzählen. Haben Sie jemanden durch das Coronavirus verloren? Wir möchten gerne mit den Hinterbliebenen in Kontakt kommen und ihnen Gehör schenken – als Angehöriger, als Nachbarin, als Kollege oder Freundin. Ausgewählte Beiträge über die Verstorbenen sollen anschließend veröffentlicht werden. Schreiben Sie uns an corona-gedenken@siegener-zeitung.de.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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