Musikalische Sommernächte

Regina Petzold sang Héctor Berlioz schönen Liederzyklus „Les Nuits d’Été“.  Foto: anne

anne Herdorf. Fast unglaublich, dass die meisten Musiker, die man am Freitagabend im Hüttenhaus Herdorf hören konnte, noch so jung sind. Dabei legten sie eine derartige Professionalität, musikalisches Können und sicheres Auftreten an den Tag, dass man meinen konnte, sie gehörten schon zu den „alten Hasen“ des Konzertbetriebs. Viel musikalische Erfahrung haben die Stipendiaten der Villa Musica Rheinland-Pfalz sicherlich auch schon.

Bei dem Konzert zum Thema „Sommernächte“ saßen sie neben dem Dozenten und Gründer des Ensembles Villa Musica, Ulf Rodenhäuser (Klarinette), und dem Jungdozenten David Schultheiß (Violine). Bunt gemischt, was die Herkunftsländer betrifft, bildeten Liene Krole (Flöte), Ji-Yoon Oh (Oboe), Saori Nagasawa (Klarinette), Sayaka Urano (Fagott), Tomasz Kubon (Horn), Joanna Gaitani (Violine), Ildiko Ludwig (Viola), Frederike Jehkul, Mareike Kirchner (beide Violoncello), Astrid Pfister (Kontrabass) und Andrea Kiefer (Akkordeon) zusammen mit den Dozenten in verschiedenen Instrumenten-Kombinationen ein beeindruckendes Ensemble.

Am Anfang des Programms stand Benjamin Brittens „Sinfonietta op. 1“ (Poco presto ed agitato, Variations. Andante lento, Tarantella. Presto vivace). In diesem Werk wechselten weiche Motive, bei denen die Musik in einem unendlichen Fluss erschien, mit Spannungen und dramatischen Entwicklungen. Immer dichter wurde der Klang, bevor die beiden Geigen im Duett zu ihrer filigranen, sehr sphärischen Passage ansetzten. Aber auch die Rhythmen fesselten und waren zuweilen prägend für die Musik. Träumerischer wurde es mit Héctor Berlioz’ „Les Nuits d’Été“, den Sommernächten. Mit ihrer vollen und facettenreichen Stimme begann die Mezzosopranistin Regina Pätzer mit der „Villanelle“, einer Art „ländlichem Spaziergang“.

Im zweiten Lied „Le spectre de la rose“ bereitete schon das gefühlvolle Instrumentalvorspiel auf den emotionalen Part der Gesangsstimme vor. Affektvoll sorgte diese Musik für ein Gänsehautgefühl, bevor es zu dem schmerzerfüllten und von dunklerer Klangfarbe geprägtem „Sur les Lagunes“, einer Totenklage am Grab der Geliebten, ging.

Nach der süßen Musik und Liebessehnsucht der „Absence“, führte „Au Cimetìere“ und seine geheimnisvolle Atmosphäre noch einmal zu den Gräbern zurück. Doch mit „L’île inconnue“ endete der Liederzyklus schließlich im hellen, versöhnlichen Klang. Nach der Pause stand die „Serenade Nr. 1, op. 11“ (Allegro molto, Scherzo. Allegro non troppo - Trio. Poco più moto, Adagio non troppo, Menuetto I und II, Scherzo. Allegro, Rondo. Allegro) von Johannes Brahms als letztes Werk auf dem Programm.Mit festlichen Tönen und vollem Klang, gefolgt von schönen Kantilenen wurde der erste Satz eröffnet. Und genauso wie das Allegro wirkte auch der tänzerische zweite Satz durch Moll-Einfärbungen stellenweise dunkler, bevor es getragen und mit wunderschönem, intensivem Klang weiter ging. Aber das Rondo sorgte dann für einen lebendigen Abschluss. Die jungen Musiker und ihre Dozenten begeisterten durchweg durch beeindruckende Perfektion und musikalisches Einfühlungsvermögen und sorgten so für ein einmaliges Klangerlebnis.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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